20. November 2020

Unverhältnismäßige Corona-Maßnahmen Wieso eigentlich Maskenpflicht für alle?

Steigende Infektionszahlen, obwohl alle mit dem „Maulkorb“ herumlaufen

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: DesignRage / Shutterstock.com „Vermummungspflicht“ allerorten: Der Nutzen ist höchst zweifelhaft

Wenn die Maske – pardon: Mund-Nasen-Bedeckung –, wenn also die Maske vor Ansteckung mit dem Coronavirus wirklich schützt, wieso müssen dann auch alle jene eine Maske tragen, die vor so einer Ansteckung keine Angst haben? Dann würde es doch genügen, dass sich nur die wirklich Besorgten mit einer Maske schützten. Doch was käme dann prompt als Widerspruch? Natürlich dies: Die Menschen ohne Maske könnten sich gegenseitig infizieren, nämlich von solchen unter ihnen, die vielleicht schon infiziert sind, ohne es zu wissen. Die dann mögliche Entgegnung: Na, und? Dann infizieren sie sich eben.

Der Immunschutz funktioniert meist, nicht jede Infektion macht krank, die allermeisten Erkrankten werden wieder gesund

Dass die meisten Infektionen nicht zum Ausbruch der Krankheit führen, ist bekannt, der Immunschutz im Körper funktioniert. Und falls die Infektion wirklich krank macht, dann ist der Krankheitsverlauf in der Regel überwindbar, und man wird wieder gesund. Natürlich wird es unter diesen Kranken auch Menschen geben, die die Krankheit nicht überleben – alte vor allem und/oder ohnehin schon kranke. Aber wie bekannt, halten sich die Sterbezahlen insgesamt in Grenzen, die Zahl von Grippe-Toten ist in vorangegangenen Jahren saisonaler Grippe teils sogar höher gewesen. Aufhebens davon wie heute wurde nicht gemacht, es waren Üblichkeiten. Das Leben ist schon immer lebensgefährlich gewesen. Wie man lebt und stirbt, gehört für jeden Einzelnen zum Schicksal.

Aber Nicht-Maskenträger würden Anfeindungen ausgesetzt sein

Doch würden die Nicht-Maskenträger Unerfreuliches zu hören bekommen und erleben: Wenn sie sich – wenn es denn endlich gesetzlich erlaubt wäre – in der Öffentlichkeit unter Maskenträgern bewegen würden, dürften sie Anfeindungen ausgesetzt sein. Diese Menschen werden die Maskenlosen ansprechen, sie zum Maskentragen auffordern, sich empören, wenn dem nicht Folge geleistet wird. Die umstehenden Maskenträger werden sich daran beteiligen. Die Maskenlosen werden sich anhören müssen, dass sie die Gesundheit der anderen Menschen gefährden. Es wird für sie wie Spießrutenlaufen sein. Ihr Hinweis, die Maskenträger selbst seien durch ihre Maske doch geschützt, wird nicht verfangen. Die Panikmache durch Politik und Medien hat ihre beabsichtigte Wirkung erzielt, sie war und ist zu erfolgreich. Versuche der Maskenlosen zu argumentieren werden abprallen und aussichtlos sein. Die geschürte Angst ist stärker. Wem erfolgreich Angst eingejagt wurde, der ist gegenteiliger Aufklärung und Vernunftargumenten nicht mehr zugänglich. Die „Gutmenschen“ mit Maske fühlen sich gut und auf der sicheren Seite, die „Schlechtmenschen“ ohne Maske fühlen sich wie Aussätzige. Die Maske ist für sie wie ein Maulkorb.

Das Gebot der Verhältnismäßigkeit, dem jede staatliche Maßnahme unterliegt

Maulkörbe sind Freiheitsbeschränkungen. Die übrigen mit Corona begründeten Anordnungen erst recht. Von den Politikern und Mainstream-Medien vernehmen wir: Sicherheit (vor der Virus-Infektion) müsse „in diesen schlimmen Zeiten“ Vorrang vor der Freiheit haben. Das klingt zunächst einleuchtend und erscheint als verhältnismäßig. Aber es verstellt den Blick für die Folgen der Freiheitsbeschränkungen. Die nämlich sind derart schwerwiegend, dass gerade an ihnen die Verhältnismäßigkeit zu messen ist. Dem Gebot der Verhältnismäßigkeit unterliegt jede staatliche Maßnahme, auch Maßnahmen, die als Schutz vor Infektion und Krankheit ausgegeben werden. Wenn an den Beschränkungen zu viele Unternehmen, zumal mittelständische und Selbständige, zugrunde gehen, wenn zu viele Menschen ihren Arbeitsplatz und Verdienst verlieren, wenn es darüber zu einem gewaltigen Wirtschaftseinbruch mit allen seinen Folgeerscheinungen auch für den Staat selbst kommt, dann ist dies beim Gewichten der Freiheit gegenüber der Sicherheit zwingend einzubeziehen.

Die Folgen eines „Lockdowns“ sind unverhältnismäßig weit schwerer als die Folgen von Corona-Infektionen

Die Folgen dieser mittelbaren Freiheitsbeschränkungen sind weitaus schwerwiegender als die unmittelbaren der Maskenpflicht, des Abstandsgebots, des Gaststättenbesuchs, des Beherbergungsverbots, der Einreiseverbote aus anderen Bundesländern und dergleichen Anordnungen mehr, die überdies zu häufig willkürlich und widersprüchlich sind. Folgen eines solchen „Lockdowns“ werden untergewichtet, Folgen von Corona-Infektionen übergewichtet. Menschen am Arbeiten und Geldverdienen zu hindern, kommt so gut wie einem Berufsverbot gleich. Wer seinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen darf, gerät darüber kurz oder lang in Not und Armut, wird zum staatlichen Almosenempfänger und verliert einen wichtigen Teil seiner Freiheit. Die Unternehmen werden mit Corona-Folgen-Subventionen in Höhe Hunderter Milliarden Euro zum Kostgänger des Staates degradiert und ihm gegenüber noch gefügiger gemacht. Freiheit in Armut und Abhängigkeit ist auch nicht wahre Freiheit. Alle diese Folgen sind augenscheinlich derart unverhältnismäßig, dass sich der Staat mit seinen Anti-Corona-Anordnungen sogar dem Vorwurf aussetzt, das Übermaßverbot zu verletzen, wie es aus dem Artikel 19 des Grundgesetzes interpretiert wird.

Die Unverhältnismäßigkeit, die falsch gewichteten Risiken und die völlig verrutschten Maßstäbe

Der politischen Führung ist mit ihren zu starken Freiheitsbeschränkungen vorzuhalten, dass sie deren Unverhältnismäßigkeit nicht berücksichtigt. Sie gewichtet die Risiken falsch. Nicht infiziert zu werden, ist ihr wichtiger, als dass Unternehmen und Menschen erkennbar in den Ruin getrieben werden. Infiziert werden heißt noch lange nicht krank werden und schon gar nicht sterben. Trotzdem machen Regierungspolitiker und Parlamentarier das wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben platt – einschließlich der lebensnotwendigen Ausbildung in Schulen und Universitäten. Die (geschürte) Angst vor dem Virus bewerten sie höher als die (berechtigte) Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang und dem Verlust der Lebensgrundlage. Sie geben den (vermeintlichen) Schutz vor dem Virus als das höhere Gut aus als den (notwendigeren) Schutz vor der Gefahr für die deutsche Wirtschaft, die letztlich mehr Menschen bedroht als das Virus. Ihre Maßstäbe sind völlig verrutscht.

Weil Fragen aufkommen, sich auch woanders informieren

Gemessen an früheren schwereren Grippe-Jahren sind die angeordneten Maßnahmen rational nicht nachvollziehbar. Ein Land wie Schweden zeigt, dass es auch anders geht, ohne im Infektionssumpf zu versinken. Folglich kommen Fragen auf. Daher ist es kein Wunder, wenn nach anderen Beweggründen für die Panik- und Angstmache gesucht wird. Das Internet ist voll davon. Klar, Verschwörungstheorien, hört man dann sofort. Aber was auch immer, man sollte sie kennen. Es erleichtert es, aus den politischen Begründungen für die Beschränkungen und deren unverhältnismäßigen schweren Folgen in Wirtschaft und Gesellschaft seine eigenen Schlüsse zu ziehen – frei und unabhängig von Informationen, die zunächst einleuchtend klingen, aber einseitig sind und vorhandene andere Informationen fortlassen, was unterschlagen zu nennen wäre, wenn es bewusst geschähe.

Die Infektionszahlen – mit und ohne Maske

Abschließend noch diese naheliegende Frage: Warum steigen die Infektionszahlen, wenn doch alle mit der Maske herumlaufen? Offensichtlich schützt sie in der Tat nicht so, wie offiziell behauptet. Was wird man dann zu hören bekommen? Natürlich dies: Ohne Maske wären die Infektionszahlen noch höher ausgefallen. Man muss eben daran glauben, Glauben macht selig. Oder eben nicht. So werden wir wohl mit den Folgen alle dran glauben müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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