01. September 2020

Debatte um Achille Mbembe Unbequem ist stets genehm

„Ein Lichtmacher aus Afrika“, der die Verkommenheit des Westens anprangert

von Volker Seitz

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Bildquelle: Heike Huslage-Koch / Wikipedia.org Umstrittener Schriftsteller und Historiker Achille Mbembe: In Deutschland mit Preisen überhäuft

Der Historiker Achille Mbembe aus Kamerun wurde in Deutschland mit Preisen überhäuft. In der „Welt“ vom 29. August 2020 vermutet Thomas Schmid in „Politik der Feindschaft“, dass die hochrangigen Repräsentanten aus Politik und Kultur, die sein Werk so emphatisch gewürdigt haben, die Bücher (in denen er die immer gleichen Thesen variiert) nicht gelesen haben. Mbembe wurde in den vergangenen Jahren hintereinander mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem Gerda-Henkel-Preis und dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet.

Mbembe kam in Deutschland zuletzt ins Gerede, weil ihm vorgeworfen wurde, er unterstütze die BDS(„Boycott, Divestment and Sanctions“) -Bewegung und sei antisemitisch. Das erwähnt Thomas Schmid aber nur am Rande. Mbembe schrieb dem jüdischen Staat Ausrottungsphantasien und die Absicht zu, das palästinensische Leben wie Müll entsorgen zu wollen.

Mbembe schreibt über die aktuelle Situation mit Covid-19 und entwirft ein hybrides Horrorszenario. „Die Pandemie kommt dem entfesselten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts gerade gelegen, um sein Programm der Eliminierung der ‚Überflüssigen‘, der ‚Trennung‘, der ‚Auslöschung‘, der ‚Vernichtung der und des Anderen‘ und der ‚Zementierung eines neuen, globalen Kolonialismus noch hemmungsloser voranzutreiben als bisher.“

Schmid schreibt, Mbembe könne solchen Unsinn nur behaupten, weil der die Realität hochmütig nicht zur Kenntnis nehme. Er wäge nicht ab, es gebe bei ihm keine Ambiguitäten, keine Nuancen, keine Fortschritte. Er spreche den liberalen Demokratien grundsätzlich die Fähigkeit ab, sich vom dunklen Erbe des Kolonialismus zu lösen. Die westlichen Länder, so Mbembe, würden den Rassismus in den Dienst aller möglichen mehr oder weniger verrückten Geschichten stellen.

„Ein Lichtmacher aus Afrika ...“

Schmid bezeichnet Mbembe als einen intellektuellen Verwirrer. Seinem überhitzten Werk fehle der Ernst. Freihändig werfe er ständig mit absichtsvoll ungenauen (fast immer fehlen Namen, Orte, Städte, Verantwortliche, stets sind anonyme Kräfte am Werk), trennschwachen Begriffen aus der intellektuellen Küche der französischen dekonstruktivistischen Schule um sich – wie ein Foucault für Arme im Geiste. Sein Geschäft sei die profitliche Publikumsbeschimpfung – insbesondere dann, wenn dieses Publikum aus westlichen Ländern stamme. Weiße Frauen und Männer hätten angesichts der kolonialen Geschichte ihrer Länder oft ein schlechtes Gewissen. Dieses bewirtschafte Achille Mbembe.

Als ihm vor zwei Jahren der Gerda-Henkel-Preis verliehen wurde, hielt Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die Laudatio. Sie sagte unter anderem: „Für mich und alle, die sich nicht scheuen, genauer hinzusehen, ist Achille Mbembe ein Lichtmacher aus Afrika ... Aus einem Ansprechpartner, einem streitbaren Gast, ist ein Freund im Geiste geworden.“ Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) fand in diesem Jahr lobende Worte für das Werk Mbembes. Thomas Schmid empfiehlt beiden Ministerinnen, nachzulesen, was Mbembe wirklich geschrieben hat.

Nach Mbembes leben wir im Zeitalter „eines schamlosen Nanorassismus“. Und dies sei „in Wirklichkeit das eines schmutzigen Rassismus, dreckig und dem Spektakel von Schweinen ähnlich, die sich im Schlamm suhlen“. Zudem würden der „Wunsch nach Feinden, der Wunsch nach Apartheid und die Ausrottungsphantasie die demokratischen Regime allenthalben zwingen, aus dem Mund zu stinken und in ihrem hartnäckigen Delirium wie Betrunkene zu leben“.

Thomas Schmid fragt sich, ob Frau Müntefering und Frau Grütters tatsächlich der Meinung seien, dass der „Lichtmacher“ und „Freund im Geiste“ eine zutreffende Charakteristik eines Staates wie der Bundesrepublik Deutschland liefere.

Im Lichte dieser Aussagen könnte man zu dem Schluss kommen, dass man in den Gremien seine Schriften nicht gelesen und gemerkt hat, wie wirr und eklektisch die Schriften sind. Thomas Schmid meint, wer so denke und empfinde, dem komme der mit dem „postkolonialen“ Glorienschein ausgestattete Achille Mbembe gerade recht, um das Lied der Verkommenheit des Westens anzustimmen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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