13. Oktober 2020

ef 207 Editorial

Große Kriege dauern oft so etwa fünf Jahre

von André F. Lichtschlag

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Bildquelle: Susan Law Cain / Shutterstock.com Im Krieg: Und das wohl noch länger ...

Wir gehen in den achten Monat des weltweiten Wahnsinns. Bald beginnt mit dem Winter auch wieder die Grippesaison, die sich nun „Corona-Welle“ nennt, sodass nicht mehr wie im Sommer noch aus dem puren Nichts der täglich herbeigemessene Virus-Alarm von Politik und Medien frei erfunden werden muss. Denn auch in jeder bisherigen Grippesaison starben Tausende von, vor allem älteren und stark vorerkrankten, Menschen. Läuft also – bald wieder von ganz allein. 

Übrigens berichten ausgerechnet jene oft von den gefährlichsten Krankheitsverläufen, die vom Influenzavirus trotz Grippeimpfung befallen werden. Na, schönen Dank an die Herren Klabauterbach und Co, die nun „wegen Corona“ besonders eindringlich auch noch jedem Kerngesunden eine Grippeimpfung empfehlen! Und das schreibt hier nicht etwa ein prinzipieller Impfgegner, es kommt nur eben immer auf Dosis und Notwendigkeit an. Aber nach der guten alten Verhältnismäßigkeit fragt schon lange niemand mehr. 

Ich möchte Ihnen ein kleines Geheimnis verraten. Im engsten Kreis spreche ich über die Zeit der galoppierenden politischen Pandemie, in der wir uns seit dem Frühjahr befinden, stets von einem „Krieg“. Etwa, wenn wir sehnsüchtig über die „Zeit danach“ sprechen, „wenn der Krieg vorbei ist“. Dabei ist mir bewusst, dass das übertrieben ist, jedenfalls bis heute, denn um nichts möchte ich tauschen mit den Generationen, die wirklich in einem Krieg leiden mussten. Vielmehr möchte ich mit der Metapher auf eine Zeitenwende hinweisen, die große Kriege immer bedeuten. Sie sind dabei stets auch eine Übergangsphase von einer alten in eine neue Weltordnung. Es wird auch diesmal je nach Weltregion starke Gewinner geben und große Verlierer. Und wie während jedes Krieges ist heute noch unklar, wer sich wo am Ende wiederfinden wird. Ach ja, auf noch ein Detail weise ich dann gerne hin: Große Kriege dauern oft so etwa fünf Jahre. Weißte Bescheid, Schätzelein… 

Manches bewegt sich deshalb auch sehr langsam in diesen Tagen, anderes ist einschneidend. Zu Letzterem würde ich das Verhalten der christlichen Kirchen zählen. Sicher, es ist auch verrückt, wenn Karnevals- oder Schützenvereine Politiker anflehen, ihre Festivitäten doch lieber zu verbieten. Das gab es so selbst in Kriegen bisher nicht, jedenfalls erzählen sich die Alten im Rheinland: „Karneval haben wir immer gefeiert.“ Auch dass Menschen sich monatelang den Fußball als die Kaiserdisziplin des Landes verbieten lassen, hätte ich vor diesem Krieg nie für möglich gehalten. Aber dass die christlichen Kirchen sich (fast) überall auf der Welt ihr höchstes Fest Ostern nehmen ließen, oft ohne auch nur zu murren, das könnte zumindest in Westeuropa den Niedergang des Christentums nachhaltig beschleunigen. Eine Katastrophe. 

Sicher, wir alle waren im April noch sehr unsicher. Aber auch wenn viele Menschen zu Ostern noch an das Killervirus glaubten, hätten nicht gerade dann im zivilen Ungehorsam frei nach Jesus die Kirchentore für die Gläubigen geöffnet statt geschlossen werden müssen? Lediglich in den USA – dort, wo die Trennung von Kirchen und Staat gelebt wird – gab es christlichen Widerstand gegen bürokratische Verordnungen in vielen Gemeinden aller Konfessionen, immerhin. Glaube. Liebe. Hoffnung? 

Im letzten Monat hatte ich an dieser Stelle mein Unverständnis darüber geäußert, dass ausgerechnet die sonst so hedonistischen Linken und Progressiven nun besonders autoritätshörig nach allen möglichen Corona-Verboten rufen, die doch auch und gerade ihre geliebte „Freiheit vom Gürtel abwärts“ einschränken. Der parteilose Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner gab mir eine einleuchtende Erklärung: Der Sadismus der Linken gegenüber anderen sei oft noch stärker als ihr Drang nach ungehemmtem Ausleben sonstiger Triebe.

Insofern sind viele Progressive mit der Pandemie des Wahnsinns in ihrer Version des Paradieses angekommen. Das Gute ist verborgen hinter allgegenwärtigen Denunziationen und Verboten, die Wahrheit wurde durch die Lüge ersetzt, so heißt zum Beispiel Arbeitslosigkeit jetzt Kurzarbeit. Und das Schöne durch Hässlichkeit – die Maskenzombies auf den Straßen sind auch und gerade ästhetisch betrachtet ein Affront. Jeder Mensch gilt dem anderen als tödliche Gefahr, vor der uns allein der allmächtige und allwissende Staat zu bewahren habe. Karl Marx hätte in diesem „neuen Normal“ frohlockt, seine Jünger jauchzen – und der Mensch als Herdenwesen wagt es von Natur aus nicht, die wirren Weisungen der politmedialen Alphatiere infrage zu stellen. So werden wir vieles erst fühlen müssen, wieder einmal. 

Trotz alledem: Wie immer möchte ich Ihnen mit der vorliegenden Ausgabe ein hohes Maß an Lesefreude und Erkenntnisgewinn auch in „interessanten Zeiten“ wünschen. Der Krieg, davon bin ich überzeugt, wird vorbei sein, wenn sich alte Währungen in Hyperinflation pulverisiert haben und ein neues Finanzsystem installiert wurde. Bis dahin hoffen wir, dass Millionen Tote nicht doch am Ende auch diesmal wieder mit zur Bilanz des Ausfechtens einer Zeitenwende zählen werden. Schließlich, es bleibt dabei: kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller politischen Pandemien. Mehr Freiheit! 

PS: Unsere geplante Jahreskonferenz im Januar auf Usedom wird aus den bekannten Gründen leider nicht stattfinden können. Wir suchen nach Alternativen zu einem späteren Zeitpunkt, mehr dazu an dieser Stelle im nächsten Heft.

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 17. Oktober erscheinenden November-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 207.


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