29. Dezember 2019

Debatte über Kinderchor-Video „Oma, die alte Umweltsau“ Die Klimawandelhysterie treibt immer buntere Blüten

Der WDR markiert einen neuen Tiefenrekord

von Andreas Tögel

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Bildquelle: shutterstock Als „Umweltsau“ verunglimpft: Oma

„Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ – „Der Zweck heiligt die Mittel.“ – „Man kann kein Omelett backen, ohne Eier zu zerbrechen.“ Zweifellos wird, wer sich dieser Mühe unterziehen will, noch viele andere Weisheiten ähnlicher Art finden. Gemeinsam ist ihnen die Botschaft, dass, wenn es um eine gute Sache geht, auf jede Zurückhaltung verzichtet werden kann, ja verzichtet werden muss. Um ein höheres Ziel zu erreichen, sind nicht nur alle Mittel erlaubt, sondern ist deren Einsatz sogar geboten. Dass diese Ansicht einer zutiefst antichristlichen Haltung entspringt, dürfte sich den wenigsten Zeitgenossen erschließen; wie viele Christen, die sich mit Recht auch welche nennen können, gibt es schließlich noch? Nach Kirchenvater Thomas von Aquin muss, um ein gutes Werk zu setzen, nicht nur die Intention gerecht sein, sondern müssen auch die eingesetzten Mittel angemessen und vor allem das am Ende erreichte Ziel positiv sein.

Dieser Tage scheint es im einst freien Westen – zumindest in dessen europäischem Teil – nur noch ein einziges Ziel zu geben, für das es sich zu kämpfen lohnt und das nachgerade religiösen Charakter angenommen hat: die „Klimarettung“. Kinderlosigkeit, die vor dem Kollaps stehenden Sozialsysteme, die militärische Impotenz der Alten Welt, die Korruption und Dekadenz der politischen Eliten – wen kümmert das schon? Die – frei erfundene – „Klimakrise“ aber ist allgegenwärtig. Wenn es um die in beispielloser Hybris angemaßten Möglichkeiten zum Kampf gegen den fraglos existierenden Klimawandel geht (nicht etwa darum, mit dessen Folgen bestmöglich umzugehen, was zweifellos sinnvoll wäre), setzt jegliches Denken aus, wird mittlerweile jede rationale Überlegung über Bord geworfen.

Der WDR hat soeben mit einem Video Aufsehen erregt, in dem ein Kinderchor über „Oma, die alte Umweltsau“ (sic!) singt. Am Ende wendet sich die Kinderschar, mit unverhüllt drohendem Unterton, ans Publikum und verkündet: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen“. Das sollte, so werden die Programmverantwortlichen zumindest behaupten, nur als Satire verstanden werden. Doch Menschen als „Säue“ zu bezeichnen, das ist mehr als ein schlechter Witz – genau wie der Umstand, dass ahnungslose, unschuldige Kinder als Werkzeuge für eine derart üble Hetze eingesetzt werden. Omas, die weiland mit der geflochtenen Einkaufstasche ihre Besorgungen erledigten, ihre Milch in der Aluminiumkanne holten, niemals ein Auto oder ein Handy besaßen und niemals ein Flugzeug von innen gesehen haben, als „Umweltsäue“ zu apostrophieren, ist ein Skandal der Extraklasse, der nicht als Witz kleingeredet werden kann.

Man stelle sich vor, ein Funktionär der AfD oder der FPÖ hätte sich derart „satirisch“ mit illegalen Immigranten auseinandergesetzt. Ein veritables Verhetzungsverfahren gegen die Urheber wäre wohl noch vor dem Ende der Durchsage in Gang gesetzt worden.

Menschen zu entmenschlichen, hat allerdings eine lange Tradition. Diverse „Wilde“, Kulaken, Armenier und Juden mussten in der Vergangenheit schon erleben, was es bedeutet, als „Untermenschen“ gebrandmarkt zu werden. Sind „alte weiße Männer“ und neuerdings auch Omas die Kulaken unserer Tage?

Wer übrigens mit dem Begriff „Kulak“ nichts anfangen kann, dem sei das großartige Buch „Ernte des Todes“ aus der Feder des britischen Historikers Robert Conquest wärmstens empfohlen. Es geht darin um Stalins Politik gegen die Kulaken, die „reichen Bauern“ in der Ukraine: Nach dem systematischen Aufbau eines Sündenbocks wird dieser zum Feindbild erklärt und am Ende seiner „gerechten“ Strafe zugeführt – das heißt mittels des Einsatzes direkter oder indirekter Mittel füsiliert.

Sind wir schon wieder so weit? Ist die Zeit jetzt oder spätestens in ein paar Jahren reif für eine neuerliche Entkulakisierung, die sich diesmal halt gegen „Umweltsäue“ richten wird? Einst hat es von der glorreichen Oktoberrevolution anno 1917 bis 1929 – also ganze zwölf Jahre – gedauert, bis alle Dämme brachen und zur „Endlösung“ der Kulakenfrage geschritten werden konnte. Wer glaubt, dass sich so etwas in der geheiligten Demokratie nie wiederholen könnte, hat das Wesen des Sozialismus als unausrottbarem „Todestrieb in der Geschichte“ und als „anthropologischer Konstante“ (Igor Schafarewitsch) noch immer nicht begriffen.

Übertrieben? Paranoide Phantasie eines reaktionären alten weißen Mannes? Lernen Sie Geschichte, verehrte Herrschaften! Die wiederholt sich zwar nicht – aber sie reimt sich, wie ein Mark Twain zugeschriebenes Zitat lautet.

Um das Schlimmste zu verhüten, würde es fürs Erste reichen, die für diese widerliche Hetze Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen WDR auf der Stelle ihrer Posten zu entheben und dafür zu sorgen, dass sie solcherlei Unflat niemals wieder verbreiten können – jedenfalls nicht auf Kosten der Steuer- und Gebührenzahler.


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