13. Mai 2020

Eine differenzierte Polemik zu Covid-19 Hypochondrolibertäre drehen am Rad

Nur ein kleiner Gedankenanstoß

von Simon Kromer

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Bildquelle: shutterstock Tragen die Regierungsmaßnahmen mit: Hypochondrolibertäre

Wissen Sie, ich denke ja immer, ich bin nicht der Richtige für solche profreiheitlichen Artikel. Sie glauben ja gar nicht, was ich seit ein paar Jahren bei mir im Haus stehen habe: ja, ja, eine Alexa. Ich weiß, dieses schreckliche Ding, das uns alle ausspioniert, uns im privatesten Rückzugsraum abhört. Was soll ich sagen? Es ist so praktisch! Zusammen mit Spotify hat man blitzschnell jeden Song zur Verfügung, nach dem einem gerade der Sinn steht. Kinder kann man mal schnell mit einer breiten Palette von Hörspielen bespaßen… Nein, ich weiß, es ist trotzdem ein Werk des Bösen. Gut, das Handy, das jeder wie selbstverständlich mit sich rumträgt, ist wahrscheinlich ein fast genauso wirksames Spionagewerkzeug, aber… im Grunde haben Sie recht, Sie brauchen gar nicht erst weiterzulesen, ich bin eigentlich nur eines von diesen Schlafschafen, die man nicht ernst nehmen muss.

Aber vielleicht interessieren Sie ja doch meine Gedanken zu Covid-19. Ich meine, es ist schon ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite wird da gerade dieser landesweite halbe Shutdown durchgeführt, der die Wirtschaft und unsere persönliche Freiheit betrifft, auf der anderen Seite ist es halt schon ein sehr ansteckendes Virus, und wenn es einen so richtig erwischt, greift es die Lunge erheblich schlimmer an als andere Erkrankungen ähnlicher Art. Doch wenn das passiert, trifft es praktisch nur alte und kranke Menschen, die eh bald sterben, wie der Palmer meint. Aber der ist ja auch so ein gefühlloser…

Und das heißt ja nichts! Mehr als ein Drittel der Deutschen sind entweder alt oder vorerkrankt oder beides! Und es bleibt die Frage: Wie kriegt man das Ding dann überhaupt wieder weg? Da gibt es die Idee mit dem Impfstoff. Doch jetzt schon ist die Rede von Mutationen, man kann also höchstens – wie bei der Influenza – jedes Jahr den geschätzt wirkungsvollsten neuen Impfstoff raushauen, und der wirkt dann – oder eben nicht so richtig, wie 2017/18 bei der sehr tödlichen Grippeepidemie. Um einen Impfstoff überhaupt rechtzeitig zu finden, muss man schon verhindern, dass die Bevölkerung sich zu schnell ansteckt und dann das Gesundheitssystem überlastet, was ja die eigentliche Gefahr dieses Dings ist, wie jeder immer wieder betont. Dann erwischt es nämlich auch andere Kranke, die auf künstliche Beatmung angewiesen sind. Schauen Sie sich Italien an! (Genauer gesagt Norditalien, also wenn das Virus so richtig zuschlägt, dann seltsamerweise immer nur inselartig…)

Gut, die Italiener als Gesellschaft von Großfamilien haben natürlich eine ideale Struktur, um Erreger zu verbreiten, dazu sind sie im Schnitt sehr alt, und das Gesundheitssystem war bereits vor Covid-19 im dauerhaften Ausnahmezustand. Die betroffene Region hat zudem die schlimmste Luft Europas (gerade laufen Studien, die womöglich zeigen, dass diese Todes-Hotspots fast alle schlechte Luft aufweisen) und dafür exzellente Verbindungen nach China.

Dann ist da noch das Leben mit dem Virus. Masken zum Beispiel verhindern nicht, aber bremsen die Ausbreitung des Virus. Bloß bringt das ja dann nichts, wenn mit Maske alle auf einmal wieder enger zusammenrücken. Und dann dieses Einreiben mit Desinfektionsmittel, das teilweise gar keine Viren umbringt – dafür aber die Bakterien, die unsere Haut schützen sollen. Ach, und kennen Sie auch diese Läden, die die Zahl der Einkaufswagen begrenzen, indem sie nur noch einen Platz mit Einkaufswagen übrig lassen, auf den sich dann alle stürzen? Nein, eine Bevölkerung ohne Erfahrung mit diesen Dingen ist hoffnungslos überfordert. Sollte man es also nicht doch lieber mit dieser Herdenimmunität versuchen, gleichzeitig die Risikogruppen und vielleicht auch diese Hotspots besonders schützen, mit massiven Hygiene- und Schutzmaßnahmen?

Die vielen Fragezeichen beim Impfstoff scheint es bei der Immunität gegen Sars-CoV-2 nach einer Ansteckung jedenfalls nicht zu geben. Zwar ist da eine gewisse Unsicherheit, wie bei allem, was neu ist. Doch Erfahrungen mit bisherigen Coronaviren widersprechen der hohen Wahrscheinlichkeit einer solchen Immunität wohl nicht – zumindest für eine gewisse Zeit. Gerade als Libertärer müsste man doch sagen: So kann man ein relativ freies Leben führen! Selbst Risikogruppen, die statt geschützt zu werden lieber selbstbestimmt mit ihren Liebsten leben wollen, könnten das tun. Denn sie gefährden dann niemanden, der das nicht möchte. Doch gibt es stattdessen viele – wie soll man sie nennen? Hypochondrolibertäre? –‍, die, ich kann es mir nicht anders erklären, in das Recht auf die Unversehrtheit des eigenen Körpers einen sehr weitgehenden Schutz selbst vor Viren eingeschlossen sehen, die sich übrigens sogar in unserem Erbgut befinden. Die – also, diese speziellen Libertären, nicht die Viren – wollen jetzt tatsächlich diese ganzen Regierungsmaßnahmen mittragen. Auf einmal hat man auch Verständnis für diese Gesellschaft und ihre oberflächlichen Moralvorstellungen. Ich meine, was ist schon so ein direkter, heftiger Virustod im Vergleich zu irgendwelchen Folgeschäden, die irgendwann in der Zukunft liegen? Naja, auch hier könnte man natürlich entgegenhalten, dass wir Libertäre eigentlich permanent vor Gefahren in der Zukunft warnen, die diese hedonistische, auf den Augenblick fixierte Party-Herde, die sich weder für ihr Bank- noch ihr Rentenkonto interessiert, ständig in den Wind schlägt.

Nun ja, kann man wohl sehen, wie man will. Ich meine, gerade ich, ich hab ja keine Ahnung. Ich hab damals Bio abgewählt beim Abi.

Und doch… ich denke, so als Libertärer… also, geht es nur mir so? Ich kann mir einfach nicht helfen, aber irgendwie… es sieht halt so aus, als… dreht hier ein großer Teil von uns gerade ganz, ganz, ganz stark am Rad, trägt alberne Kleidungsstücke nach Merkels Gusto, lässt sich Verhaltensregeln aufzwingen, auf die nicht mal Monty Python mit dem Ministry of Silly Walks gekommen wäre, lässt sich den halben Tag zu Hause einsperren und setzt dabei die halbe verdammte Wirtschaft auf eine Weise mit in den Sand, wie es nicht mal die ganzen Klimaaktivisten in Regierungsämtern geschafft hätten, wegen einer Infektion, die in ihrer Gefährlichkeit so ein bisschen über dem liegt, was wir eh jeden verdammten Winter mitmachen! Ich glaube, es hackt!

Nur ein kleiner Gedankenanstoß! Von dem Deppen, der so blöd ist und sich eine Alexa ins Haus stellt!


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