06. Mai 2017

Recherchenetzwerk Correctiv Die zehn Top-Leistungen der Schrifttumskammer

Ausbund an Kompetenz und Seriosität

von Ansgar Neuhof

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Bildquelle: shutterstock Recherchenetzwerk: Seriös und kompetent?

Die ARD hat bereits damit begonnen, bei Facebook soll es in Kürze losgehen: Etwaige Falschmeldungen (Fake News) sollen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Bei der ARD wird das Projekt von Patrick Gensing geleitet, der auch (freier) Mitarbeiter der umstrittenen Amadeu-Antonio-Stiftung ist. Bei Facebook wird die Aufgabe von einem externen Dienstleister ausgeführt, der Correctiv GmbH, dem selbsternannten „ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum“.

Correctiv will zunächst mit fünf Mitarbeitern Meldungen prüfen und gegebenenfalls mit Warnhinweisen kennzeichnen. Mit dabei sind unter anderem Karolin Schwarz, Koautorin des Monitoringberichts 2015/2016 der Amadeu-Antonio-Stiftung, und Pauline Schinkels, die sich mit investigativen Beiträgen wie „Och, Dich reiß‘ ich schon mal auf“ über das Aufreißen von Gummibärchentüten oder „So verkaufen Sie Ihr altes iPhone“ einen Namen gemacht hat.

Zur Finanzierung dieses Projekts erhält die weniger gemein- als eher eigennützige Correctiv GmbH 100.000 Euro von den Open Society Foundations, den Stiftungen des Milliardärs und Großinvestors George Soros, die auch großzügig die Amadeu-Antonio-Stiftung fördern.

Eine solche Prüfungstätigkeit stellt naturgemäß höchste Ansprüche an Kompetenz und Urteilsvermögen einerseits sowie Seriosität und journalistische Unabhängigkeit andererseits. Wird Correctiv, also gewissermaßen die künftige „Bundesprüfstelle für wahrheitsgefährdende Schriften“, diesen Ansprüchen gerecht? Damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann, nachfolgend die Top 5 der Correctiv-„Glanzstücke“ in den Bereichen journalistische Kompetenz und journalistische Unabhängigkeit.

Die Top 5 in der Kategorie journalistische Kompetenz

Platz 5:

Correctiv unterlaufen in seinen Beiträgen (zum Beispiel über die Spendenpraxis der Sparkassen und deren Gebühren oder über die Medien „Kopp Online“, „RT Deutsch“ und „Junge Freiheit“) immer wieder sachliche Fehler. Dazu gehören die falsche Wiedergabe einer Äußerung, Verwechslung von Organisationen, das Erfinden einer Tatsache, falsches Zitieren oder die Nennung eines falschen Autors bei einem im Beitrag erwähnten Artikel. Correctiv muss die Fehler nachträglich korrigieren. Die Korrekturen sind unterhalb der Beiträge aufgeführt.

Platz 4:

Correctiv behauptet in einem Artikel über die deutschen Sparkassen: „Immer mehrSparkassen schreiben Verluste – für die Kommunen mit Steuergeldern geradestehen müssen.“ Kommunen müssen jedoch grundsätzlich nicht für Sparkassen-Verluste einstehen, da in den Sparkassengesetzen der Bundesländer geregelt ist, dass Kommunen nicht für Verbindlichkeiten der Sparkassen haften (siehe beispielhaft Paragraph 7 Absatz 2 Satz 4 Sparkassengesetz Nordrhein-Westfalen oder Paragraph 8 Absatz 5 Satz 2 Sparkassengesetz Baden-Württemberg). Das schließt nicht aus, dass Kommunen in Einzelfällen freiwillig Garantien für notleidende Sparkassen übernehmen können.

Platz 3:

Correctiv veröffentlicht mit der „Zeit“ und der Funke-Mediengruppe eine Recherche zu antibiotikaresistenten (tödlichen) Krankenhauskeimen. Correctiv kann seine zentrale These, es gebe mehr Tote durch antibiotikaresistente Keime als offiziell verlautbart, nicht belegen, sogar die „taz“ findet dazu die Worte: „Blamage im Großformat“.

Platz 2:

Correctiv vermeldet den Wahlsieg Hillary Clintons bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 und bezeichnet Trump als miesen Verlierer.

Platz 1:

Correctiv und das ARD-Magazin „Plusminus“ veröffentlichen einen Bericht mit interaktiver Datenbank zur Beschäftigung von Hygienepersonal in deutschen Krankenhäusern. Correctiv und „Plusminus“ müssen sich korrigieren und die Datenbank wegen Widersprüchlichkeiten, Fehlern und nicht verlässlicher Datengrundlage aus dem Netz entfernen, „Plusminus“ verbreitet auch den Fernsehbeitrag nicht mehr.

Anmerkung:

Die heftig kritisierte Correctiv-Recherche zum Absturz von Flug MH17 über der Ukraine ist hier wegen der Unübersichtlichkeit der Materie nicht aufgeführt.

Die Top 5 in der Kategorie journalistische Unabhängigkeit

Platz 5:

Correctiv veröffentlicht mit der „Zeit“ eine Recherche zu Krankenhauskeimen und erstellt mit freeeye.tv zum Klimagipfel in Paris eine trimediale Produktion im Auftrag des NDR. Die „Zeit“-Stiftung spendet an Correctiv 1.500 Euro, und freeeye.tv zahlt an Correctiv 1.785 Euro.

Platz 4:

Correctiv recherchiert mit RTL zu Missständen im Gesundheitswesen. RTL zahlt an Correctiv 12.014 Euro.

Platz 3:

Correctiv erstellt mit dem „Spiegel“ und der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ einen Artikel über den Abschuss des Fluges MH17 über der Ukraine. Das Ergebnis dieses Artikels bestätigt die niederländische Sichtweise des Vorgangs. Die Rudolf-Augstein-Stiftung des „Spiegel“-Gründers und früheren -Herausgebers fördert Correctiv mit 70.000 Euro. Das Medienunternehmen Persgroep Nederland, zu dem das „Algemeen Dagblad“ gehört, spendet 5.000 Euro. Die niederländische Stiftung Adessium der Bankiersfamilie van Vliet spendet 175.000 Euro.

Platz 2:

Correctiv berichtet in einer Artikelserie ausführlich über die deutschen Sparkassen. Deren Konkurrenz, die Deutsche Bank und der Verband der PSD-Banken, zahlen an Correctiv 57.250 Euro beziehungsweise 5.000 Euro.

Platz 1:

Correctiv veröffentlicht zahlreiche (unvorteilhafte) Artikel über die AfD. Von der Bundeszentrale für politische Bildung erhält Correctiv 83.000 Euro und von der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU 4.000 Euro. Die Bundeszentrale wird vom SPD-Politiker Thomas Krüger geleitet und gehört zum Geschäftsbereich des von der CDU geleiteten Bundesinnenministeriums. Von der Brost-Stiftung erhält Correctiv von 2014 bis 2016 circa drei Millionen Euro. Stellvertretender Vorsitzender der Brost-Stiftung, die mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung kooperiert, ist der frühere Kanzleramtschef und NRW-Wirtschaftsminister Bodo Hombach von der SPD (zugleich früherer Chef des Correctiv-Geschäftsführers Schraven beim „WAZ“-Konzern), und im Aufsichtsrat von Correctiv sitzt die CDU-Politikerin Hedda von Wedel.

Schlussbemerkungen

Ein mehr als rein zufälliger Zusammenhang zwischen den jeweiligen Zahlungen an Correctiv und dessen Artikeln ist nicht belegt.

Auch in eigener Sache ist Correctiv-Geschäftsführer David Schraven ein wahrer Ausbund an Kompetenz und Seriosität. In einem „Meedia“-Interview teilte er mit, die Deutsche Bank sei Anfang 2016 als Förderer für eine virtuelle Akademie gewonnen worden. Dagegen berichtete das Geldinstitut, es habe bereits 2015 eine erste Spende geleistet, und eine zweite 2016 ohne konkrete Zweckbestimmung; nur eine dritte Zahlung von 29.750 Euro sei für die Akademie bestimmt gewesen. Die ist allerdings erst im Juli 2016 an den Start gegangen.

Damit Correctiv die Arbeit nicht ausgeht, sei an den Aufruf von Correctiv-Mitarbeiterin Pauline Schinkels im „Spiegel“ erinnert: „Macht mehr Fehler!“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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