28. Juni 2015

Absicherung Gold gegen Euro-Verfall

Wer Euro hält, trägt ein beträchtliches Risiko

von Thorsten Polleit

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Bildquelle: shutterstock Sicher: Schutz vor Entwertung

Die Goldhaltung ist eine „natürliche“ Versicherung gegen den Euro-Verfall. In den hektischen, schlagzeilengetriebenen Finanzmedien stehen meist kurzfristige Bewegungen von Finanzmarktpreisen im Vordergrund, das Beleuchten längerfristiger Trends bleibt dabei nicht selten auf der Strecke.

Wer bei der Euro-Einführung am 1. Januar 1999 auf Gold gesetzt hatte, konnte bis Ende Mai 2015 einen Wertzuwachs in Höhe von 330 Prozent erzielen. Mit Euro-Aktien lag die Rendite bei null Prozent. Sogar Rentenpapiere schnitten besser ab als die Aktien – auch gegenüber den US-Aktien (in Euro gerechnet). Der eine Grund: Schwere Verluste auf den Aktienmärkten von 2001 bis 2003 und von 2008 bis Anfang 2009. Der andere Grund: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen nach und nach abgesenkt. Das hat zwar die Zinserträge sinken lassen, jedoch hat es die Kurse der Anleihen merklich in die Höhe getrieben. Sparer und Investoren wenden nun natürlich den Blick nach vorn und stellen sich die Frage, ob ihnen das Gold auch künftig nicht nur den Wert des Vermögens sichern, sondern es vielleicht sogar vermehren wird.

Eine zentrale, wenn nicht die zentrale Nachfrage nach Edelmetallen könnte durch Entwicklungen befördert werden, die aus den Geschehnissen in der internationalen Kredit- und Geldsystemarchitektur stammen. Denn das Problem, das verantwortlich ist für die Turbulenzen 2008/2009, ist nach wie vor ungelöst, und zwar weltweit: das Ausweiten der Geldmengen durch Kreditvergabe, denen keine „echte Ersparnis“ gegenübersteht. Mittlerweile sind die Volkswirtschaften geradezu abhängig geworden von immer größeren Dosen Kredit und Geld, bereitgestellt zu immer niedrigeren Zinsen.

Gerät der monetäre Zustrom ins Stocken, droht Ungemach. Aus diesem Grund setzten die Zentralbanken alle Mittel ein, damit es nicht zu einem dauerhaften Schrumpfen der Kredit- und Geldmengen kommt. Ein Weg dazu ist das Absenken der Zinsen auf sehr niedrige Niveaus. Sollten Banken jedoch selbst bei niedrigen Zinsen keine neuen Kredite und neues Geld vergeben wollen (weil sie dazu nicht willens oder in der Lage sind), stehen der Zentralbank immer noch andere Wege offen. Beispielsweise kann sie den Staat durch die elektronische Notenpresse finanzieren. Dazu kauft sie Staatsanleihen auf, die bereits im Markt gehandelt werden (das sind die sogenannten Sekundärmarktkäufe) und bezahlt sie mit neuem Geld.

Im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem, in dem die staatlichen Zentralbanken das Geldproduktionsmonopol haben, kann die Geldmenge jederzeit in jeder beliebigen Menge vermehrt werden. Dass mehr Kredit und mehr Geld die Volkswirtschaften „ankurbeln“, dass mehr Kredit und Geld sowie niedrige Zinsen unverzichtbar sind für Wirtschaftswachstum, ist vielerorts zum Glaubensbekenntnis geworden. Und zwar nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch in Asien. China etwa hat bereits zum dritten Mal in Folge die Zinsen gesenkt, um der lahmenden Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Die gesenkten Zinsen sind einhergegangen mit einem starken Anstieg der Aktienkurse: Das „billige Geld“ scheint nun also, nachdem es die Häuserpreise inflationiert hat, in den Markt für Unternehmensbeteiligungen zu drängen.

Die Bank von Japan weitet seit Ende 2012 die Yen-Basisgeldmenge stark aus, indem sie Staatsanleihen aufkauft und die Käufe mit neu geschaffenen Yen bezahlt. Niedrig gedrückte Zinsen und das Vermehren der Geldmenge führen zu Fehlentwicklungen. Kurzfristig belebt sich die Wirtschaft, doch der Rückschlag ist gewissermaßen vorprogrammiert. Die Flucht in immer heftigere geldpolitische Maßnahmen verspricht nichts Gutes. Der Euro ist – anders als zum Beispiel der US-Dollar oder der japanische Yen – eine Währung für eine Vielzahl von Nationen, die sprachlich und kulturell durchaus verschieden sind und es auf absehbare Zeit auch bleiben werden.

Entgegen allen anderslautenden Versprechen unterliegt der Euro daher einem Aufspaltungsrisiko, das dann schlagend wird, wenn die Umverteilungswirkungen zwischen den Nationen offensichtlich werden. Derzeit verläuft die Umverteilung noch relativ verdeckt – etwa in Form von Garantieerklärungen und „Rettungskrediten“ –, die Kosten dieser Maßnahmen sind für die Bevölkerung (noch) nicht klar zu erkennen. Das ändert sich jedoch dann, wenn es zur offenen Inflation kommt. Eine Inflation kann in der Tat Zentrifugalkräfte im Euro-Raum in Gang setzen, die, sind sie erst einmal freigesetzt, sich nur noch schwer einfangen lassen.

Die Euro-Halter tragen also nicht nur ein Inflations-, sondern vor allem auch ein Entwertungsrisiko, das aus einem Auseinanderbrechen des Euro erwächst. Eine praktikable Versicherung gegen diese Risiken ist das Halten von Gold. 

Dieser Artikel erschien zuerst im Degussa Marktreport vom 19. Juni 2015.


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