07. Februar 2026

Schuld und Unschuld der Boomer Verteidigung der Boomer

Ein Vorschlag zur Güte

von Marc Peter

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Bildquelle: Sascha Koll / ChatGPT Deutschland im Sinkflug: Nicht eine Generation ist das Problem – sondern ein System, das Umverteilung belohnt und Verantwortung bestraft.

Dass es in Deutschland aktuell nicht gut läuft – das ist mittlerweile sogar im Mainstream angekommen. Während frühere Warnungen ignoriert und ihre Vertreter als Crashpropheten und Untergangsapologeten diffamiert wurden, hat diese negative Stimmung mittlerweile auch Konsens in der Gesellschaft und Politik gefunden. „Es muss sich etwas ändern.“ Aber in welche Richtung? Und wer ist schuld? Bei der Analyse, wer schuldig ist und wie man die heutigen Probleme lösen kann, gehen die Meinungen auseinander – auch im libertären Spektrum.

Die Boomer (geboren 1946 bis 1964) als Schuldige in dieser Frage zu sehen, scheint erst einmal einfach, da sie maßgeblich die Entscheidungen getragen haben, die Deutschland in diese Lage gebracht haben. Allerdings sollte die eigentliche Frage sein: Hätte denn meine Generation, die GenZ (geboren 1997 bis 2012), damals andere, bessere Entscheidungen getroffen?

Ein einfacher Blick auf die Wahlergebnisse bei der GenZ liefert ein ernüchterndes Ergebnis. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie politisch nicht die gleichen Fehler gemacht hätten. Gerade bei den jungen Frauen zeichnet sich ein Bild, dass es wahrscheinlich sogar noch schlimmer gekommen wäre, aber vielleicht wäre der Spuk dann auch jetzt schon vorbei – naja.

So oder so ist es allerdings auch falsch anzunehmen, dass man eine ganze Generation, egal ob Boomer oder GenZ, für etwas Politisches verantwortlich machen kann. Schließlich ist es genau dieser Kollektivismus, der auch zu diesem aktuellen Zustand geführt hat. Der Fehler liegt also offensichtlich nicht an den Individuen selbst. Denn der Glaubenssatz, dass einfach nur die Falschen regiert hätten, ist zu kurz gedacht. Die Fehlanreize in der Politik sind so tief verankert, dass es falsch wäre, zu behaupten, dass alle Menschen im Staat schuldig an dieser verkommenen Politik sind.

Es ist die Illusion, dass alle Menschen auf Kosten von allen anderen leben können. Mit dieser Illusion können wir die Rente sichern, das Weltklima retten, die ganze Welt mitfinanzieren und all das nur durch das Umverteilen von Reichtum, der in dieser Form – also liquide – gar nicht vorhanden ist. So entstehen Versprechen, die kurzfristige Vorteile auf Kosten langfristiger Freiheit und wirtschaftlicher Stabilität verursachen. 

In einem System, das auf Umverteilung, Verschuldung und staatlichen Subventionen beruht, ist es fast unausweichlich, dass jede Generation ähnlich abstimmt. Sie hat gelernt, dass es politisch rationaler ist, „mehr Staat“ einzufordern, anstatt Eigenverantwortung zu übernehmen. Der eigentliche Fehler liegt also nicht bei einer Generation, sondern in der Abhängigkeit von einem Staat, der zu groß geworden ist, um nachhaltig freiheitliche Lösungen hervorzubringen. Das Ergebnis dieses politischen Versagens spüren wir gerade auch durch die Verlagerung der Industrie ins Ausland. Denn auch das nicht liquide Vermögen verlässt schleichend das Land. Die Unternehmen hören dann nicht auf zu produzieren, sie produzieren halt nur woanders.

Sind die Boomer also unschuldig? Nein, die Boomer sind natürlich nicht völlig unschuldig. Zu viele von ihnen haben sich zu sehr auf der staatlichen Hilfe ausgeruht und fordern nun „ihren“ Teil an der Arbeit der nächsten Generationen. Anstatt selbst vorzusorgen, kommt das weit verbreitete Argument „Ich habe mein ganzes Leben eingezahlt“ und verkennt dabei, dass das deutsche Renten- und Sozialsystem eben nicht wie ein privater Sparvertrag funktioniert, sondern auf einem Umlageverfahren basiert und es daher keinen legitimen Anspruch darauf gibt.

Es ist problematisch, wenn der sogenannte Generationenvertrag verteidigt wird, als wäre er ein echtes Eigentumsrecht. Denn Eigentum entsteht nicht durch staatlich erzwungene Transfers, sondern durch freiwillige Verträge und eigene Leistung. Nur weil der Staat eine Generation „verarscht“ hat, indem er ihr falsche Versprechungen machte, darf das nicht zur Begründung dienen, die nächste Generation auf die gleiche Weise zu belasten. Gerechtigkeit entsteht nicht durch Weitergabe von Unrecht, sondern durch die Rückkehr zu echter Selbstverantwortung und Eigentumswahrung.

Nur wie erreicht man diese Rückkehr? Für eine kommende, eigenverantwortliche Generation ist es zunächst wichtig, eine Perspektive zu schaffen, in der sich das Sparen lohnt. Eigentum darf nicht in Frage gestellt und nicht besteuert werden.

Die entscheidende Perspektive für die Zukunft muss lauten: Leistung muss sich wieder lohnen! Wer Werte schafft, der muss diese auch rechtmäßig behalten. Gewinne aus Investitionen, Vermögen oder Erbschaften sind keine „ungerechten Vorteile“, sondern das Ergebnis von Risikobereitschaft, Fleiß und Verantwortungsübernahme innerhalb der Familie. Eine Gesellschaft, die diese Grundlagen besteuert, schwächt nicht nur den Wohlstand, sondern auch das Fundament echter Freiheit. 

Gleichzeitig darf es für kommende Generationen keine umlagefinanzierte Rente mehr geben. Jeder muss die Möglichkeit haben, eigenverantwortlich für sein Alter vorzusorgen – durch Sparen, Investieren oder private Versicherungen. Für die heute bestehenden Rentenansprüche gilt: Sie werden zwar eingehalten, allerdings nicht durch die Fortführung eines gescheiterten Systems, sondern durch eine Übergangsfinanzierung aus dem allgemeinen Steuertopf. Dies darf nicht durch neue Schulden gedeckt, sondern muss durch Einsparungen in anderen Bereichen finanziert werden. Nur so ließe sich verhindern, dass der Irrtum des Generationenvertrags einfach weitervererbt wird. Langfristig könnten dadurch insgesamt die Staatsausgaben reduziert werden, da die Anzahl an Rentnern sinken wird und weitere Steuern Stück für Stück abgeschafft werden könnten. Also rein theoretisch…

Mir ist bewusst, dass dieser Weg reines Wunschdenken ist. Die Fehlanreize in der Demokratie, die Macht des Staates und die Bequemlichkeit vieler Menschen werden nicht von heute auf morgen verschwinden. Auch wenn wir den politischen Weg nicht völlig ignorieren können, sollte man nicht glauben, dass es in der nächsten Generation zu einem Umdenken kommt. Die wichtigste Lehre, die wir daraus ziehen sollten, lautet: Verlasse dich nicht auf den Staat!

Wer frei sein will, muss Eigenverantwortung übernehmen, Vorsorge selbst gestalten und sich so unabhängig wie möglich machen – finanziell, geistig und unternehmerisch. Nur dann entsteht die Freiheit, die keine Generation zerstören kann.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. Dezember erscheinenden Jan.-Feb.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 259.


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Dossier: ef 259

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Marc Peter

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