21. April 2020

Kritik an „Shutdown“ und „Lockdown“ in Deutschland Wovor sich deutsche Politiker jetzt fürchten

Dem Freiheitsentzug fehlt die maßgebliche Grundlage

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: shutterstock Hat keine Grundlage mehr: Lockdown in Deutschland

Die Corona-Beschränkungen fortzusetzen, wird für die führenden deutschen Politiker jetzt wirklich riskant. Trotz der Lockerungsübungen nehmen die wirtschaftlichen Verluste von Tag zu Tag immer größere Ausmaße an. Die Lockerungen sind völlig unzureichend und teils in sich widersprüchlich. Es mehren sich die Informationen, wonach das Herunterfahren der Wirtschaft mit den staatlichen Geboten und Verboten („Shutdown“) sowie die Ausgangssperre und Massenquarantäne mit Kontaktverboten („Lockdown“) sofort beendet werden könnten und müssten, weil sie nicht mehr nötig sind. Kritische Mediziner haben sich diesbezüglich zu Wort gemeldet, Rechtswissenschaftler konstatieren Rechtswidrigkeit, es fehlt an der Verhältnismäßigkeit, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in zwei Eil­ent­schei­dungen erst­mals seit Be­ginn der Co­ro­na-Kri­se ein Ver­samm­lungs­ver­bot als verfassungswidrig auf­ge­ho­ben.

Noch sonnen sich diese Politiker in der breiten Zustimmung und den guten Umfragewerten, die ihnen aus der deutschen Bevölkerung bisher entgegenfluten. Überaus erfolgreich haben sie und die ihnen (fast schon kriecherisch) folgsamen Medien die Bürger in gewaltige Angst versetzt, ja geradezu Panikmache betrieben. Sie haben erreicht, dass ihnen die Bürger in übergroßer Mehrheit blindlings vertrauen. Dieses Vertrauen steht nun auf dem Spiel. Politiker (und Medien) müssen jetzt befürchten, es zu verlieren.

Politiker wollen ihre Glaubwürdigkeit nicht erschüttert sehen

Daher wollen sie das Beenden der Beschränkungen nicht zulassen. Wie Getriebene glauben sie, auf ihrer nur schrittweisen Lockerung bestehen zu müssen. Die Glaubhaftigkeit dessen, dass die übermäßigen Beschränkungen gerechtfertigt waren und noch sind, darf nicht erschüttert werden und sich wirklich als Angstmache mit ganz anderen Absichten dahinter herausstellen. Folglich müssen sie die ernst zu nehmenden Gegenstimmen kleinreden, unglaubhaft machen, als geltungsbedürftig erscheinen lassen, ihnen Einseitigkeit vorwerfen, Eigeninteresse unterstellen und dergleichen mehr. Zu den vielen beachtlichen Gegenstimmen ist jetzt auch die des renommierten Finanzwissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Homburg öffentlich geworden.

Professor Stefan Homburg: Lockdown ohne Wirkung auf die Verbreitung des Virus

Für Homburg war und ist der „Lockdown“ unnötig und schädlich. Geäußert hat er sich in einem Interview mit der Journalistin und Moderatorin Milena Preradovic auf deren Youtube-Kanal „Punkt.Preradovic“. Auf ihre Frage, ob die Maßnahmen der Regierung gegen das Coronavirus gewirkt haben, sagt Homburg nein. Er beruft sich auf die neuen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 15. April. Diese widersprächen den Äußerungen von Kanzlerin Merkel. Die Reproduktionszahl 1, die die Kanzlerin als Erfolg des Lockdown präsentiert habe, sei schon zwei Tage vor den Maßnahmen vom 23. März erreicht worden. Der „Lockdown“ habe auf die Verbreitung des Virus überhaupt keine Auswirkung. Entsprechend geäußert hat sich Homburg am 15. April auch auf der Webseite der Tageszeitung „Die Welt“ unter der Überschrift „Warum Deutschlands Lockdown falsch ist – und Schweden vieles besser macht“.

Die Ansteckungsrate (Reproduktionszahl) liegt schon seit 20. März unter 1

Wie sich die Reproduktionszahl (R), also die Ansteckungsrate, seit Anfang März entwickelt hat, zeigt ein Bulletin des Robert-Koch-Instituts: Schon zehn Tage vor dem 23. März ist die Kurve deutlich gefallen, also die Ansteckungsrate stark zurückgegangen. Eine Infektionsrate von unter „1“ wurde in Deutschland bereits am 20. März erreicht. In der Woche vom 13. bis 18. April hat sich der R-Wert stetig verringert. Am Montag, den 13. April lag er laut Robert-Koch-Institut noch bei 1,2, am Dienstag bei 1,0, am Mittwoch bei 0,9 und zuletzt bei 0,7. Die Reproduktionszahl R, auch „Infektionsrate“ genannt, gilt als entscheidende Größe dafür, ob und wie sehr das Virus eingedämmt ist. Sie gibt wieder, wie viele Menschen von einer infizierten Person im Durchschnitt angesteckt werden. Ein R-Wert von 1 bedeutet, dass eine infizierte Person im Mittel nur eine andere ansteckt. Eine 3 bedeutet, dass eine infizierte Person im Mittel drei andere Menschen infiziert. Liegt der R-Wert über 1, breitet sich die Infektion aus, liegt er darunter, geht die Ansteckung mit dem Virus zurück.

Dem Freiheitsentzug fehlt jetzt die maßgebliche Grundlage

Mit den neuen R-Werten des Robert-Koch-Instituts fehlt den staatlichen Beschränkungen vom 23. März die maßgebliche Grundlage. Stattdessen hätten sich die Politiker darauf konzentrieren sollen, nur die Risikogruppen zu schützen und das Wirtschaftsleben aufrechtzuerhalten, statt das ganze Volk und die Wirtschaft in Quarantäne zu schicken. Warum soll eine staatliche Anordnung die Erwerbstätigen und Schulkinder, die nicht zur wirklichen Risikogruppe (Alte, Kranke, kranke Alte) gehören, die sich auf ihre natürlichen Abwehrkräfte stützen können und die im Infektionsfall relativ milde davonkommen, am normalen Leben hindern und ihnen wichtige Freiheiten entziehen, zumal wenn diese unverhältnismäßigen Beschränkungen auf die Virus-Ausbreitung ohne entscheidenden Einfluss sind und sich Medien und Politik „im gemeinsamen Kampf“ gegen das Virus gegenseitig hochgeschaukelt haben?

Daher jetzt ganz umschwenken und den Schaden begrenzen

Daher sollten sie jetzt ganz umschwenken, statt es nur homöopathisch in Trippelschritten zu tun, und den Schaden wenigstens begrenzen, damit er nicht noch größer wird. Leider sieht es nicht danach aus. Politiker erkennen ungern an, dass sie sich geirrt und falsch entschieden haben. Menschen erkennen ohnehin ungern an, dass sie einem Schwindel aufgesessen sind, und halten am Irrtum möglichst lange oder dauerhaft fest. Dann können Schwindler davonkommen und insofern auch die Politiker und ihre Medien. Das ist jetzt die Lage.

„Welt“: „Warum Deutschlands Lockdown falsch ist – und Schweden vieles besser macht“

„Punkt.Preradovic“ mit Prof. Dr. Stefan Homburg: „Neue RKI-Zahlen widersprechen Kanzlerin Merkel“

Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts: „Schätzung der aktuellen Entwicklung der Sars-CoV-2-Epidemie in Deutschland – Nowcasting“ (PDF)

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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