09. September 2016

Nachruf auf Peter Janich Ein Geistesverwandter von Mises, Rothbard und Hoppe

Handeln als Quelle menschlicher Erkenntnis

von Peter J. Preusse

Artikelbild
Bildquelle: Justus Nussbaum / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) Peter Janich: Marburger Kapazität

Das Leben als Folge verpasster Gelegenheiten – das ist bei der Unzahl von Optionen und der begrenzten Zeit und Kraft eine banale Zwangsläufigkeit, und doch tut es dem philosophisch interessierten Freiheitsfreund weh, jetzt nicht mehr mit Peter Janich sprechen zu können. Erst 74-jährig, erlag der Marburger Philosoph am vergangenen Sonntag einem Krebsleiden, ganz zu Unrecht weitgehend unbekannt in der libertären Szene. Denn er hat, soweit mir bekannt ohne jeden Kontakt zur Österreichischen Schule, etwas geleistet, das erkenntnistheoretisch dem nahesteht, was Mises, Rothbard und Hoppe ausgearbeitet haben: Er hat die Frage nach menschlichem Handeln in den Mittelpunkt seines philosophischen Interesses gestellt und die Philosophie nicht etwa wie Scharlatan Marx „vom Kopf auf die Füße“ gestellt, sondern das Mundwerk auf das Handwerk zurückgeführt, wie der Titel seines letzten großen Werks andeutet. Zweckhafte menschliche Handlung als Quelle aller, ja wirklich: aller menschlichen Erkenntnis. „Es sind keine prinzipiellen Einwände sichtbar, jegliche Form wissenschaftlicher Erkenntnis nicht ausschließlich als Widerfahrnisse im zweckgerichteten Handeln zu sehen.“ Wie nahe liegt das an einer Kernaussage der Zentralfigur der Österreichischen Schule, Ludwig von Mises: „Handeln und Vernunft sind eines Ursprungs und gleichartig; man kann sie sogar zwei verschiedene Aspekte desselben Dinges nennen. Dass Vernunft die Kraft hat, durch reine Reflexion die wesentlichen Merkmale des Handelns zu klären, ist eine Folge der Tatsache, dass Handeln ein Ableger der Vernunft ist.“

Ob Janich die Österreichische Schule, die Praxeologie von Mises, das Hoppesche Apriori der Argumentation wahrgenommen hat? Immerhin hat Hoppe 1993 auf die Arbeiten von Janich und seinen Mitstreitern in der Erlanger Schule von 1968 ff. hingewiesen als wichtige Stützen für den methodischen Dualismus von Kausalität und Teleologie.

Vier Tage vor seinem Tod, der ihm bewusst vor Augen stand, musste ich von dem emeritierten Marburger Professor erfahren, dass er auf die Frage nach dem Verwandtschaftsverhältnis nicht mehr in der Sache antworten könne. Zu spät. Aber sein Werk steht, und es wird lange fortwirken, wahrscheinlich sehr lange, vielleicht sehr, sehr lange. Platons Ideen mit ihren Ur-Urenkeln Hegel und Marx scheinen abgetan zugunsten aristotelischer Abstraktion aus dem Handwerk, und das kantische synthetische Apriori findet seine Rehabilitation in den protophysikalisch gelösten Anfangsfragen einer methodischen Rekonstruktion von Wissenschaft.

Es bleibt zu hoffen, dass Hans-Hermann Hoppe, dem ich die Kenntnis dieses großen Geistes verdanke, sich in einem künftigen erkenntnistheoretischen Werk weiter mit der geistigen Verwandtschaft des Janichschen Methodischen Konstruktivismus mit den Grundlagen der Österreichischen Schule beschäftigen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf self-ownership.net.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Intellektuelle

Mehr von Peter J. Preusse

Über Peter J. Preusse

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige