14. November 2019

Interne Zahlen zur Reichweite der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ARD und ZDF ohne Reichweite

Zwangsgebühren für mediale Ladenhüter

von Michael Klein

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Bildquelle: Tobias Arhelger / Shutterstock.com Beitrag für alle, Programm für wenige: Öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland

ARD und ZDF, das öffentlich-rechtliche Angebot, alle müssen dafür bezahlen, nur wenige wollen es noch sehen. In der Serie „Ideologie trifft Realität“ präsentiere ich heute interne Zahlen eines öffentlich-rechtlichen Senders für ARD und ZDF – Zuschauerzahlen und Marktanteile. Die Zahlen zeigen: Die Reichweite von ARD und ZDF ist begrenzt, so begrenzt, dass man sich fragen muss, warum alle Bürger für ein Angebot bezahlen sollen, das nur wenige nutzen.

Die Zahlen bestätigen das Ergebnis einer Studie, die David A. F. Levy, Rasmus Kleis Nielsen und Anne Schulz vom Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford vor kurzem veröffentlicht haben. Sie waren zu dem Ergebnis gekommen, dass ARD, ZDF und Deutschlandfunk unter jüngeren Zuschauern keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender, so das Ergebnis der Studie, gehe an den Bedürfnissen der Zuschauer vorbei, die zudem immer älter würden.

Überspitzt könnte man feststellen: Ein linkes Angebot trifft auf Nachfrage im Segment der Alten, so dass zwangsläufig die Zuschauer öffentlich-rechtlicher Sender wegsterben.

Interne Daten, die mir zugänglich gemacht wurden, bestätigen nun, was die drei Autoren in ihrer Studie mit Bezug auf die Reichweite der öffentlich-rechtlichen Sender gefunden haben. Die Daten bilden einen ganzen Sendetag bei ARD und ZDF ab: den 12. November 2019. Es sind also top-aktuelle Daten. Dargestellt sind Marktanteile und Zuschauerzahlen für alle Zuschauer und für die Gruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Die Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden.

Zu keinem Zeitpunkt am 12. November war der Marktanteil von ARD und ZDF höher als 23,4 Prozent, das heißt die öffentlich-rechtlichen Sender erreichen zu keinem Zeitpunkt mehr als ein Viertel der Zuschauer, die zum jeweiligen Zeitpunkt fernsehen.

Die Anzahl der Zuschauer, die sich das Angebot von ARD und ZDF antun, ist zu keinem Zeitpunkt höher als 5,23 Millionen. 2019 waren rund 38 Millionen Haushalte gebührenpflichtig, das heißt ARD und ZDF sind mit einer Sendung nicht in der Lage, mehr als 13,8 Prozent der gebührenpflichtigen Haushalte zu erreichen. Gebühren zahlen dennoch alle Haushalte.

Die Versuche, Zuschauer ideologisch zu indoktrinieren, stoßen auf erhebliche Gegenwehr. Die Sendung „Warum wir hassen“, die das ZDF zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr ausgestrahlt hat, erreichte gerade einmal 420.000 Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren und 1,56 Millionen aller Zuschauer. Das bedeutet Marktanteile von 4,5 beziehungsweise 5,1 Prozent. Ein Schlag ins Wasser.

Die Hitliste der Sendungen von ARD und ZDF wird bei Zuschauern im Alter von 14 bis 49 Jahren von der „Tagesschau“ (20 Uhr: 1,08 Millionen Zuschauer), gefolgt von „In aller Freundschaft“ (21:05 Uhr: 790.000 Zuschauer), „Tierärztin Dr. Mertens“ (20:15 Uhr: 670.000 Zuschauer), dem „heute-journal“ (21:45 Uhr: 500.000 Zuschauer) und „Wer weiß denn sowas?“ (18:00 Uhr: 480.000 Zuschauer) angeführt.

Die Hitliste der Sendungen von ARD und ZDF für alle Zuschauer sieht „In aller Freundschaft“ an der Spitze (21:05 Uhr: 5,23 Millionen Zuschauer), gefolgt von „Tierärztin Dr. Mertens“ (20:15 Uhr: 4,56 Millionen Zuschauer), der „Tagesschau“ (20:00 Uhr: 4,33 Millionen Zuschauer), den „Rosenheim-Cops“ (19:30 Uhr: 4,28 Millionen Zuschauer) und „heute“ (19:00 Uhr: 4,01 Millionen Zuschauer). Im Durchschnitt eines Tages erreichen ARD und ZDF 1,08 Millionen Zuschauer beziehungsweise 170.000 Zuschauer unter den 14- bis 49-Jährigen. Der durchschnittliche Marktanteil beider Sender beträgt 10,6 Prozent bei allen Zuschauern beziehungsweise 5,6 Prozent bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern. Der Marktanteil beider Sender unter den Gebührenzahlern beträgt durchgängig 100 Prozent.

Wie dieses Missverhältnis zu legitimieren ist und aufrechterhalten werden kann? Eine gute Frage ohne eine gute Antwort.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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