12. November 2020

Haltung statt Zurückhaltung in der Corona-Krise Unpolitische Vereine in Zeiten des Meinungskorridors

Es ist an der Zeit, Stellung zu beziehen!

von Björn Michaelis

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Bildquelle: Brüder Jandaurek / Wikipedia Aufruf an alle Vereine: Wagt euch aus der Nische der Neutralität heraus!

Liebe Vereinsmitglieder!

Deutschland ist gespalten, die USA sind gespalten, wie wir an der nach Countys aufgelösten rot/blauen Wahllandkarte sehen – wahrscheinlich ist die gesamte Welt in Bezug auf seltsame gesellschaftliche Fragen in zwei Gruppen gespalten: CO2-Klimamodelle / Schwindelprogramme, Nicht-AfD / AfD, Biden / Trump, Covid / Nicht-Covid, EU / Brexit, Konzerne / der Einzelne, Gelddrucken / Goldstandard, WTC3 Stahl geschmolzen / Sprengung usw.

Ich wette, dass es auf einen Showdown Diktatur / Anarchie mit regional unbekannten Ausgängen hinauslaufen wird.

Man kann diese Situation verachten, wie schon große Denker die Demokratie verachtet haben, zum Beispiel deshalb, weil man sich zu diesen Fragen gar keine Meinung bilden will. Man konnte lange glauben, dass man sich sein Leben so einrichtet, dass einen die Folgen, die sich daraus ergeben, dass diese Fragen mithilfe eines politischen Systems inklusive Presse entschieden werden, nicht betreffen. Man konnte sich raushalten. Gerade ich als Sympathisant libertärer Ideen finde den Slogan „Das höchste Recht ist es, in Ruhe gelassen zu werden“ eigentlich sehr gut.

Mittlerweile sind aber die Wirkungen des politischen Systems so allgegenwärtig geworden und gerade dabei, die letzten Barrieren einzureißen, die es noch daran hindern, das Individuum zur Verfolgung irgendwelcher Gemeinwohl-Ziele zu knebeln. Daher erwarte ich auch von denjenigen Stellungnahmen, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen und auch noch ihre Ruhe haben. Es ist nun mal so, dass der Staat sich in vielen Fragen zwischen die Menschen stellt und sie systematisch gegeneinander aufhetzt. Nichts ist dem regierenden Zeitgeist so ein Dorn im Auge, wie dass Menschen auf Basis freiwilliger Vereinbarungen ohne regulierendes „Nudging“ miteinander auskommen.  Mit „erwarten“ meine ich übrigens, dass ich mich von denjenigen distanziere, die glauben, sich konsequent neutral verhalten zu können, und es anderen überlassen, dem Propaganda-Apparat entgegenzutreten. Bisher betrifft dies mangels organisatorischer Fähigkeiten der Opposition lediglich den näheren Bekanntenkreis. Dass sich dies aber auch schnell mal ändern kann, darf man nach einem Blick auf die Anzahl der Umzüge aus der DDR vor dem 13. August 1961 hoffen.

Nahezu jede Institution in Deutschland, praktisch jede Firma, jeder Verein und Verband lässt Widerstand gegen die aktuelle Corona-Politik vermissen. Es geht sogar so weit, dass selbst eine Vereinigung ruhig gestellter Tanzlehrer sich öffentlich zu „den notwendigen Covid-Maßnahmen“ bekennt – Ähnliches auch vor Kurzem gesehen auf der Homepage unserer Jugendabteilung.

Haben so viele Menschen wirklich die Wertschätzung des Eigenen gegen kollektive Werte eingetauscht? Meistens sicher nicht – es ist stattdessen der schmierige, fiese deutsche Untertan, der hier aus der Gruppe heraus die Reste seines Gesichts zeigt.

Aus den USA vernehme ich seit Jahren, dass gerade aus dem Trump-Lager das Misstrauen gegenüber allen Institutionen stark gewachsen ist. Man glaubt, dass deren veröffentlichte Lüge – ein anderes Wort dafür, sich dem Meinungskorridor zu unterwerfen – die Regel und nicht mehr die Ausnahme ist. Covid zeigt nun final, dass dies auch in Deutschland sehr zutreffend ist. Wer im falschen Kreis über positiv getesteten Apfelsaft oder Komorbiditäten spricht, der beweist damit, dass er gefeuert werden möchte und nicht, dass er versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Wie sieht es nun mit unserem Verein aus? Soll sich der Verein neutral verhalten oder zu dem Thema des Meinungskorridors Stellung beziehen?

Es bedarf keines Gedankenexperiments – offensichtlich könnte schon nach einem harmlosen Statement wie „Ein Drittel der Vereinsmitglieder sind der Meinung, dass es weder eine Seuche gibt, gab oder eine drohte und dass für die Einschränkungen unserer Veranstaltungen die entsprechenden Politiker und Exekutivorgane zur Verantwortung zu ziehen sind – die anderen zwei Drittel schließen sich der Regierungsmeinung an und nehmen die Verordnungen geduldig hin“ Gravierendes für Mitglieder im Vorstand folgen, sofern die Exekutive Druck auf sie ausüben könnte.

Meiner Ansicht nach ist es aber mit unserer Diskussionskultur von früheren Festen und Theaterwochen unvereinbar, sich als Gruppe zur Frage des Meinungskorridors neutral zu verhalten. Und selbst so ein vermeintliches Fachthema wie Corona können wir nicht mehr umgehen, da die Regierung es uns aufnötigt.

Das Vereinswesen fußte einmal auf Aufklärung, Kultur und Bildung – Vereine waren ein wichtiger Baustein, damit sich das Bürgertum gegen den Geburtsadel durchsetzen konnte.

Sollen Vereine nun auch zu Institutionen werden, die einen inzestuösen Meinungs-Adel gebären? Ich zumindest habe keine Lust zu warten, bis dieser an seinen Erbkrankheiten verendet.

Lasst uns dem daher schon heute entgegentreten und Solidarität mit denjenigen zeigen, die dabei dem Regierungsdonner ausgesetzt werden.

Nomaské!


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