30. Oktober 2020

Gesellschaftspolitischer Wandel in den USA Der kommende korporatistische Kollektivismus

Die Frage ist nur noch, ob er durch die Wahlen oder durch die Schaffung bürgerlicher Unruhen herbeigeführt wird

von Jeff Thomas

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Bildquelle: Castleski / Shutterstock.com Wall Street: Tatsächlich ein „Hort gieriger Kapitalisten“?

Benito Mussolini erklärte, dass „der Faschismus passender als Korporatismus bezeichnet werden sollte, da er die Verschmelzung von korporativer und staatlicher Macht ist“.

So ist es.

Interessanterweise fehlt vielen, und vielleicht den meisten Menschen heute, das Verständnis für das System, von dem sie regiert werden.

Vor allem in den USA sind die meisten Menschen, die für die Republikaner stimmen, stolz darauf zu glauben, die USA seien ein kapitalistischer Staat.

Auch Demokraten betrachten die USA als einen kapitalistischen Staat und sind der Ansicht, dass es das sei, was mit dem heutigen Amerika nicht stimme. In zunehmendem Maße unternehmen sie Schritte in die sozialistische (oder kollektivistische) Richtung, um sie vor den vermeintlichen Übeln des Kapitalismus zu retten.

Interessanterweise sind die Übel, auf die sie sich beziehen, jedoch die bestehenden sozioökonomischen Ungleichheiten und die Tatsache, dass die Menschen in den unteren Gesellschaftsschichten immer weniger Gelegenheit haben, ihr Los im Leben zu verbessern. Und da sie glauben, dass sie in einem kapitalistischen System leben, gehen sie natürlich davon aus, dass der Kapitalismus das Problem sein müsse.

Aber das ist nicht der Fall.

Man kann sagen, dass die erste große Einführung des korporatistischen Kollektivismus 1913 mit der Einführung des Einkommenssteuergesetzes und des „Federal Reserve Act“ erfolgte.

Diese wurden unter Präsident Woodrow Wilson erlassen und der amerikanischen Öffentlichkeit als antikorporatistisch verkauft. Der „Revenue Act“, mit dem die Einkommenssteuer eingeführt wurde, wurde damit angepriesen, eine Steuer vor allem für die Reichen zu schaffen, die die Einkommensunterschiede ausgleichen würde. Die Federal Reserve wurde als eine Regierungsbehörde dargestellt, deren Aufgabe es wäre, die gierigen Bankinteressen der Wall Street zu zähmen.

Die wenigen, die den Gesetzesentwurf tatsächlich lasen, erfuhren jedoch, dass die Federal Reserve weder eine bundesstaatliche Institution war noch irgendwelche Reserven hatte. Sie sollte im Besitz der größeren Banken sein und ihnen die Macht geben, die Währung der USA zu kontrollieren.

Indem man kollektivistische Veränderungen versprach, wurden die Ziele des Korporatismus vorangetrieben.

Und so ist es auch heute noch. Praktisch alle Übel der amerikanischen Gesellschaft, wie sie von den Linken beschrieben wurden, sind durch die Einführung kollektivistischer Konzepte verursacht worden, die von der Plutokratie der USA kapitalisiert wurden.

Die USA sind kein kapitalistischer Staat. Wenn man es genau definieren will, wäre das Wirtschaftssystem korporatistisch und das Gesellschaftssystem kollektivistisch. Es ist jedoch wahr, dass es ein paar Überreste eines freien Marktes oder von Kapitalismus gibt.

Doch den meisten – ob links oder konservativ – erscheint dies als unmöglich. Man hat uns beigebracht, die Wall Street als einen Hort gieriger Kapitalisten zu betrachten. Sicherlich würden diese niemals den Kollektivismus – den „Retter“ der Massen – unterstützen.

Nun, ja und nein. Die Wall Street dominiert die amerikanische Wirtschaft seit über hundert Jahren. Und in all dieser Zeit haben sie ein höheres Maß an Kollektivismus angestrebt. Sie verstehen, dass der Kollektivismus (unter jedem seiner Deckmäntel, seien diese nun Sozialismus, Faschismus oder Kommunismus) ein höchst wirksames Mittel ist, um über andere zu herrschen.

Der Kollektivismus erhebt die Massen nicht, wie Karl Marx behauptete. Stattdessen „gleicht“ er die Klassenunterschiede dadurch aus, dass er die große Mehrheit der Menschen auf ein gleiches Niveau an Armut herabsetzt.

Die Prämisse ist einfach: Lass die Regierung Großzügigkeiten versprechen mit der Maßgabe, dass dabei Grundfreiheiten aufgegeben werden müssen, um diese „Wohltätigkeit“ aufrechtzuerhalten. Dann, wenn alle dem Kollektivismus unterworfen sind, wird die Freigiebigkeit stetig verringert. Die Chefs der Konzerne überzeugen das Volk davon, auf seine Rechte zu verzichten, halten dann aber ihren Teil der Abmachung nicht ein: der jetzt unterworfenen Bevölkerung Reichtum zu bescheren.

Noch mal: Das ist nichts Neues. 1917 war ein Leo Trotzki in New York bei den prominentesten Banken und Industrieunternehmen zu Gast. Mit freundlicher Genehmigung von Präsident Wilson erhielt er eine Finanzierung und einen US-Pass. Ein Kontingent begab sich dann mit Trotzki nach Russland mit den Geldmitteln, die notwendig waren, um der neuen Sowjetunion die Kontrolle zu entreißen – um die Menschewiki durch die von Lenin/Trotzki geführten Bolschewiki zu ersetzen. Die Abmachung lautete, dass die Sowjetunion kollektivistisch sein würde und dass die von den Russen benötigten Güter von New York aus geliefert würden, und zwar auf ewig, verborgen vor der russischen und amerikanischen Öffentlichkeit.

Innerhalb eines Jahrzehnts begannen dieselben Firmen, den damals aufstrebenden Adolf Hitler zu finanzieren. Sie finanzierten seinen Aufstieg zur Macht im Jahr 1933 und verbrachten den Rest des Jahrzehnts damit, die Kontrolle über einen Großteil der deutschen Industrie zu übernehmen, während sie zusätzlich Anlagen in amerikanischem Besitz in Deutschland errichteten.

Vor Hitlers Aufstieg war Deutschland völlig pleite und hoch verschuldet, aber die enormen Geldsummen von Wall-Street-Firmen sorgte dafür, dass Deutschland schnell aufsteigen und Europa dominieren würde. Tatsächlich wäre die Schaffung der deutschen Kriegsmaschinerie ohne US-Finanzierung unmöglich gewesen.

Der Begriff „Nazi“ ist eine Abkürzung für nationalsozialistisch – die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“. Wie dem russischen Volk war auch dem deutschen Volk das kollektivistische Versprechen verkauft worden, da es glaubte, dass sein Leben irgendwie besser werden würde, wenn es sich bereit erklärte, seine Freiheiten aufzugeben und die totalitäre Herrschaft zu akzeptieren.

Was sie erhielten, war totalitäre Herrschaft ohne die versprochenen „Großzügigkeiten“.

Die Bemühungen, in den USA die gleiche Situation zu schaffen, sind seit Langem im Gange. In den 1930er Jahren wurden unter dem „New Deal“ große Fortschritte in Richtung Kollektivismus gemacht. Der Wohlstand der Nachkriegszeit führte jedoch dazu, dass die Amerikaner nicht bereit waren, ihre Freiheiten im Gegenzug für die staatlichen „Geschenke“ aufzugeben.

Doch heute hat die zunehmende staatliche Regulierung den freien Markt geschwächt, wodurch sich die Chancen für den Durchschnittsamerikaner verringert haben. Dies hat heute einen Zustand geschaffen, in dem sich etwa die Hälfte der Amerikaner auf die leeren Versprechungen des Kollektivismus einlässt.

In Amerika gibt es keine echten „linken“ und „konservativen“ Parteien mehr. Es gibt jetzt nur noch „linke“ und „gemäßigt linke“ Parteien. Unabhängig davon, wer Präsident ist, sind die USA auf dem besten Weg, 2021 in dramatische soziale und gesetzliche Veränderungen abzugleiten, die die Umwandlung in einen korporatistischen Kollektivismus vollenden werden. Alles, was man braucht, ist ein Auslöser, wie es ihn in Deutschland im Februar 1933 gab.

Nur zwei Wochen vor den deutschen Nationalwahlen von 1933 veranstaltete Adolf Hitler ein geheimes Treffen zur Spendensammlung für deutsche und amerikanische Industrielle, das ihm Millionen an Spenden einbrachte, mit denen er eine totalitäre korporatistisch-kollektivistische Regierung finanzieren konnte.

Dann inszenierte er heimlich den Reichstagsbrand, schob die Schuld auf Dissidenten und politische Gegner und sorgte dafür, dass er gewählt wurde.

In seiner Ansprache bei dieser Spendenaktion erklärte er:

„Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder den Gegner aus verfassungsrechtlichen Gründen zurückzudrängen, und zu diesem Zweck haben wir wieder diese [bevorstehende] Wahl, oder es wird ein Kampf mit anderen Waffen geführt, der größere Opfer verlangen kann. Ich hoffe, dass das deutsche Volk so die Größe dieser Stunde erkennt.“

Deutschland stand damals kurz vor einer totalitären korporatistisch-kollektivistischen Herrschaft, entweder durch Wahlen oder durch die Schaffung bürgerlicher Unruhen.

In ähnlicher Weise stehen die USA heute vor einem dramatischen Wandel. Die Frage ist, ob dies durch Wahlen oder durch ihre historisch leidvoll bekannte Alternative geschehen wird …

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Website „Doug Casey’s International Man“ und wurde von Axel B.C. Krauss exklusiv für eigentümlich frei ins Deutsche übersetzt.


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