08. März 2020

Film „Die Känguru-Chroniken“ Alternative zur Demokratie?

Der Kampf wird ohne Hass geführt

von Phil Mehrens

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Bildquelle: shutterstock Kämpft ohne Hass: Kommunistisches Känguru

„Die Känguru-Chroniken“ nach der gleichnamigen Buchreihe von Marc-Uwe Kling verulken die AfD als „Alternative zur Demokratie“. Trotzdem können auch Konservativ-Liberale an dem Film ihren Spaß haben. Voraussetzung ist natürlich, dass sie diese Kritik lesen.

Endlich ist es so weit. Lange haben Fans darauf warten müssen. Aber nun ist er endlich da: der erste Kinofilm über die AfD. Hauptfigur ist ein in der Kunst des Boxens geübtes Känguru, das auch verbal austeilen kann.

Viel wurde in der vergangenen Zeit über die Renaissance des Sozialismus in der bundesdeutschen Gesellschaft gesprochen (auch hier auf eigentümlich frei von einem rechten „Häter“ namens Phil Mehrens – merke: Erst kommt der Häter, dann kommt der Täter!). Zuletzt ereiferten sich Bodo Ramelow und der Rest der auf Kurs gebrachten Republik darüber, dass eine Parlamentsabstimmung einen anderen Verlauf nahm als früher in der Volkskammer, wo ja schließlich auch immer die SED gewonnen hat, und die CDU „Äquidistanz“ wahren wollte. Äquidistanz ist ein vulgärlateinischer Ausdruck und bedeutet: gleicher Abstand. Gemeint ist aber nicht etwa gleicher Abstand zu SED, PDS und Liste Links, obwohl die prinzipielle Erbgleichheit dieser drei Parteien ja eine Äquidistanz im Sinne der Logik durchaus rechtfertigen würde. Gemeint ist eine Äquidistanz zu Neokommunisten, Enteignungs- und Multikultiphantasten auf der einen und von Merkel weggemobbten CDU-Mitgliedern wie Alexander Gauland auf der anderen Seite. Mit den „Känguru-Chroniken“ ist nun klar: Es gibt je ein wandelndes Alibi für die Notwendigkeit der Union, von der selbst auferlegten Linksrechts-Äquidistanz abzurücken. Eines im Lager der Rechten, das ist Björn Höcke, und eines im Lager der Linken, das ist das Känguru. Genau genommen also ein wandelndes und ein hüpfendes Alibi.

Derart steile Thesen machen es erforderlich, kurz auf den Inhalt der Komödie von Dani Levy („Mein Führer“) einzugehen: Eines Tages klingelt ein Beuteltier vom abgebrannten fünften Kontinent bei dem Tagedieb Marc-Uwe (filmisches Abbild des Autors der „Känguru-Chroniken“ Marc-Uwe Kling, der auch das Drehbuch schrieb) an der Wohnungstür, will erst nur ein paar Eier borgen und zieht kurz darauf komplett bei Marc-Uwe ein. Mit unübertroffenem Instinkt hat das Känguru nämlich gewittert, dass der ein WG-tauglicher Waschlappen ist und sich so wenig gegen zudringliches Invasivverhalten zur Wehr zu setzen vermag wie Katzen gegen Katzenflöhe, wie im Grunde, um das Bild ein wenig zu erweitern, jede im sittlichen Verfall begriffene Kultur, wenn sie von vitalen, triebgesteuerten und politisch fragwürdigen Grenzüberschreitern heimgesucht wird. Insofern kann man Marc-Uwe durchaus als Sinnbild der mit ihren eingeschränkten Vitalfunktionen und ihrem größenwahnsinnigen Glauben an die totale Gleichheit jeder Lebensform (Känguru, Mensch, Wolf, Alien) zum impotenten Ententismus degenerierten westeuropäischen Kulturnationen verstehen, eine Entwicklung, nebenbei bemerkt, bei der neben demjenigen neosozialistischer Denkschablonen vor allem der Einfluss hochdosierter Halluzinogene nicht unterbewertet werden darf.

Um den Film aber nicht ins Fahrwasser von Hassinterpreten und dort womöglich seine wertvolle ideologische Fracht ins Schlingern geraten zu lassen, wird schnell klargemacht, dass seine Hauptfigur, das Känguru, Kommunist und somit zweifelsfrei dem richtigen Lager zuzurechnen ist. Der australische Migrant heizt den Rechten ordentlich ein, lässt – wie im Antifa-Milieu üblich – auch mal die Fäuste sprechen, um dem als absolut richtig Erkannten zum erforderlichen Nachdruck zu verhelfen, und entlarvt hemmungslos: Patrioten sind Nazis, und die neue Partei mit den blauen Plakaten will eine Alternative zur Demokratie. Was für eine Alternative das ist, weiß dank Katrin Göring-Eckardt und Annalena Baerbock längst jeder, nämlich: Faschismus! Und sofern der nicht im Parteiprogramm der Partei mit dem großen A stehen sollte, schreibt ihn Katja Kipping einfach selbst da rein und nennt das, weil sie dieses Prozedere ja aus ihrer heimlichen geistigen Heimat, dem Stalinismus, bestens kennt und damit in ihrer eigenen Partei offenbar beste Erfahrungen gemacht hat, das „ungeschriebene Parteiprogramm“. Außerdem haben wir ja durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 1995 gelernt, dass alle Soldaten Mörder sind. Und weil alle Soldaten Mörder sind, sind jetzt auch alle Faschisten, die von Annalena Baerbock und Katrin Göring-Eckardt oder ihren politischen Doppelgängern, den lebenden Karikaturen von der Liste Links, als solche bezeichnet werden, weil analog zu dem Urteil von 1995 auch bei dem Urteil des Verwaltungsgerichts Meiningen im vergangenen Jahr die Meinungsfreiheit als vorrangiges Freiheitsrecht bewertet wurde, also jenes Grundrecht, mit dem Linke und Grüne grundsätzlich ja eher auf dem Kriegsfuß stehen. Aber das nur am Rande. Viel wichtiger ist das zweite der beiden Alibis, auf das wir jetzt gestoßen sind: Der Mann, der sich als Faschist bezeichnen lassen muss, ist der Gewährsmann dafür, dass Äquidistanz zur Liste Links und zur AfD falsch ist, denn Linke wollen zwar den Sozialismus wieder einführen, sind aber trotzdem Demokraten, und AfD-Konservative bekennen sich zwar zum Grundgesetz, sind aber trotzdem Faschisten, weil in Meiningen besagtes Grundgesetz zur Anwendung kam. Mehr Logik geht nicht!

Damit zurück zu dem Gewährsmann im linken Lager, dem Känguru. Rasch gerät der Immobilienhai Jörg Dwigs (Henry Hübchen) ins Visier des Beuteltiers und seiner Antifa-affinen Kreuzberger Kiezfreunde. Der will nämlich ausgerechnet in Kreuzberg eine Großimmobilie errichten lassen: den Dwigs-Turm. Doch der Mann ist nicht nur Tower-Bauer und Großkapitalist. Er ist überdies prominentes Aushängeschild einer neuen patriotischen Partei, der „Alternative zur Demokratie“, kurz „AzD“. Und er lässt sich von schlagenden Verbindungen nicht aus dem akademischen, sondern eher aus dem Hartz-IV-Milieu hofieren, was ihn gewissermaßen zur Eier legenden Wollmilchsau der Linksautonomen macht, verkörpert er doch so ziemlich alles, was sie vehement, aber natürlich hassbefreit bekämpfen. (Denn – hallo?! – in linken Bewegungen gibt es keinen Hass. Wozu sollte man auch hassen, wenn man im Besitz der absoluten Wahrheit ist? Auch die Inquisition hat ja seinerzeit nicht gehasst, sondern den Sünder aus Liebe zur Wahrheit auf den rechten, also nicht rechten, sondern richtigen, also linken Weg zurückgeführt.) Es kommt also zum Kampf, denn Kampf und Krawall (aber natürlich hassbefreit) ist, wie jeder weiß, so etwas wie das Lebenselixier der linksautonomen Szene. Ob ein AzD-Tower-Bauer da noch eine Chance hat? Halten wir fest: Da der Kampf seitens der Linksautonomen, Anarchisten und Kommunisten ohne Hass (!) geführt wird, sondern nur mit Humor (dies ist eine Komödie), hat niemand Schlimmeres zu befürchten. Und man verrät nicht zu viel, wenn man verrät, dass auch die Liebe am Ende des Films noch eine Chance bekommt. Denn wo Hass so grundlegend abwesend ist, was blüht da umso mehr? Richtig.

Phil Mehrens: „Sozialistische Renaissance“


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