26. März 2026
Wahlnachlese Rheinland-Pfalz: Ende der marxistischen Spaltung?
Analyse der Wahlergebnisse und politischer Entwicklungen in Rheinland-Pfalz
von Libertäre Eule
Mainz. Rund zehn Jahre lang wurde das französische Verwaltungsdiktat Rheinland-Pfalz durch eine sogenannte Ampelkoalition dirigiert. Die Erstauflage erfolgte 2016 unter der früheren Trierer Bürgermeisterin Malu Dreyer mit dem späteren FDP-Abtrünnling Volker Wissing als stellvertretendem Ministerpräsidenten. 2021 ging die zweite Ausgabe als Kabinett Malu Dreyer III, mit der berühmten Flut-Managerin Anne Spiegel als beigeordneter Landesmutter, an den Start.
Zwischenzeitlich wurde es außerdem zum Vorbild für den Bund, wo so manch geplagter Bürger die Scholz-Show nach 16 Jahren Merkel anfänglich sogar als Aufbruch feierte. Nachdem die Bundesampel einige Monate vor Schluss vorzeitig außer Betrieb genommen wurde, wurde sie am 22. März auch im behaglichen Mosel-Rheinland abgeschaltet. Die Wahlergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Parallele. Zwei von drei Teilnehmern wurden im Vergleich zum vorherigen Ergebnis verzwergt, der Dritte jeweils nur auf die Stammwählerschaft zurückgestutzt.
Die nach der gängigen Parteienlese an sich gegensätzlichen Formationen SPD und FDP wurden gleichermaßen auf Talfahrt geschickt. Vielleicht, weil der vermeintliche Gegensatz sich bei genauerer Betrachtung sehr schnell auflösen lässt. Begeben wir uns dazu auf einen kurzen historischen Exkurs.
Das von den linksrheinischen Besatzern auf der Karte eingezeichnete Mosel-Rheinland beherbergt auch die älteste Stadt Deutschlands, Trier, unter deren berühmt-berüchtigten Söhnen selbst Karl Marx nur als Erster unter Gleichen gelten kann. Dessen eigentliches Wirken wird heute selbst in libertären Kreisen oft verkannt.
Zwischen 1838 und 1846 hatte Richard Cobden in Großbritannien erfolgreich Arbeiter, Unternehmer und Bauern gleichermaßen hinter der friedlichen Anti-Weizen-Zoll-Revolution vereinigt und die Liberalisierung der Lebensmittelmärkte gegen den unerhörten Widerstand von Adel und feudalem Großgrundbesitz forciert. Nach diesem selbst von den Initiatoren niemals für möglich gehaltenen Erfolg verfügten die „werktätigen Bürger“ über einen historisch einmaligen Einfluss.
Der Aufgabe, dieses politische Schwergewicht in wessen Auftrag auch immer zu brechen, nahm sich der Trierer Anwaltssohn Marx an. Mit seiner gründlichen Bearbeitung niedrigster Instinkte stachelte er Arbeitgeber und Arbeitnehmer so gründlich gegeneinander auf, dass Cobden und die Anti-Weizen-Zoll-Bewegung heutzutage bestenfalls noch in den Fußnoten akademischer Fachaufsätze erwähnt werden. Parteipolitisch gebaren die Marxschen Schriften sehr bald die SPD unter Ferdinand Lassalle. Nach mehreren Restrukturierungsprozessen im Zuge der Katastrophen des 20. Jahrhunderts ging der deutsche Liberalismus in der Bonner Republik parteipolitisch in der FDP auf.
Seitdem repräsentieren SPD und FDP beide Enden der produktiven Klasse beziehungsweise die zweigeteilten Stände der klassischen, wertschöpfenden Klasse. Beide wurden bei der Landtagswahl von den ihnen vermeintlich vertretenen Volksgruppen zu Recht ignoriert. Die SPD glich die Verluste teilweise durch ihr Reservoir an Ü-70-Wählern aus.
An den Grünen als eigentlicher Widersacher schaffender Menschen ging die an sich schon natürliche Abstrafung einer Regierungspartei durch die Wähler hingegen erstaunlich schadlos vorbei. Ihre fest alimentierte Klientel aus Ewigkeitsstudenten, Nichtregierungsmitarbeitern und anderen Empfängern öffentlicher Leistungen wird sich ihre Wahlentscheidungen nun wahrlich nicht von der Realität diktieren lassen. Natürlich schaufelt der Grünen-Wähler sich langfristig sein eigenes Grab. Das seiner Mitmenschen schaufelt er jedoch zuerst und kann sich sogar vorübergehend als überlegener „Gewinner“ der von ihm forcierten Transformation fühlen.
Die AfD wurde stärkste Kraft in sämtlichen Alterskategorien unter 45. Ihren zweiten großen Vorteil dürfte sie womöglich selbst noch unterschätzen. Sie wird unabhängig von den Kategorien der marxistischen Spaltung wahrgenommen und kann so Arbeitnehmer und Geber gleichermaßen ansprechen. Billige Energie, niedrige Steuern, gute Infrastruktur, echtes Eigentum an den eigenen vier Wänden und so weiter. Die Bandbreite gemeinsamer Interessen dieser vermeintlich gegensätzlichen Gruppen kann Parlamentssessel für Jahrzehnte sichern. Solange die AfD konsequent an der Brandmauer zu den Grünen und ihrer Klientel festhält!
Es bleibt zu hoffen, dass sie dieser Chance angemessen Rechnung trägt.
Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.
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