20. März 2020

Staatliche Maßnahmen gegen das Coronavirus Muss das alles sein?

Hat der Wahnsinn System?

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: shutterstock Corona-Panik: Wir lassen uns verrückt machen

Wir werden mit dem Coronavirus verrückt gemacht. Und wir lassen uns verrückt machen. Wir werden geschurigelt, in unserer Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Buch- und andere Messen dürfen nicht stattfinden, Schulen werden geschlossen, Kindertagesstätten, Hotels, Theater und vieles andere ebenfalls. Parteitage werden abgesagt, Mitgliederversammlungen verschoben, Grenzen zu Nachbarländern geschlossen, Inseln isoliert, infizierte Menschen in die häusliche Quarantäne verbannt, Notfallpläne für die Müllentsorgung aufgestellt. Es wird gesperrt, abgeriegelt, unterbrochen, vertagt, angeordnet – staatlicher Regulierungsdrang in breitester Fülle.

Eine Panik- und Hysteriewelle wurde ausgelöst

Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter in Heimarbeit (heute lieber „Home Office“ genannt). Ausgabestellen für Lebensmittel („Tafeln“) schließen. Einkaufszentren müssen ihre Besucher zählen, sie auf Abstand halten, ihre Zahl begrenzen. Zeitungen überbieten sich mit einer Flut von Berichten über immer neue Maßnahmen, die verhindern sollen, dass sich das Virus weiter ausbreitet, und mit Reportagen darüber, wie Menschen reagieren, sich zu schützen suchen, anderen helfen, sich mit den Beschränkungen arrangieren und irgendwie damit zurechtkommen – oder auch nicht. Wir werden überschüttet mit Verhaltensregeln. Eine Panik- und Hysteriewelle wurde ausgelöst, baut sich auf wie zu einem Tsunami. Muss das alles sein? Nein, es muss nicht.

Der Virologe Wolfgang Wodarg: Kein Grund zur Panik, aber Schaden für die Freiheitsrechte

Ein Lichtblick in dieser zu einer Katastrophe führenden Lage ist der Virologe, Lungenfacharzt und Gesundheitsexperte Dr. med. Wolfgang Wodarg. Er kritisiert die Corona-Maßnahmen der Politik klar und deutlich. Es gibt, wie er sagt, überhaupt keinen Grund zur Panik: „Statistisch erleben wir einen normalen Grippewinter. Dem Corona-Hype liegt keine außergewöhnliche medizinische Gefahr zugrunde. Er verursacht aber eine erhebliche Schädigung unserer Freiheits- und Persönlichkeitsrechte durch leichtfertige und unberechtigte Quarantänemaßnahmen und Verbotsregeln.“ Der Mediziner Wodarg (Jahrgang 1947) ist nicht irgendwer und alles andere als ein Spinner.

Noch schlimmer: Die wirtschaftlichen Folgen der Panikmacherei

Aber schlimmer noch als die massiven (hoffentlich vorübergehenden) Freiheitseinschränkungen ist das, was sich an wirtschaftlichen Folgen der Panikmacherei abzeichnet: Es ist desaströs. Dass und wie die hektischen Maßnahmen eine gewaltige Wirtschaftskrise auslösen, ist absehbar und unheilvoll. Der Schaden, den das Virus für die menschliche Gesundheit auslösen kann, ist vergleichsweise beherrschbarer als der, den die staatlichen Maßnahmen zur Folge haben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Gemessen an den nüchtern-sachlichen Erläuterungen des Virologen Wodarg findet eine ungerechtfertigte, maßlose, sogar unverantwortliche Überreaktion statt.

Ein selbständiger Unternehmer äußert sich: Die bisherige Staatshilfe kann nicht retten

Verbandspräsidenten des Hotel- und Gaststättengewerbes (Dehoga) und des Einzelhandels schätzen, dass ihre Mitglieder derzeit einen Umsatzausfall von 80 bis 100 Prozent von noch unabsehbarer Dauer erleiden. Indirekt vermitteln sie, dass 80 Prozent ihrer Verbandsmitglieder in drei bis vier Wochen pleite sind. Ein mir bekannter selbständiger Unternehmer teilt mit: „Noch hat der Umsatzausfall mein Unternehmen nicht erreicht, aber ich sehe, was die Umsatzausfälle für meine Kunden bedeuten, kann auch grob überschlagen, was dies in der Folge für mein eigenes Unternehmen bedeutet: Wenn ich die 80 Prozent meiner laufenden Kosten (Personalkosten) dank neuer (guter) Kurzarbeitsregelung auf null herunterfahre und zehn Prozent der anderen laufenden Kosten durch Einsparungen wegbekomme, bleiben zehn Prozent an Kosten (für Mieten, für Finanzierung, für die übrigen Fixkosten), die ich nicht einsparen kann. Diese verbleibenden zehn Prozent machen im Jahr rund 1,5 Millionen Euro aus. Sind auch sie durch Umsatz nicht mehr zu decken, mache ich Verlust. Das hält meine Kapitaldecke natürlich nicht lange aus. Vermutlich – wir rechnen gerade – verkrafte ich das ein bis zwei Jahre, aber ein normal finanziertes Unternehmen hält das nicht einmal ein paar Wochen durch. Die bisherigen ‚Rettungsmaßnahmen‘ der Bundesregierung decken dies nicht ab, weil sie auf eine Bankfinanzierung (also Kredite) und Bürgschaften ausgerichtet werden. Dabei sollte eine kaufmännisch geführte Bank uns solche Kredite gar nicht geben dürfen, weil sie – auch wenn von der KfW unterstützt – allein dazu benötigt und verwendet werden, um Verluste zu finanzieren.“

Vorschlag: Bedrohte Unternehmen nicht mit Krediten, sondern mit Eigenkapitalhilfe unterstützen

Dieser Unternehmer schlägt stattdessen eine andere staatliche Krisenmaßnahme vor, die auch ich für deutlich zweckmäßiger halte: den Unternehmen mit der Vergabe von „Mezzanine-Kapital“ helfen (kapitalersetzendes Eigenkapital, stimmrechtslos, aber als echte Position auf der Passivseite, das die Überschuldung verhindert). Er sagt: „Wir brauchen nicht nur Liquidität, wir benötigen Eigenkapitalersatz. In meinem Fall würde ich also (über das Jahr verteilt, monatlich anteilig) 1,5 Millionen Euro ‚Mezzanine-Kapital‘ auf die Passivseite meiner Bilanz einbuchen (und erhalte das auch als liquide Mittel auf der Aktivseite). Mit einer Laufzeit von zehn bis 20 Jahren und einer Jahresverzinsung von einem bis vier Prozent würde geholfen sein.“

„Mezzanine-Kapital“ würde helfen, die entstehenden Verluste aufzufangen

Der Unternehmer weiter: „Zinsen von einem bis vier Prozent sollte ein gesundes Unternehmen nach der Krise immer erwirtschaften können, nur ab fünf Prozent Verzinsung wird es schwierig, weil wir dann kaum noch eine Chance auf das Bilden von Kapitalrücklagen haben. Dann habe ich als Unternehmer das Interesse, diese Mittel nur in dem benötigten Umfange anzunehmen, denn ich muss es verzinsen und zurückzahlen. Es würde mir aber helfen, die entstehenden Verluste aufzufangen, was ein KfW-Kredit (reines Darlehen, nicht eigenkapitalersetzend) nicht tut. So zu verfahren, würde jedenfalls das wahre Problem lösen – anders als die jetzt angedachten KfW-Kredite. Eigentlich bietet eine Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) wie die in Schleswig-Holstein (nicht dagegen die WTSH/Bürgschaftsbank/IB/KfW) die geeigneten Programme – nur sind bei ihr die Zinsen (sieben Prozent plus drei Prozent Gewinnanteil) viel zu hoch. Auch passen die Vergaberichtlinien überhaupt nicht zur aktuellen Situation.“

Andere Panik-Kritiker: Hat der Wahnsinn System?

Die Panik-Maßnahmen gegen das Coronavirus stoßen auch über Wodarg hinaus auf Kritik und Bedenken. So befasst sich das Online-Portal eingeschenkt.tv mit dem Coronavirus und geht der Frage nach: „Hat der Wahnsinn System?“. Zusätzliche Schlussfolgerungen zieht Hermann Ploppa mit seiner Betrachtung unter dem Titel „Gewollte Hysterie“, erschienen am 7. März 2020 im Web-Portal „Rubikon“ – kritisch, informativ, lesenswert, auch wenn man nicht allem zustimmen mag. Mit dem, was gerade an Verboten und sonstigen Einschränkungen geschieht und wie sie immer mehr Lebensbereiche erfassen, bekommen wir einen eindrucksvollen Vorgeschmack von den Wirkungsmöglichkeiten eines totalitären Staates. Doch bei allen gespenstischen Maßnahmen erfreulich: Das von den Vereinigten Staaten inszenierte und geführte, gegen Russland gerichtete Manöver „Defender Europe 2020“, deklariert als Verteidigungsübung, ist eingestellt worden.

Homepage von Wolfgang Wodarg

eingeschenkt.tv: „Coronavirus“

„Rubikon“: „Gewollte Hysterie“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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