09. Mai 2020

Betrugsmasche „Nigeria-Mails“ Erfolgreich arm werden!

Schützen kann sich jeder nur selbst

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Jeder kann sich nur selber schützen: Betrügerische E-Mails

Die Nachrichten um das Coronavirus beherrschen derzeit die Medien auf allen Kanälen. Diesen Hype nutzen nun auch Cyberkriminelle aus. Die Methoden der „Nigeria-Connection“ verändern sich ständig. Die Betrugsdelikte sind mannigfaltig und passen sich immer wieder den aktuellen Gegebenheiten an. Derzeit kursieren wieder „Nigeria-Mails“ in Deutschland. Sie werden aus Großbritannien, den Niederlanden oder Spanien verschickt. Das Geld aus diesen Betrügereien wird nach Recherchen von „The Money Trail Project“ meist über asiatische Banken gewaschen. Die „FAZ“ berichtete am 7. Mai 2020 über die sogenannten „Black Axe“- und „Neo-Black-Movement“-Banden (Seite 9), die für ähnliche kriminelle Machenschaften bekannt sind.

„419er“ („Four-One Niner“) werden in Nigeria Betrüger genannt, die Menschen mit falschen Versprechen per E-Mail Geld aus der Tasche ziehen wollen. (Grundmuster: Auf einem gesperrten Konto in Nigeria liegt das Erbe eines Millionenvermögens von einem verwandten Politiker/Geschäftsmann. Für die Bearbeitung wird Hilfe gebraucht. Erbeten wird die Überweisung von ein paar Tausend Euro für Gebühren, Steuern oder Schmiergelder. Als Gegenleistung wird Teilhabe an dem Vermögen angeboten.) Die 419er machen sich die Gier nach schnell verdientem Reichtum und die Dummheit von Menschen im Westen zunutze. Häufig werden Opfer „eingeladen“, nach Afrika zu kommen, um dort „Dokumente“ zu unterzeichnen. Dort wird dann ein Lösegeld fällig. Schon seit 1995 existiert im nigerianischen Strafgesetzbuch ein Paragraph, der dem Vorschussbetrug den Namen „419-Scam“ eingebracht hat. Diese Internet-Kriminalität („Nigeria Connection“) ist weiterhin sehr aktiv, weil immer noch ahnungslose, naive Menschen auf die Tricks hereinfallen.

Die nigerianische Schriftstellerin Adaobi Tricia Nwaubani thematisiert mit Witz den Vorschussbetrug durch die Nigeria Connection in ihrem Roman „Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy“.

Internetbetrüger werden in Nigeria auch „Yahoo Boys“ genannt. Sefi Atta beschreibt in ihrem Buch „Hagel auf Zamfara“ die Methoden: „Ich sollte den Text (der Bettelbriefe) so einfach wie möglich halten. Ich könne zum Beispiel schreiben, dass ich Waise sei oder ein alter Mann. Es funktioniert ebenfalls gut, sich als Frau auszugeben oder eine tödliche Krankheit zu erfinden. Die erfolgreichste Variante sei, um Geld zu bitten, damit ich oder mein Kind die Ausbildung beenden könnte. Darauf würde ich sicher mitfühlende Antworten bekommen“ (Seite 313).

„Opfer ihrer eigenen Schwächen“

„Um einen Mugu (Vollidioten) in die Falle zu locken, druckten sie falsche Urkunden und Papier mit offiziellem Briefkopf, mieteten und möblierten wenn nötig Büros, um sie alsstaatliche Behörde auszugeben. Sie waren zu jeder Scharade bereit“(Seite 314).

„Mugus waren laut Augustine nicht nur Vollidioten, sondern Opfer ihrer eigenen Schwächen. Diejenigen, die auf die Bettelbriefe hin Geld schickten, linderten damit Schuldgefühle, die wegen ihres extravaganten Lebensstils an ihnen nagten, oder sie hatten eine vorgefertigte Meinung, wir Afrikaner litten bittere Not. Diejenigen, die Geld schickten, um Lotteriegewinne einzufordern, waren schlicht habgierig, und jeder, der auf den Vorschlag zur Überweisung eines fremden Vermögens einging, musste verdorben sein bis ins Mark“ (Seite 315).

Die Geschichten, die dabei in Mails erzählt werden, sind so phantastisch, dass es eigentlich sofort auffallen sollte, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht. Schützen können sich die potentiellen Opfer deshalb auch weiterhin nur selbst. Gesunder Menschenverstand sollte die meisten Betrugsversuche vereiteln können.

MLP: „Vorsicht vor herrenlosen Millionen“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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