24. März 2020

Das Virus auf dem Schwarzen Kontinent Afrika in Zeiten von Corona

Der Braindrain muss umgekehrt werden

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Bisher nur wenige bekannte Fälle, aber ein schlechtes Gesundheitssystem: Afrika und Corona

Im weltweiten Vergleich hat Afrika bisher eher wenige registrierte Coronavirus-Fälle. Allerdings gibt es Zweifel, ob alle Atemwegsinfektionen schon entdeckt wurden. Bislang ist das Virus in 30 der 55 Länder (mit gut 400 Infizierten, Stand 17.03.2020) bekanntgeworden. Schwerpunkt sind bislang Ägypten mit 67 Fällen und Südafrika, wo es 61 sind. Das liegt an der schlechten Anbindung an den Rest der Welt. Es gibt täglich nur wenige Verbindungen nach Europa und Asien. Viele afrikanische Fluglinien haben den Flugverkehr nach China eingestellt.

Trotzdem haben Südafrika, Kenia, Namibia, Madagaskar und Botswana für Deutsche und andere Reisende aus den Risikogebieten Italien, Frankreich, China, Südkorea, Großbritannien, Spanien, USA und Iran Einreiseverbote verhängt. Die meisten Ansteckungsfälle wurden auf Reisende aus Europa oder den USA zurückgeführt. Befeuert wird in den sozialen Netzwerken, dass Covid-19 von Weißen nach Afrika gebracht wird. Chinesen werden diskriminiert, weil sie das Virus entwickelt hätten. Simbabwes Verteidigungsminister hielt es für angebracht, auf einer öffentlichen Versammlung das Coronavirus als „Strafe Gottes“ für Europa und die USA wegen deren Sanktionen gegen Simbabwe zu bezeichnen.

Gefährlich sind Gerüchte, dass „schwarze Haut“ oder „afrikanische Gene“ gegen das Coronavirus schützen. Auch gibt es falsche medizinische Hinweise im Netz: „Das Virus überlebt nicht in warmen Regionen bei 26 Grad.“ Das ist nicht bewiesen und hindert Menschen daran, vorsichtig zu sein. Auch wird als „sichere“ Möglichkeit behauptet, regelmäßiges Trinken verhindere eine Infektion mit dem Virus. Das bestreiten alle Ärzte.

In Kenia, Ruanda und dem Senegal wurden alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt. In der Demokratischen Republik Kongo müssen Reisende zunächst in Quarantäne.

Chinese sagt Äthiopien Corona-Hilfspaket zu

Fachleute befürchten, dass sich die Pandemie in Afrika wegen der schlechten Gesundheitsfürsorge und der hygienischen Zustände (fehlendes Wasser) in Slums rasch ausbreiten könnte. Es gibt in Kliniken kaum Schutzmaterial wie Desinfektionsmittel, Masken, Schutzanzüge und Handschuhe. Eine Mikrobiologin (Humboldt-Stipendiatin) aus Lagos in Nigeria hat einem meiner Kollegen erzählt, dass es in ganz Subsahara-Afrika nur drei zertifizierte Labore gebe, die überhaupt in der Lage seien, das Virus nachzuweisen.

In allen Ländern, in denen ich gearbeitet habe, gab es zu wenige Krankenhäuser, mangelnde Hygiene in diesen Häusern, administrative Unzulänglichkeiten, mangelhaft ausgebildetes medizinisches Personal, keine Nothilfestationen, kaum Krankenwagen, keine medizinische Hilfe ohne finanzielle Vorleistung und teure Medikamente, die oft durch unsachgemäße Aufbewahrung unbrauchbar werden. Selbst die größten Krankenhäuser haben nicht immer Strom, fließendes Wasser oder Isolierstationen. Vielen Ländern südlich der Sahara ist gemein, dass Kranke kilometerweit bis zum nächsten Arzt oder Krankenhaus gehen müssen.

Der chinesische Online-Unternehmer und Multimilliardär Jack Ma hat Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed ein Corona-Hilfspaket für den gesamten Kontinent zugesagt: 100.000 Schutzmasken und bis zu 20.000 Diagnosetests für jedes Land. Dazu Handbücher zur Behandlung von Infizierten, basierend auf den Erfahrungen chinesischer Mediziner der vergangenen drei Monate. Eine feine Geste.

Weltweit gibt es viele hochqualifizierte afrikanische Ärzte, die im eigenen Land nicht vernünftig arbeiten können. Afrikanische Staaten müssen endlich reagieren und zeigen, dass sie den Braindrain umkehren möchten und die Gesundheitssysteme verbessern, indem sie in medizinisches Personal investieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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