13. Mai 2020

Der maltesische Botschafter in Finnland, Michael Zammit Tabona, vergleicht Merkel mit Hitler Verrat am Honigtopf

Unter Bezugnahme auf den Hades-Plan

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Hades-Plan: Einheitswährung als Honigtopf

Das hätte niemals passieren dürfen, nun ist es aber doch geschehen. Ausgerechnet der maltesische Botschafter in Finnland – wozu bitte braucht Malta einen Botschafter in Finnland? – hat im Internet eines der am strengsten gehüteten Geheimnisse des vereinigten Europa verraten: Merkel habe Hitlers Traum erfüllt, Europa zu kontrollieren, schrieb er auf Facebook offenbar unter direkter Bezugnahme auf den sogenannten Hades-Plan. Der war im September 1991 in Bonn entstanden, als sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl mit einigen wenigen Getreuen im Kanzlerbungalow versammelt hatte, um über ein Konzept zu entscheiden, das der Staatsrechtler und Finanzstaatssekretär Joachim Grünewald ohne direkten dienstlichen Auftrag ausgearbeitet hatte.

Was heute unmittelbar zu einer Freistellung führt, begeisterte seinerzeit sowohl den Kanzler der Einheit als auch seine engsten Vertrauten. Wegen möglicher völkerrechtlicher Implikationen erst sehr viel später mit dem Namen „Hades-Plan“ versehen, sah die beschlossene Strategie zur künftigen Führung Europas vor, eine Gemeinschaftswährung als „Honigtopf“ (Grünewald) einzurichten, die schwachen Randgebieten die Möglichkeit eröffnen sollte, sich zu niedrigen Kosten zu verschulden.

Die Marktteilnehmer würden, so die Spekulation des führenden deutschen Monetärtheoretikers, von Anfang an davon ausgehen, dass die Gemeinschaft der „Euro-Länder“ letztlich für die Schulden aller Währungsländer bürgen werde, was Kredite für hochverschuldete und wirtschaftlich wenig leistungsfähige Peripheriestaaten billig mache.

Am Ende werde Deutschland tatsächlich einspringen müssen, glaubte die klandestine Runde, die mit 400 bis 600 Milliarden Mark bis zum finalen Szenario rechnete, also dem Punkt, „an dem Deutschland nicht nur die Musik bezahlt, sondern auch sagt, welches Lied gespielt wird“.

Es ist teurer geworden, ein wenig zumindest, und bis ans Ziel einer deutlichen deutschen Dominanz hat es viel länger gedauert als geplant. Doch dass der Malteser Michael Zammit Tabona jetzt das Tabu gebrochen hat, den Hades-Plan als „Hitlers Traum“ zu bezeichnen, den „Angela Merkel erfüllt“ habe, „Europa zu kontrollieren“, bringt die Vollendung der letzten Schritte hin zum großen Ziel in Gefahr. Ursprünglich sah das von Kohl präferierte Szenario vor, dass die Währungsgemeinschaft mit zunehmender Dauer immer weiter in eine Schuldenspirale rutscht und „die deutsche Regierung dann als Retter hereingeritten“ kommt, wie Kohl geschwärmt hatte, dem vorschwebte, dass wir „als gute Deutsche gute Europäer sein und den Europäern die Chance geben sollten, gute Deutsche zu werden“.

Maltas Außenminister Evarist Bartolo bestätigte der Zeitung „Times of Malta“ inzwischen, dass der Botschafter Einsicht gezeigt habe und zurückgetreten sei. Zugleich habe er eine Entschuldigung für seinen Verrat eines so wichtigen Geheimnisses nach Berlin geschickt und seinen Posten mit sofortiger Wirkung geräumt. Die Enthüllung des Hades-Planes selbst, der auf Infoportalen im Netz immer wieder Thema ist, seit ein verspätet rekonstruiertes Stasi-Protokoll der Sitzung vom 27. September 1991 (eine Orwo-Kassette hatte sich im Tonkopf des „Sonett“-Kassettenrekorders verklemmt) an die Öffentlichkeit gelangte, sei nie seine Absicht gewesen und spiegele auch nicht die Position Maltas wider, die von Freundschaft und gegenseitigem Respekt zwischen beiden Ländern getragen sei.

Der verräterische Facebook-Beitrag wurde inzwischen gelöscht, hatte aber zuvor schon weite Verbreitung gefunden. Außenminister Bartolo sagte, er habe den Botschafter angewiesen, den enthüllenden Beitrag zu entfernen, „sobald ich darauf aufmerksam gemacht wurde“. Der Whistleblower Werner Hasters, der die deutsche Strategie zur Schaffung eines deutschen Europas im Jahr 2011 als erster öffentlich gemacht hatte, wollte die aktuelle Entwicklung nicht weiter kommentieren.

Die Tatsachen sprächen eine deutliche Sprache. Einer von Kohls Helfershelfern habe damals von einem „Rettungsschirm“ gesprochen, den Deutschland in der Stunde der Not spannen werde, unter den aber nur werde schlüpfen dürfen, wer deutschen Vorgaben Genüge tut. „Genau so ist es doch gekommen“, glaubt der frühere Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, der nach dem Zusammenbruch des Arbeiter- und Bauernstaates das Glück hatte, bis zur Rente als Archivmitarbeiter in der Stasi-Unterlagenbehörde weiterarbeiten zu dürfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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