12. Mai 2015

Konkurrenz zu US-Dollar China braucht mehr Gold

Preise auf dem physischen Markt könnten anziehen

von Thorsten Polleit

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Bildquelle: shutterstock Bald die goldene Stadt?: Shanghai

Wenn der Renminbi zur internationalen Reservewährung aufsteigen soll, wird China seine Goldreserven aufstocken müssen. China ist bestrebt, die eigene Währung, den Renminbi, zu internationalisieren, ihn als internationale Transaktions-, Investitions- und Reservewährung zu etablieren. Um diesem Ziel näherzukommen, hat die chinesische Regierung beispielsweise „Offshore“-Renminbi-Märkte geschaffen, auf denen der Renminbi gehandelt werden kann, quasi abgetrennt von der heimischen Finanzindustrie. (Derzeit werden etwa 80 Prozent des Offshore-Renminbi-Handels über Hongkong abgewickelt.) Zudem werden Direktinvestitionen und Auslandskredite in Renminbi gefördert, und inländische Banken sollen Renminbi-Kredite bald auch im Ausland vergeben können.

Ob es gelingt, eine Währung als internationale Reservewährung zu etablieren, hängt von vielen Faktoren ab. Hierzu zählen beispielsweise die Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft, institutionelle Faktoren wie politische Stabilität und Rechtssicherheit, die weltweite Bedeutung der heimischen Finanzmärkte und natürlich die volle Konvertibilität der Währung. Ein zentraler Aspekt dabei ist auch die „Deckung“ der Währung. China verfügt über Währungsreserven von derzeit etwa 3,7 Billionen US-Dollar, und zwar vor allem in Form von US-Dollar-Guthaben und anderen ungedeckten Papierwährungen. Eine Währung, die der Weltleitwährung – dem US-Dollar – echte Konkurrenz machen will, wird jedoch mit einer solchen Deckung dauerhaft nicht operieren beziehungsweise konkurrieren können.

Das lenkt den Blick auf das Gold in seiner Funktion als „Währungsanker“. China verfügt (gemäß den offiziellen Zahlen) derzeit über 33,89 Millionen Feinunzen Gold. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten, die die größten Goldreserven haben, halten 261,5 Millionen Feinunzen. China hat aber nicht nur absolut weniger Gold als die Vereinigten Staaten, das „Deckungsverhältnis“ – gemessen als ausstehende Renminbi-Geldmenge im Verhältnis zum Reservegold – ist ausgesprochen gering. Um die Goldreserven aufzustocken und damit das „Deckungsverhältnis“ zu verbessern, könnte China entweder seine bisherigen Währungsreserven in Form von zum Beispiel US-Dollar und Euro verkaufen und für den Erlös Gold kaufen, oder China kauft Gold durch Ausgabe von neuen Renminbi.

Sollte China seine Goldreserven aufstocken, wäre nicht verwunderlich, wenn sich das in aller Stille und in einem langgestreckten Prozess vollzieht. Alles andere würde absehbare starke Preiswirkungen auf dem physischen Markt nach sich ziehen (indem beispielsweise „Trittbrettfahrer“ für einen Preisauftrieb des gelben Metalls sorgen).

Entscheidend wird letztlich sein, ob die Chinesen ihren Renminbi tatsächlich als Konkurrent zum US-Dollar in den Weltfinanzmärkten etablieren wollen, oder ob der Renminbi nicht doch in eine „Währungskooperation“ zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt eingebunden werden soll. Im ersten Fall wird China absehbar mehr Gold brauchen. Im zweiten Fall liefe es bestenfalls auf eine Zwischenlösung hinaus, auf ein Währungssystem, das ebenfalls auf ungedeckten Währungen aufgebaut sein würde. Doch gerade von dieser Konstruktion scheinen die Chinesen loskommen zu wollen. Und deshalb erscheint es wahrscheinlich, dass die Chinesen noch zu ganz großen Goldnachfragern aufsteigen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst im Degussa Marktreport vom 24. April 2015.


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