26. November 2019

Berichte über klimastreikende Studenten und protestierende Bauern Wurden Sie heute schon von der „Tagesschau“ manipuliert?

Zwölf Studierunwillige sind für die Mehrzahl der Deutschen von Bedeutung

von Michael Klein

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Bildquelle: Positiv Berlin / Shutterstock.com Nicht ganz so wichtig wie zwölf studierunwillige Aktivisten: Protestierende Bauern in Berlin

Manipulation, versuchte Manipulation, vielleicht auch versuchte Indoktrination, sie wird bei der ARD immer brachialer. Heute gibt es ein besonders schönes Beispiel, an dem sich die Versuche der „Tagesschau“-Redaktion, ihren Lesern ein X für ein U vorzumachen, sie quasi einer öffentlich-rechtlichen Gehirnwäsche zu unterziehen, darstellen lassen: „Aktionen statt Vorlesungen: Studenten gehen in den Klimastreik“ und: „Protest gegen Agrarpolitik: Treckerstau in Berlin“.

Die Antwort auf die Frage, welche Form der Dichotomisierung die „Tagesschau“ hier versucht, ist jedermann selbst überlassen. Werden die Handarbeiter vom Acker mit den vermeintlichen Kopfarbeitern der Universität kontrastiert? Stehen hier Kämpfer gegen den Klimawandel Klimawandelleugnern gegenüber? Die einen bewegen etwas mit Demonstration, die anderen stauen. Wie auch immer die Antwort ausfällt, man kann feststellen, dass vom Erscheinungsbild her die Gruppen, um die es in beiden Berichten geht, gleichgestellt werden.

Beginnen wir mit den „10.000 Teilnehmern und rund 5.000 Traktoren“, die in Berlin bereits eingetroffen sind beziehungsweise dort erwartet werden, um gegen „geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz sowie weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers“, die landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährden, zu protestieren. Tatsächlich demonstrieren die Bauern nicht nur gegen die „schärferen Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz“. Sie demonstrieren gegen die nicht mehr nachvollziehbaren Regelungen, denen sie im Windschatten der Klimahysterie unterworfen werden, und sie demonstrieren dagegen, zum Sündenbock stilisiert zu werden, zum Prügelknaben all der Gutmenschen, die schreiend und hopsend die Welt vor dem Klimatod retten wollen, während Bauern auf ihren Feldern arbeiten.

Offenkundig ist man bei der „Tagesschau“ zu dem Schluss gekommen, dass es nicht möglich ist, den Bauernprotest zu verschweigen. Also wird darüber berichtet, unter Auslassung der Klimawandelkomponente, und es wird optisch wie inhaltlich versucht, die Proteste der Bauern abzuwerten. Der optische Trick besteht darin, die Bauernproteste, die größten Proteste, die es seit Jahrzehnten gegeben hat, mit dem „Studenten gehen in den Klimastreik“-Junk, den Tim Diekmann vom SWR, also dem Sender, der nunmehr unter der Ägide von Intendant Kai Gniffke ächzt, schreiben muss oder gerne geschrieben hat, wer weiß, zu kontrastieren.

Um die 10.000 Bauern, die in Berlin mit 5.000 Traktoren angereist sind und streiken, zu „matchen“, reichen zwölf Studierende, die sich an der Universität Tübingen eingefunden haben, um dort in den „Klimastreik“ zu treten. Die zwölf Hanseln, von denen die Veranstalter hoffen, dass es noch mehr werden, sitzen in ihrer „Streikzentrale“. Zwei der zwölf werden namentlich benannt, beide sind keine Studenten. Caroline Kunz, von der nicht einmal behauptet wird, dass sie Studentin sei, ist Umweltaktivistin, die später im Text ausführlich dargestellte Anneke Martens hat sich zwar in Rhetorik und Politikwissenschaft eingeschrieben, besucht aber keine Seminare und sagt selbst, dass „ihr Studium in den Hintergrund“ gerückt sei.

Zwei Klimaaktivisten, zehn weitere Hanseln, keiner davon hat, die Hypothese kann man begründet in den Raum stellen, Ahnung davon, welche Faktoren einen Effekt auf das Klima haben, wie Kohlendioxid das Klima beeinflussen soll, wieso Wolken in den Modellen des IPCC nicht vorkommen, warum die Klimamodelle in ihren Katastrophenszenarien keinerlei Übereinstimmung mit der Realität aufweisen, warum das Eis in Arktis und Antarktis nicht schmilzt, sondern wieder wächst, und vieles mehr. Sie sind eben Aktivisten. Aktivisten benötigen nur einen Gegenstand, von dem sie denken, er sei moralisch lohnend, man könne sich damit als guter Mensch inszenieren. Sie benötigen keine Kenntnisse. Kenntnisse sind eher hinderlich, befördern Zweifel, Zweifel führen dazu, dass man sich die empirische Evidenz betrachtet, sich ein eigenes Urteil bildet. Das ist für Wissenschaftler, nicht für Aktivisten.

Was machen die beiden Aktivisten eigentlich an einer Universität? Wieso besetzen sie Studienplätze, die von Steuerzahlern finanziert werden, ohne die Absicht zu haben, die Plätze auch zum Studium zu nutzen? Warum nehmen sie Studenten, die studieren wollen, die entsprechenden Studienplätze weg?

Fragen über Fragen, die natürlich zurücktreten müssen, denn „die Klimakrise“, so verkündet Anneke Martens, die dieselbe gerade erfunden zu haben scheint, sei „unser drängendstes Problem“. Ist eine Klimakrise Ihr drängendstes Problem? Nein. Meins auch nicht.

Es ist geradezu eine Farce, die hier in der „Tagesschau“ Artikel geworden ist. Zwölf offenkundig Studierunwillige, denen politischer Aktivismus oder Hysterie oder andere mit Wissenschaft unvereinbare Tätigkeiten nahe liegen, sind der „Tagesschau“ einen Beitrag wert, der einem Beitrag, in dem es um die Proteste von 10.000 Bauern geht, gleichgestellt, nein übergeordnet wird, denn Bauer Willy, der an der Demonstration in Berlin teilnimmt, kommt nicht zu Wort. Kein Redakteur der „Tagesschau“ hat sich die Mühe gemacht, vor Ort zu erscheinen und sich ein eigenes Bild zu machen, mit Bauern zu reden. Der Beitrag in der „Tagesschau“ ist Konserve, besteht aus Pressemeldungen des Bauernverbands ergänzt um eine Stellungnahme von Landwirtschaftsminister-Darstellerin Julia Klöckner.

Dagegen hat sich die ARD wegen der zwölf Tübinger Hanseln so richtig ins Zeug gelegt. Das nennt man Prioritäten setzen. Die Farce der zwölf streikenden Studierunwilligen aus Tübingen ereignet sich in derselben „Tagesschau“, die einst die Berichterstattung über die Ermordung des Offenburger Allgemeinmediziners Joachim Tüncher durch einen somalischen Zuwanderer abgelehnt hat. Damals hat derselbe Kai Gniffke, der heute Redakteure nach Tübingen zu schicken scheint, damit sie dort eine Mikro-Minderheit mit Öffentlichkeit versehen, die Weigerung der „Tagesschau“, über den „Tötungsfall in Offenburg“ zu berichten, damit begründet, dass es ein Mord nur in die Berichterstattung schaffe, wenn er von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz und für die „Mehrzahl der 83 Millionen Deutschen von Bedeutung“ sei.

Daraus muss man dann wohl schließen, dass zwölf Studierunwillige, darunter zwei Aktivisten, von denen eine dem Redakteur des SWR vom „Aktionstraining: Fließen und Blockieren“ berichtet und die grundlegenden Kenntnisse, die dabei wohl vermittelt werden, noch um die Offenbarung ergänzt, nicht mehr in Urlaub zu fliegen und Klamotten nur noch aus zweiter Hand zu kaufen, von gesellschaftlicher, nationaler, ja internationaler Relevanz sind, dass es Dinge sind, die für die Mehrzahl der 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind.

Die Überschrift „Studenten gehen in den Klimastreik“ ist natürlich Fake News. Die korrekte Überschrift lautet: „Häuflein studierunwilliger Aktivisten besetzt Studienplätze“.

Ich bin mir nicht sicher: Ist die „Tagesschau“ nun Realsatire, ein Manipulationsversuch der Minderbemittelten, eine Schau von Heuchlern außer Rand und Band oder einfach das, was Journalismus-Darsteller heute für normal halten?

Journalismus ist es keiner, darüber bin ich mir sicher.

tagesschau.de: „Treckerstau in Berlin“

tagesschau.de: „Studenten gehen in den Klimastreik“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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