18. März 2020

Verhalten in der Corona-Krise Im Krieg offenbart sich der wahre Charakter

Claus Kleber kümmert sein Geschwätz von gestern nicht

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Der Vater von allen: Krieg gegen Corona

„Der Krieg ist der Vater von allen“, so heißt es bei Heraklit. Und dann weiter: „Die einen macht er zu Göttern, andere macht er zu Menschen, die einen zu Sklaven und die anderen zu Freien.“

Es war der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, der sagte: „Wir befinden uns im Krieg.“ Von der „Generalmobilmachung“ sprach er.

Nun, dann befinden wir uns wohl also im Krieg. Der Feind ist unsichtbar, und doch beginnen die Opfer die Lazarette zu füllen.

„Die Covid-19-Fallzahlen in Deutschland entwickeln sich sehr dynamisch“, so heißt es heute in Berufung auf das Robert-Koch-Institut, und das „Gesundheitsrisiko für Deutschland“ wird jetzt als „hoch“ eingestuft.

„Der Durchmesser der Sonne beträgt einen Fuß“, sagt Heraklit: Aus der Entfernung erscheint uns manches viel kleiner. Ich hoffe, bei aller Angst und allen Opfern, auf eine Zeit, da dieser „Krieg“ uns „einen Fuß groß“ erscheint.

Corona-Partys in Berlin

Der Krieg macht Sklaven, und er macht Freie. Ist es wirklich der Krieg, der es aus uns „macht“? Man kann das „machen“ auch als „offenbaren“ und „offenlegen“ deuten. Der Krieg legt offen, wer wir wirklich sind.

Im Krieg, diesem „Vater von allen“, im Krieg zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. (Man könnte ein Sprichwort ableiten: Wohl dem, der nie gezwungen ist, seinen wahren Charakter zu offenbaren!)

Die Nachrichten dieser Tage lesen sich ja wie eine lange Liste von Charakteroffenbarungen, und nicht nur die Frontberichte von den Seuchenherden ähneln den alten, düsteren Prophezeiungen von Apokalypse und Endzeit, auch die Liste der Charakteroffenbarungen liest sich wie das Buch der gelebten Laster und Schwächen und nicht-nur-lässlicher Sünden.

Manchmal deckt sich der wahre, der offenbarte Charakter mit dem, was wir immer vermuteten. Die Regierung Merkel riskierte womöglich Menschenleben, indem sie viel zu lange nicht wahrhaben wollte, dass der Fall ist, was der Fall ist – keine Überraschung da. Machtpolitiker denken in machtpolitischen Kategorien. Wenn aber jemandes Denken in nichts als den Koordinaten erstens Macht, zweitens Macht, drittens Macht und viertens Macht aufgespannt ist, dann ist auch das Leid und Sterben erst dann von Interesse, wenn es ein machtpolitisches Thema ist. (Man vergleiche auch die Tatsache, dass Merkel das Attentat vom Breitscheidplatz schlicht zu ignorieren schien, den Ort des Terroranschlags erst ein Jahr später offiziell aufsuchte und dort dann Wurst begutachtete und grinsend Selfies schoss – es war schlicht nicht „machtpolitisch relevant“.)

„Wir sind gut vorbereitet“, tönte es aus der Politik – die Realität aber, die Wahrheit, hört man, wenn aus den Krankenhäusern berichtet wird, sogar die „normalen“ Mundschutze würden fehlen und Patienten ohne Maske behandelt werden.

Ich würde ja keinem deutschen Politiker mein Vertrauen aussprechen, wenn er nicht seit Jahren alles in seiner Macht Stehende tut, um die Zerstörerin Merkel abzusetzen, doch innerhalb dieses elitegewordenen deutschen Elends zeigt sich die bayerische Regierung als noch am wenigsten unfähig.

In Brüssel wird offenbar, dass von der Leyen keinen Plan hat – oder vielleicht erst einmal darauf wartet, was Berater ihr raten. Wenn Italien die EU am meisten gebraucht hätte, war es China, das (wenn auch gegen Bezahlung) Italien zu Hilfe schritt. Deutschland soll sogar explizit den Export von Medizinbedarf nach Italien blockiert haben. Auch die EU offenbart im Krieg gegen das Virus ihren wahren Charakter.

In Berlin, wo Kommunisten, Grüne und diverse Formen der Idiotie herrschen, da feiern sie „Corona-Partys“ – und ja, sie stecken sich an – die Polizei musste sogar einschreiten – das sind wohlgemerkt Leute, die wählen dürfen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit in NGOs und Zeitungen arbeiten, die die öffentliche Debatte mit formen. Nein, nicht alle Berliner offenbaren sich als linksgrün, suizidal und/oder ganz allgemein dämlich – aber doch zu viele. Selbst wenn man eine „logische“ Interpretation wählt, nämlich dass die sich freiwillig selbst ansteckenden Berliner Großintellektuellen hoffen, es „bald hinter sich zu haben“, so ist es doch maximal egoistisch (was den Verdacht stärkt, dass es sich um Linke handelt): Ein „Starker“, der sich freiwillig infiziert, gefährdet das Leben von „Schwachen“, die etwa an einer Immunschwäche leiden.

In Köln (aktuell 301 bestätigte Fälle) haben irgendwelche Verbrecher tatsächlich 50.000 Schutzmasken aus der Uniklinik gestohlen. Verbrecher sind Verbrecher, das ist ihr wahrer Charakter.

Im schönen Thüringen, konkret in Suhl, gab es Randale im Flüchtlingsheim gegen die Quarantäne, und gemäß der Mode des Tages offenbarte sich vielleicht auch in Suhl, was wirklich in manchen Köpfen steckt: Die jungen Männer versuchten nicht nur, gewaltsam auszubrechen, sie zeigten auch im Stil von Eroberern die IS-Fahne, also die Fahne von antidemokratischen, maximal brutalen Terroristen (laut Polizei-Pressekonferenz). Nein! Doch! Oh!

Ein gewisser Herr Kleber

Und dann, zugleich neben, über und unter all den Selbstoffenbarungen teils gruseliger Natur, gibt es noch den deutschen Staatsfunk, und der ist nur darin überraschend, wie wenig überraschend er auch in der Krise vorgeht.

Wir haben ja erlebt, wie beim Staatsfunk dazu aufgerufen wurde, dass „alle erst mal durchatmen“ sollten, „ohne Mundschutz, versteht sich“. Man fragt sich ja, ob und wie viele Menschen sterben werden, weil sie den Beschwichtigungen von Politikern und Staatsfunk glaubten.

In der Eröffnung des „heute-journals“ vom 14.03.2020 sagte ein gewisser Herr Kleber: „Das eine Land schützen durch Abgrenzung gegen die Viren im anderen,indem man Grenzen schließt, obwohl das Virus längst alle Grenzen überwunden hat. Heute Nacht in einer Stunde schließt Polen seine Grenze gegen Deutschland, das ist nicht irgendeine Grenze, denn es ist ein Teil des Wunders von Europa, dass diese Grenze nach der Wiedervereinigung offen stand.“

Das Schließen von Grenzen als Sakrileg. Ein Wunder ist ein göttlicher Akt, Ausdruck göttlichen Willens. Der Gott der Bibel ist seit jeher ein Gott der Grenzen. Die Schöpfung selbst beginnt ja mit einer Reihe von Trennungen, Himmel von Erde, Land von Wasser, Dunkel von Licht. Die Gottheit, der Ruf und Wille, den Kleber hier verteidigt, wird wohl eine Kollegin von der Atlantikbrücke sein, die liebe Frau Merkel.

Am nächsten Tag beschloss die deutsche Regierung doch noch, der Vernunft einen Zwischensieg zu gönnen und die Grenzen zuzumachen, ein wenig. Als wäre „Was kümmert mich die Propaganda von gestern!“ sein Motto, klang Kleber von einem Tag auf den anderen plötzlich ganz anders, fast schon sachlich: „Alle anderen tun es, nun schärft auch Deutschland seine Grenzen. Nicht gegen Viren an sich, das wäre vergeblich, aber doch wegen des Coronavirus, wegen seiner gefährlichen Folgen für Gesundheit, Wirtschaft und Politik im Land.“

Der rhetorische Trick, dessen Kleber sich hier bedient (ob bewusst oder aus Intuition und Erfahrung), ließe sich „Begründen durch Beliebiges“ nennen. Wenn ich sage: „X, weil Y“, werden viele Zuhörer „X“ als wahr oder zumindest plausibel und ethisch akzeptabel annehmen, und sie werden gar nicht erst darüber nachdenken, ob X wirklich sinnvoll aus Y folgt.

Wenn das Journalismus sein soll – was ist dann Propaganda?

Ich frage mich, ob Steffen Seibert, Merkels Sprecher – übrigens auch ein „ehemaliger“ ZDF-Mann – in Kleber einen Kollegen sieht oder Konkurrenz um denselben Job.

Menschen und Institutionen

„Du blickst nach Berlin, und der Abgrund blickt zurück“, so schrieb ich vor zwei Jahren, und ich will nicht allzu tief, nicht allzu lange darüber nachdenken, was in den Seelen solcher Leute vorgeht.

„Deutschland wird gerade an der Kanzlerin vorbei regiert“, so formuliert Alexander Kissler treffend – und es ist ein Signal der Hoffnung. Es spricht für Deutschland, für die Deutschen und ihre Experten, dass sie in der Krise in der Lage sind, an der Zerstörerin vorbei zu handeln – es spricht nicht für die Deutschen, dass sie es erst jetzt tun, dass sie diese schreckliche Frau so lange gewähren ließen.

Die Retter, die in den Krankenhäusern und Supermärkten um Leben und Zivilisation kämpfen, sie bekommen teilweise im gesamten Jahr etwa halb so viel wie Claus Kleber vom Staatsfunk in einem einzigen Monat kassiert – und wenn sie das Supergehalt des Claus Kleber nicht zahlen, dann kann es ihnen passieren, dass der ach so gerechte Staat sie ins Gefängnis wirft.

Heute offenbart sich der wahre Charakter von Menschen und Institutionen. Die einen bieten den älteren Nachbarn an, den Einkauf zu machen, arbeiten in Supermärkten und in Krankenhäusern, bis zur Erschöpfung. Die anderen gehen tanzen zur Corona-Party – ich nehme an, es sind Gutmenschen und Grünen-Wähler –‍, denn wenn sie krank werden, bürden sie die Verantwortung dafür anderen Leuten auf.

Und dann gibt es jene, die der Regierung nach dem Maul schwätzen, ohne erkennbaren Anstand oder den Schimmer von Gewissen, die wollen Gold auf Dreck pinseln, wollen Versagen und Schuld der Mächtigen schönfärben.

Tagelang, wochenlang, monatelang

Im Krieg offenbart sich der wahre Charakter von Menschen und Institutionen. Der Staatsfunk offenbart sich als das, was wir immer von ihm hielten, nur fast noch übler, zynischer, und dann auch gefährlicher.

Die Frage ist: Als was offenbaren wir uns selbst? Was für Menschen werden wir sein, wenn wir tagelang, vielleicht wochenlang oder monatelang in der Wohnung eingesperrt sind?

„Erkenne dich selbst“ – so besagt eine weitere Redensart der Griechen. Nun, in diesem „Krieg“ erkennen wir definitiv uns selbst – als Einzelne, als Familien – und auch als Nation und Gesellschaft.

Der Krieg ist der Vater von allen, so Heraklit. Der macht Sklaven aus den einen und Freie aus den anderen.

Wir sind heute gezwungen, unsere Hoffnung auf Politiker zu setzen, denen man bei freier Entscheidung und klarem Verstand nicht einmal die Aufsicht über einen Tabakstand anvertrauen würde.

Wir werden heute zu Gefangenen unserer Wohnungen – und auch unserer Angst –‍, wenn auch Gefangene mit Internet, Unterhaltung und hoffentlich genug Klopapier.

Wann werden wir wieder frei sein? Und als was für Menschen werden wir uns offenbart haben?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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