28. März 2020

Vertrauen der Bevölkerung in das Handeln der Regierung Der Tiefkühltruhenindikator

Das Grundkapital, mit dem durch die dunklen Tage regiert werden kann

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Zeigt das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung: Leere Kühltruhe

Diese Tage sind düster, trotz Sonnenschein. Die Welt geht unter, die Menschen leben in Furcht und Sorge. Was wird aus meiner Zukunft? Was wird aus meinem Arbeitsplatz? Was wird aus meiner Rente, was wird, wenn ich krank werde? Wie hilft mir die Regierung, die mittlerweile im Tagesrhythmus Maßnahmen verkündet und verschärft und die verschärften Stunden später weiter verschärft und Gesetze erlässt, als wäre das Land im Krieg, obwohl doch die Lage nach Aussage führender Vertreter der größten Regierungspartei „im Griff“ (Laschet) ist?

Großartige Führung in der Krise

Hamsterer, Prepper und Vorsorger, die zum falschen Zeitpunkt unmissverständlichen Regierungsanweisungen folgten, stellten sich als Volksschädlinge heraus. Nur dank einer Medienmaschine, die unter Volllast betonte, wie gut und großartig die Führung des Landes durch die Krise manövriert, gelang es, die beunruhigte Bevölkerung auf dem Boden zu halten. Erst als es dann hieß, es werde in Deutschland immer Klopapier, Seife und Mehl geben, taten sich Lücken im Angebot auf, die vermuten ließen, dass nicht mehr alle Volksgenossen an den Endsieg über das Virus glauben.

So schlimm, wie die leeren Regale vermuten lassen, ist die Situation aber lange nicht. Zwar mehren sich außerhalb der leeren Großraumbüros der führenden Medienhäuser Zweifel daran, ob die Pandemie-Strategie der Großen Koalition, die ganz auf Repression, Überwachung und strengere Gesetze setzt, wirklich absolut perfekt ist. Doch wie der Medienforscher Hans Achtelbuscher jetzt anhand eines ungewöhnlichen Indikators nachgewiesen hat, ist das Grundvertrauen der „Bevölkerung“ (Hans Haacke) in die Bundesregierung auch nach mehr als 25.000 Covid-19-Erkrankten im Land nahezu ungebrochen. Achtelbuscher, der am An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung zu aktuellen Phänomenen wie dem Themensterben in den deutschen Medien, Sprachregelungsmechanismen und dem Einfluss subkutaner Wünsche auf die berichterstattete Realität forscht, zieht den sogenannten „Tiefkühltruhenindikator“ heran, um unabhängig von propagandistischen Sinngebungsübungen das tatsächliche Maß des in der vierten Krisenwoche noch vorhandenen Vertrauens der Bürgerinnen und Bürger in das zuweilen erratisch wirkende Regierungshandeln zu messen. Dort, so Achtelbuscher, ließen sich wie mit einem Fieberthermometer Zukunftserwartungen der Menschen im Lande ablesen, die, abgeglichen mit anderen Daten, etwa aus dem Regal für Hygieneartikel, der Nachfrage nach Toilettenpapier und nach Dosennahrung, ein exaktes Abbild der gefühlten Veränderungen des Alltagslebens in den kommenden Monaten und Jahren ergeben. „Leere Klopapierregale, fehlende Gummihandschuhe und Abgabebegrenzungen bei Milch, Erbsensuppe und Mineralwasser belegen eine kurzfristig höhere Nachfrage, die uns verrät, dass Menschen versuchen, sich auf Eventualitäten vorzubereiten, die sie noch nicht konkret überschauen“, sagt Achtelbuscher.

Je leerer die Truhe, desto größer das Vertrauen

Beunruhigen aber müssten dergleichen Phänomene nicht, solange der Tiefkühlindikator Hoffnung verbreite. „Ist die Tiefkühltruhe im Supermarkt leergekauft, wissen wir, dass die Menschen an eine gute Zukunft glauben und der Regierung zutrauen, dass sie die Sache im Griff behält.“ Dabei gelte als Grundlehre, dass das Vertrauen umso größer sei, je mehr Tiefkühlware gekauft werde. Achtelbuscher leitet diese Erkenntnis aus dem Umstand ab, dass sich Tiefkühlkost nur sehr begrenzt hält, sobald es zu Stromausfällen kommt. „Ein Ende der Energieversorgung oder auch nur regelmäßige Ausfälle, wie sie in jedem Fall auftreten würden, verschärfte sich die Krise weiter, sind also derzeit noch nichts, was die Bevölkerung in ihre Überlegungen zur Vorsorge einbezieht.“

Vielmehr versorgten sich zahlreiche Haushalte flächendeckend mit gefrorenen Vorräten für erwartete schwere Zeiten, die es erfordern, daheim eine Tiefkühltruhe zu betreiben. „Man ist überzeugt, dass die Versprechen der Regierung, die Stromversorgung sicherzustellen, keine leeren Worte sind.“ Dieser feste Glaube, den frühere Enttäuschungen nicht haben erschüttern können, bildet nach Überzeugung des Medienforschers das Grundkapital, mit dem durch die dunklen Tage regiert und Voraussetzungen für ein Kurshalten nach dem Abflauen der akuten Krise geschaffen werden könnten.

„Ein Volk, das an das Vermögen seiner Regierung glaubt, bei einem befürchteten Zusammenbruch der öffentlichen Versorgungsinfrastrukturen die Stromversorgung sicherzustellen, glaubt auch daran, dass es weiterhin Wasserversorgung und Müllentsorgung geben wird.“ Je leerer die Tiefkühlregale im Supermarkt, desto größer das Vertrauen der Bürger, dass eine Verschärfung der Situation ausbleiben werde. Diese Hoffnung sei mit Blick auf frühere Weltuntergänge zwar womöglich nicht gerechtfertigt, helfe aber, in der Frühphase der Krise zu wirtschaften.

Hans Achtelbuscher, der selbst vor allem mit Büchsennahrung für seine Familie vorsorgt, empfiehlt einen kritischen Blick in die Tiefkühlabteilung, um zu einer Bestimmung der jeweiligen Krisenphase kommen zu können: „Sind die Tiefkühltruhen in ihrem Supermarkt eines Tages voll, obwohl sich die allgemeine Lage nicht verbessert hat, sollten Sie ins Grübeln kommen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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