20. Oktober 2020

Zukunft der USA Die amerikanische Revolution – das Sequel

Warum sich die Geschichte nicht wiederholen kann

von Jeff Thomas

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Bildquelle: Fotokvadrat / Shutterstock.com Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg: Nur möglich durch das damalige hohe Ethos des Volkes

Die USA sind das am meisten beobachtete Land der Welt. Da es das derzeitige Imperium der Welt ist (und da es als Imperium in den Todeskampf geht), ist es faszinierend, ihm zuzusehen.

Diejenigen von uns, die nicht in den USA leben, sehen es genauso wie die Amerikaner im Fernsehen. Es ist wie ein Autowrack in Zeitlupe, das wir fast täglich beobachten, gespannt darauf, was als Nächstes passieren wird. Wir kritisieren den Wahnsinn des Ganzen, aber wir können unsere Augen nicht von dem sich entfaltenden Drama abwenden. Es hat die ganze Aufregung eines Blockbuster-Films.

Erstens: Die Staatsverschuldung ist bei Weitem die höchste in der Geschichte eines Landes.

Zweitens: Das Wirtschaftssystem ist ein Kartenhaus, das von Tag zu Tag wackliger wird.

Drittens: Die Regierung hat sich in fortschreitendem Faschismus und zunehmendem Kollektivismus festgefahren.

Viertens: Die Regierung ist dabei, aggressiv den am besten organisierten Polizeistaat der Welt zu schaffen.

Fünftens: Die Mehrheit der Bevölkerung ist zu verschwenderischen Konsumenten geworden, die apathisch hoffen, dass ihre Regierung ihre Probleme irgendwie lösen wird.

Sechstens: Die Medien stellen internationale Ereignisse immer wieder falsch dar und bringen die Bürger dazu, zu akzeptieren, dass die anhaltende Invasion mehrerer anderer Länder unerlässlich ist.

Siebtens: Die beliebtesten Präsidentschaftskandidaten (beide Parteien) sind die egoistischsten, außer Kontrolle geratenen Angeber – und sie predigen eher provokative Rhetorik als echte Lösungen.

Dennoch hegen die meisten Amerikaner nach wie vor die Hoffnung, dass alles irgendwie klappen wird.

Hoffnung ist ein Wunsch, kein Plan

Es gibt eine wachsende Zahl von Amerikanern, die akzeptiert haben, dass die USA sich rasch auflösen und auf einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der einen oder anderen Form zusteuern.

Einige sprechen von einer neuen Revolution (aber hoffentlich einer friedlichen, in der Art einer Tea Party). Einige stellen sich vor, dass sie, wenn sie genügend Waffen und Munition in ihren Häusern lagern können, in der Lage sein könnten, sich gegen die Regierungsbehörden zur Wehr zu setzen. Andere machen sich Gedanken über die Idee einer organisierten Sezession von einigen der Bundesstaaten. Eine kleine, aber wachsende Zahl von ihnen reist in aller Stille in vielversprechendere Gebiete ab.

Mit Ausnahme des Letzteren sind die meisten „Hoffnungen“ verständlich, aber jeder Versuch einer „Zweiten Amerikanischen Revolution“ wird wahrscheinlich nicht gelingen.

Warum? Nun, um nur einige Punkte zu nennen:

Erstens: Die Macht des US-Staates ist weitaus größer als die von König George III. im späten achtzehnten Jahrhundert.

Zweitens: Der heutige US-Staat würde auf seinem eigenen Boden kämpfen und nicht auf irgendeinem Kontinent, der Tausende von Meilen entfernt in Übersee liegt.

Drittens: Der US-Staat folgt der Vorstellung, er hätte zwischen 1861 und 1865 das Konzept der Sezession ein für allemal beerdigt.

Aber nehmen wir der Argumentation halber an, dass in den USA eine Auflösung des Bundes oder die vollständige Entfernung und Ablösung der Regierung möglich wäre. Was dann?

Nun, unglücklicherweise kommt hier die wirklich schlechte Nachricht für diejenigen, die hoffen, dass die USA als die freie Nation, die sie in ihren Anfängen waren, neu beginnen könnten:

Erstens: Im späten achtzehnten Jahrhundert war Amerika eine weitgehend agrarische Ansammlung von Kolonien. Die Kolonisten mussten hart arbeiten, um zu überleben, daher waren Arbeitsethik und Selbständigkeit für die Kolonisten von größter Bedeutung. Sie waren ein tapferes Volk, das es gewohnt war, für sich selbst zu sorgen und sich körperlich gegen diejenigen zu wehren, die es herausfordern wollten.

Zweitens: Die Kolonisten erhielten keine nennenswerte Zuwendung von den britischen oder lokalen Regierungen: keine Wohlfahrt, keine Sozialversicherung, keine Medicare oder Medicaid, keine Leistungen irgendwelcher Art.

Drittens: Die Kolonisten trafen täglich ihre eigenen Entscheidungen. Sie hatten keine staatlichen Schulen oder Medien, die ihnen sagten, was sie denken oder welche Entscheidungen sie treffen sollten. Sie verließen sich auf ihren gesunden Menschenverstand und ihre Selbstbestimmung, um sich bei ihren Entscheidungen und Handlungen leiten zu lassen.

Heute ist natürlich das Gegenteil der Fall. Weniger als zwei Prozent der Amerikaner sind in der Landwirtschaft tätig. Nur neun Prozent sind tatsächlich in der Produktion von Gütern beschäftigt. Sie sind nur selten direkt an ihrem eigenen physischen Schutz beteiligt (die meisten, wenn nicht sogar alle Kämpfe finden im Ausland statt und werden von Auftragnehmern im Verteidigungsbereich oder von Personen geführt, die freiwillig dem Militär dienen).

Die meisten Amerikaner erhalten von ihrer Regierung Leistungen der einen oder anderen Art. Die meisten Empfänger betrachten diese Leistungen als „wesentlich“ und könnten ohne sie nicht auskommen.

Die meisten Amerikaner erhalten ihre Meinung von den Medien. Obwohl dies für viele Amerikaner nicht offensichtlich ist, ist für diejenigen außerhalb der Vereinigten Staaten, die nur den Kopf schütteln können über die Fehlinformationen, die von den US-Medien angeboten werden, die generelle Akzeptanz dieser „alternativen Realität“ durch so viele Amerikaner eklatant klar.

Aber welchen Einfluss hat dies auf die Zukunft der Amerikaner, wenn sie entschlossen genug wären, entweder ihre gesamte Regierung abzusetzen oder alternativ dazu einige Staaten abzuspalten?

Es hat in der Weltgeschichte viele Revolutionen gegeben, sowohl friedliche als auch andere. Im Falle der Amerikanischen Revolution von 1776 waren die Kolonisten als Volk weitgehend in sich geschlossen und besaßen das ideale Ethos, um als produktives Land erfolgreich zu sein.

Aber das ist in der Geschichte selten der Fall gewesen. Wann immer ein Volk auf die eine oder andere Weise stark vom Staat abhängig war, hatte es sich daran gewöhnt, auf Kosten anderer Großzügigkeit zu erhalten. Das ist ein extremer Faktor. Es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Gruppe im Extremfall einen Washington oder Jefferson hervorbringt oder wählt. Sie entscheiden sich stattdessen fast immer dafür, sich hinter jemanden zu stellen, der von staatlicher Seite Großzügigkeit verspricht. Bei der Wahl solcher Führer erhält das Volk mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Robespierre oder einen Lenin – raus aus der Bratpfanne und rein ins Feuer.

Die allgegenwärtige Schwierigkeit liegt hier in der irrigen Vorstellung, dass es eine Rückkehr zur Freiheit geben könne, während die Abhängigkeit von staatlicher Großzügigkeit aufrechterhalten wird. Beides schließt sich gegenseitig aus. Diejenigen, die eine Rückkehr zu größerer Freiheit anstreben, müssen auch akzeptieren, dass „Freiheit für alle“ bedeutet, dass der Staat nicht mehr befugt ist, von einer Person zu stehlen, um einer anderen etwas zu geben.

Oder, wie Frédéric Bastiat Mitte des 19. Jahrhunderts feststellte: „Regierung ist die große Fiktion, durch die jeder versucht, auf Kosten aller anderen zu leben.“

Unabhängig davon, ob die USA ihren gegenwärtigen Abwärtstrend fortsetzen oder ob sie sich im Streben nach mehr Freiheit befreien, wird das letztendliche Ergebnis wahrscheinlich mehr mit der kollektivistischen Denkweise der Mehrheit zu tun haben als mit der libertären Vision einiger weniger.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Website „Doug Casey’s International Man“ und wurde von Axel B.C. Krauss exklusiv für eigentümlich frei ins Deutsche übersetzt.


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