09. April 2020

Korrelation zwischen Tuberkulose-Schutzimpfung und Schweregrad und Todesrate von Covid-19-Infektionen Was das Robert-Koch-Institut nicht wahrhaben will

Prof. Lothar Wieler kann keinen Zusammenhang erkennen

von Frank W. Haubold

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Verringert auch die Anzahl der gemeldeten Covid-19-Fälle in einem Land: Tuberkulose-Impfung

Eine Studie eines US-amerikanischen Instituts mit der etwas sperrigen Bezeichnung „Department of Biomedical Sciences, NYIT College of Osteopathic Medicine, New York Institute of Technology, Old Westbury, New York, USA“ könnte die Sicht auf die Covid-19-Pandemie entscheidend verändern. Sie stellt nämlich einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen nationalen Richtlinien in Bezug auf die Impfung von Kindern gegen Bacillus Calmette-Guérin (BCG) und der Anzahl, dem Schweregrad und der Mortalität (tödlicher Ausgang) der Covid-19-Infektionen in den betreffenden Staaten her.

So findet sich bereits in den Abstracts folgende Aussage: „Wir haben eine große Anzahl von BCG-Impfrichtlinien in Ländern mit der Morbidität und Mortalität von Covid-19 verglichen. Wir haben festgestellt, dass Länder ohne universelle Richtlinien für die BCG-Impfung (Italien, Niederlande, USA) im Vergleich zu Ländern mit universellen und langjährigen BCG-Richtlinien stärker betroffen sind. Länder mit einem späten Beginn der universellen BCG-Politik (Iran, 1984) wiesen eine hohe Sterblichkeit auf, was mit der Vorstellung übereinstimmt, dass BCG die geimpfte ältere Bevölkerung schützt. Wir fanden auch heraus, dass die BCG-Impfung auch die Anzahl der gemeldeten Covid-19-Fälle in einem Land verringerte. Die Kombination aus reduzierter Morbidität und Mortalität macht die BCG-Impfung zu einem potentiellen neuen Instrument im Kampf gegen Covid-19.“

Diese bemerkenswerten Aussagen werden in der Folge mit zahlreichen Beispielen und Statistiken belegt. Dabei wurde klar nachgewiesen, dass Staaten, die keine verpflichtenden Regelungen zur BCG-Schutzimpfung verfüg‍(t)‍en, einen deutlich höheren Prozentsatz an schweren und tödlichen Verläufen der Krankheit zu beklagen haben (Italien, Niederlande, USA, Belgien). Aber auch der Zeitpunkt der Einführung beziehungsweise Abschaffung der verpflichtenden BCG-Impfung ist in diesem Zusammenhang relevant. Da der Iran die Impfung erst seit 1984 verpflichtend durchsetzt, sind ältere Menschen nicht geschützt, und entsprechend hoch ist die Sterblichkeit. Spanien hatte die Impfpflicht nur 16 Jahre (1965 bis 1981) mit der Folge, dass Menschen über 55 schlechter geschützt sind, was sich in einer hohen Anzahl von tödlichen Verläufen manifestiert. Das Gegenbeispiel ist Japan, das trotz sehr zurückhaltender Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen erst um die 90 Tote zu beklagen hat. Hier ist die BCG-Schutzimpfung bis heute verpflichtend.

Deutschland wird in der Studie nicht explizit erwähnt, aber auch hier liegt der Schluss nahe, dass die bis 1998 empfohlene BCG-Schutzimpfung noch schlimmere Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verhindert hat.

Und die offiziellen Reaktionen aus Deutschland auf die neuen Erkenntnisse? „Da kann ich ehrlich gesagt keinen Zusammenhang erkennen“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Prof. Dr. Lothar Wieler, am Montagvormittag. „Es gibt nach heutigem Wissensstand keinerlei Zusammenhang zwischen einer Impfung gegen Tuberkulose und einem Schutz gegen das Sars-Coronavirus-2. Ich kann keinen Zusammenhang erkennen.“

Es mag durchaus so sein, dass Professor Wieler keinen Zusammenhang erkennen kann, nur lassen sich die statistisch durchaus überzeugenden Aussagen besagter Studie nicht durch eine unbelegte Pauschalaussage widerlegen, zumal sich international längst die Stimmen mehren, die einen Einsatz des BCG-Impfstoffs zumindest als Übergangslösung und Schutzmaßnahme gegen Covid-19 befürworten. Und selbst im eigenen Land arbeitet das Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie bereits an einem Impfstoff auf BCG-Basis! Möglicherweise hat die harsche Reaktion des RKI-Chefs ja auch damit zu tun, dass es damals das Robert-Koch-Institut war, das die Schutzimpfung de facto abschaffte, was sich nun in mehrfacher Hinsicht als Fehler erwiesen hat, denn auch die Zahl der registrierten Tuberkulose-Fälle liegt in Deutschland seit 2015 wieder im 5.000er-Bereich…

Miller et al.: „Correlation between universal BCG vaccination policy and reduced morbidity and mortality for Covid-19: an epidemiological study“ (Englisch, PDF)

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Geolitico“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Coronavirus

Mehr von Frank W. Haubold

Über Frank W. Haubold

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige