10. März 2020

Mögliche Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft Jetzt droht die Corona-Stagflation

Rückabwicklung der Globalisierung?

von Christian Ortner

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Bildquelle: shutterstock Könnte die Globalisierung gefährden: Coronavirus

Die mit Abstand vernünftigste und seriöseste Antwort auf die brennende Frage, wie sich die Corona-Epidemie auf die Weltwirtschaft auswirken wird, hat dieser Tage der neue Chef der Erste Group, Bernhard Spalt, gegeben: „Ich habe keine Ahnung.“

So ist es. Kann sein, dass der ganze Spuk in ein paar Monaten nichts hinterlässt als einen Berg überschüssiger Schutzmasken, kann aber genauso gut sein, dass Corona die globale Wirtschaft ziemlich verändert; wofür derzeit leider freilich etwas mehr spricht.

Das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario für diesen Fall ist, dass die weltweite Arbeitsteilung, auch als „Globalisierung“ berühmt geworden oder bei manchen auch berüchtigt, ein gutes Stück weit rückabgewickelt wird. Unternehmen würden in diesem Fall einen Teil jener Produktionsprozesse, die sie bisher in die jeweils kostengünstigsten Länder wie China, Indien oder Vietnam ausgelagert haben, wieder in ihre Heimatländer zurückverlagern, weil ihnen das Risiko von Produktionsausfällen – wie derzeit Corona-bedingt in China – zu groß geworden ist.

Zum Teil geschieht das auch ohne das Virus schon jetzt, etwa weil der Anteil der Arbeit an den Gesamtkosten eines Betriebes dank Automatisierung abnimmt und für die Auswahl des Standortes damit immer unerheblicher wird. Doch Corona könnte diese Entwicklung stark beschleunigen. Und damit bewirken, was bemerkenswerterweise linkspopulistische wie rechtspopulistische Politiker und NGOs schon seit langem in eigentümlicher Eintracht fordern: einen Stopp, ja gar eine Umkehr der Globalisierung.

Denn darin sind sich Donald Trump und Attac oder andere globalisierungskritische Gruppen einig, wenn sie gegen viele internationale Freihandelsabkommen und die daraus resultierende globale Arbeitsteilung wettern.

Das Corona-Virus könnte nun bewirken, dass genau dies ein Stück weit Wirklichkeit wird. Das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zwei Konsequenzen haben: ein Ansteigen der Inflationsraten – weil teurer produziert werden muss – und ein geringeres Wirtschaftswachstum, weil damit die Kaufkraft der Konsumenten verringert wird.

Die Folge wäre also das, was in der Ökonomie „Stagflation“ genannt wird, ein besonders unerquicklicher Zustand der Volkswirtschaft, der schwer zu bekämpfen ist. Denn gegen die steigende Inflation müssten die Notenbanken mit einer Anhebung der Zinsen reagieren. Dies freilich würde das stagnierende Wachstum noch weiter beschädigen und so nebenbei die überschuldeten Staaten wie Italien an den Rand der Insolvenz treiben. Ein nahezu unauflösliches Dilemma.

Schon jetzt ist absehbar, dass eine länger anhaltende Corona-Krise nicht nur in der Euro-Zone zu einem weiteren staatlichen Schuldenexzess führen wird, diesmal halt unter dem Vorwand, damit die vom Virus angeschlagene Volkswirtschaft wieder anzuwerfen.

Zusammen mit jenen Schulden, die zur Finanzierung des „Green Deal“ der EU gegen den Klimawandel aufgenommen werden, kommt da wohl ganz schön viel zusammen. Man muss kein übertriebener Pessimist sein, um eine derartige Entwicklung für eher bedrohlich zu halten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Ortner Online“.


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