29. Juli 2020

„Historische Fakten“ zu Covid-19 Die DDR und das Coronavirus

Was uns bisher verschwiegen wurde …

von Oscar Rabold

Artikelbild
Bildquelle: Gerrit Bunt / Shutterstock.com DDR-Geschichte: Hätte mit Corona vielleicht einen ganz anderen Verlauf genommen …

Damals wussten nur wenige Eingeweihte um die 1989 in der DDR geplanten CO-R-O-N-A-Maßnahmen. Auch nach der Wende wurde dieser Teil der deutschen Geschichte kaum aufgearbeitet, kaum öffentlich bekannt gemacht. Erst jetzt, aus aktuellem Anlass, wird nachgefragt und Wissenschaftler fördern Hinweise und brisante Dokumente an das Licht der Öffentlichkeit.

Zur Erinnerung, die Achtzigerjahre und das Ende: Die ökonomische Situation innerhalb der DDR hatte sich verschlechtert; der wirtschaftliche Abstand zum westlichen Ausland vergrößerte sich weiter. Wer Systemkritik übte, ward Repressalien ausgesetzt. Ein Verlassen des Landes in die BRD war zumeist nur per mühseligem Ausreiseantrag oder lebensgefährlicher Flucht möglich.

Ab Spätsommer 1989 steigerte sich die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung zu umfänglich offenen Protesten (Montagsdemonstrationen) sowie zu massenhafter Ausreise und Flucht nach der BRD. Dem Staat DDR drohte ein vollständiger gesellschaftlicher Kollaps, die Staatsführung musste handeln und war entschlossen.

Jetzt nun ein verschollen geglaubtes Dokument: Das geheime Gesprächsprotokoll des Politbüros der SED [machtausübendes Gremium der führenden Partei der DDR in Berlin] protokolliert die Zusammenkunft am Dienstag, dem 23. Oktober 1989!

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Genossen, die Konterrevolution marschiert jetzt durch unsere Straßen ...

Horst Sindermann [Präsident der Volkskammer]: Aber Erich, wie kommt denn das, wie konnten deine Genossen, dein Ministerium – ich meine, wie, wie ist das jetzt plötzlich?!?

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Tja, also – ich meine – jetzt unsere Menschen – ich liebe die ja alle – aber, aber, aber Genossen …

Günter Schabowski [Mitglied Zentralkomitee]: Ach, übelste Methoden! Bodensatz der westlichen Presse – also den Mist müssen wir nicht ...

Erich Mückenberger [Vorsitzender Zentrale Parteikontrollkommission der SED]: Genossen! Wir müssen sachlich bleiben. Wir brauchen doch alle ’ne Lösung für diese Krise! Kurt, sach’ du doch auch mal was!

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Wir müssen wieder Herr der Lage werden, Genossen! Das ist doch schon mal klar. Und das, dass der Manfred [Manfred Flegel – Minister für Handel und Versorgung] da Probleme – also ich will jetzt nicht Probleme sagen, aber da sind jedenfalls Bedürfnisse und die müssen wir ernst nehmen. Das ja schon mal klar.
Wir müssen die Erfolge unserer sozialistischen DDR einfach besser unseren Menschen vermitteln; das muss denen wieder klargemacht werden …

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Aber das sind doch alles, also da sind doch auch Verräter, Kurt. Ich meine, kurzen Prozess und so!

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Erich, bevor wir die Verräter zur Verantwortung ziehen können, müssen wir doch wohl erst mal wieder Herr im Hause werden!

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Das’ is doch jetzt nur ’ne formale Frage…

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Wir müssen jetzt erst mal den Zusammenhalt der ganzen Bevölkerung stärken! Und, dann musst du Werner [Werner Jarowinsky / Sekretär für Handel, Versorgung und Außenhandel] in den Laden, ich sach’ das jetzt ganz salopp, in die Läden mal wieder Schwung bringen! Mal Bananen und so. Ja!?
Aber zurück. Der Zusammenhalt, das weiß der Heinz ganz genau [Heinz Keßler / Minister für Nationale Verteidigung] der wird ganz besonders durch den gemeinsamen Kampf gebildet ...

Heinz Keßler [Minister für Nationale Verteidigung]: Jawoll! Kurt, die Truppe …

Kurt Hager [Chefideologe derSED]: Heinz, Genossen, ich meine jetzt nicht den Klassenfeind …

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Ach!?!

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Genossen, ich meine den Kampf für unser aller Gesundheit! Für unser aller Gesundheit müssen, sollten, müssen wir jetzt alle zusammenstehen.
Passt auf: Die Grippesaison ist doch schon am Laufen; die Krankheitszahlen gehen wie üblich hoch usw. Wir müssen jetzt nur agitatorisch propagandistische Maßnahmen ergreifen, um der Bevölkerung die Gefährlichkeit so eines ganz neuen Virus klarzumachen! Viele schreckliche Bilder usw. Die Leute sehen das dann, sorgen sich um ihre Gesundheit und bleiben zu Hause …

Egon Krenz [Nachfolger Erich Honeckers / SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender]: Mensch Kurt, Virus! Masken! Masken müssen die doch alle tragen!

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Ganz genau. Das ist ein guter Nebeneffekt! Maulkorb; keine Ansammlungen, keine Demonstrationen, keine Widerreden und Grenze dicht.

Erich Mielke [Minister für Staatssicherheit]: Und Schutzhaft, wir brauchen Schutzhaft! Also wegen Gesundheit und so!

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Naja – mal abwarten, erst mal.
Der Ludwig, der Mecki [Ludwig Mecklinger / Minister für Gesundheitswesen] der hat schon mal ’nen Namen und so sollten wir es nennen:
CORONA-Virus! Bedeutet COntrolle und Rückbesinnung auf Ordnung und Nationalen Aufbau. Das passt! Schon morgen geht’s los; morgen geht’ durch unsere gleichges… – die gesamte Presse!

Horst Sindermann [Präsident der Volkskammer]: Sehr, sehr gut Kurt! Aber die westlichen, die ganze kapitalistische Presse!? Was sagen die dann? Und was werden unsere sowjetischen Genossen sagen, und unsere Bruderländer?
Mensch Kurt, das is’ ja …

Kurt Hager [Chefideologe der SED]: Keine Sorge! Überlegt doch mal; zuerst: Alle wirtschaftlichen Konflikte unserer DDR-Wirtschaft sind jetzt CORONAbedingt! Zweitens: unsere sozialistischen Brüder werden das schnell ebenso sehen! Die westliche Presse, glücklicherweise oftmals zumindest sozialdemokratisch geprägt, wird es gleich als Skandal aufgreifen, dass die eigenen westlichen Regierungen sich nicht ebenso fürsorglich um ihre Bevölkerungen kümmern – und dann, glaubt’s mir Genossen, drittens, wird der politisch-wirtschaftliche Komplex der spätkapitalistischen Welt das Virus als willkommene Chance sehen, um sehr, sehr viel öffentliches Geld in allerlei eigene Kanäle gelangen zu lassen. Niemand wird gegen das Virus sein wollen oder können; Basta!
Am Ende haben wir die Zustimmung der Bevölkerung zurückgewonnen, unser Gesundheitssystem, ja unser ganzes Land steht als Vorbild da und geschlossene Grenzen, Grenzschließungen werden allseits gepriesen werden!

Harry Tisch [Vorsitzender des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds]: Genial!


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: DDR

Autor

Oscar Rabold

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige