18. Oktober 2019

Verhinderung einer Vorlesung des ehemaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke in Hamburg Skandal im Lehrbezirk

Ist unsere Demokratie noch zu retten?

von Phil Mehrens

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Bildquelle: © Robin Krahl, CC-by-sa 4.0. Source: Wikimedia Commons Konnte seine Vorlesung an der Uni Hamburg nicht halten: Bernd Lucke

Der frühere AfD-Chef Bernd Lucke konnte am vergangenen Mittwoch seine Vorlesung an der Universität Hamburg nicht halten, weil linke Demagogen den Hörsaal besetzten. Ist unsere Demokratie noch zu retten?

Es ist wie in der Fabel von der Katze, der Maus und der Ratte Raffzahn. Sie geht so: Da steht eine Katze mit ausgefahrenen Krallen an der Wand und wartet darauf, dass endlich die Maus aus ihrem Mauseloch herauskommt, damit sie sie fressen kann. Und während sie wartet... und wartet... und wartet, merkt sie vor lauter Fixierung auf das Mauseloch vor ihr gar nicht, wie unter ihr der Holzboden durchgenagt wird, genau die Fläche, auf der sie steht. Und eh‘ sie sich‘s versieht, bricht unter ihr der Boden weg und die Katze stürzt in die Tiefe, wo sich sogleich die Ratte Raffzahn mit ihren Artgenossen, die klammheimlich den Boden durchgenagt haben, über sie hermacht. Dieser Übermacht aggressiver Nager ist die Katze, die wehrlos und durch den Sturz geschwächt auf dem Kellerboden liegt, nicht gewachsen: Um sie ist‘s geschehen.

Am vergangenen Mittwoch, dem 16. Oktober 2019, trug sich in der Bundesrepublik Deutschland Folgendes zu: Der ehemalige AfD-Bundessprecher und Hochschullehrer Bernd Lucke, der sich 2014 von der Universität Hamburg beurlauben ließ, um als Abgeordneter ins EU-Parlament einziehen zu können, wollte nach seiner Rückkehr an die Universität eine Vorlesung zum Thema „Makroökonomie“ halten. Eine Abordnung von Studenten, mobilisiert vom Allgemeinen Studentenausschuss (Asta) der Universität Hamburg, wollte das nicht zulassen. Der Hörsaal wurde besetzt. In bester Agitprop-Manier rollten Studenten Transparente aus, und der Professor für Volkswirtschaftslehre musste sich eine einfache und klare Hassbotschaft anhören: „Verpiss dich.“ Papierkugeln regnen auf den Gelehrten herab. Es kommt zu tumultartigen Szenen. Lucke muss unter Polizeischutz aus dem Hörsaal geführt werden. Begründung für die Ausgrenzungsmaßnahme: Lucke trage eine „Mitverantwortung für die heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen in Deutschland“. Aber ist die Feststellung einer solchen Mitverantwortung nicht eigentlich Sache unabhängiger Gerichte und nicht die eines Wildwest-Lynchmobs? „Es ist beschämend für eine Exzellenz-Universität, dass sich einer ihrer Professoren hier 1,5 Stunden lang als Nazi beschimpfen lassen muss“, zitierte die „Hamburger Morgenpost“ den Angefeindeten.

Lucke ist kein Einzelfall: Der Historiker Jörg Baberowski (Berlin), der Politologe Werner J. Patzelt (Dresden) und der Rechtswissenschaftler Thomas Rauscher (Leipzig) sind in gleicher Weise Opfer planmäßigen Mobbings und organisierter Rufmordkampagnen geworden, wie die „Junge Freiheit“ im April unter der Überschrift „Anschlag auf die Alma mater“ berichtete. Universitäten, eigentlich Orte der Freiheit des Denkens und der Lehre – „Der Forschung, der Bildung, der Lehre“ steht über dem Portal des Hauptgebäudes der Uni Hamburg –‍, sind zu Repressionsräumen geworden, und zwar in einem Maße, über das inzwischen sogar der Deutsche Hochschulverband alarmiert ist. „Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sinkt. Das hat auch Auswirkungen auf die Debattenkultur an Universitäten“, meldete sich im Frühjahr Verbandspräsident Bernhard Kempen besorgt zu Wort. Die Rädelsführer im Kampf gegen Pluralismus und Meinungsfreiheit sind in denjenigen akademischen Kreisen zu finden, die mit dem westlichen (also kapitalistisch geprägten) Gesellschaftsmodell noch nie besonders viel anfangen konnten und für die die geschichtliche Phase der bürgerlichen Demokratie durch die nächste Stufe der proletarischen Weltrevolution abgelöst werden sollte. Solche abwegigen Theorien sind natürlich gestattet. Wenn sie aber keiner mehr als abwegig entlarvt, dann wird es gefährlich für Freiheit und Demokratie.

An deutschen Hochschulen hat sich, unter dem Einfluss der Allgemeinen Studentenausschüsse (Astas), die offenbar zu Wohlfahrtsausschüssen mit lauter kleinen Dantons und Robespierres mutiert sind, ein Klima der Repression und Intoleranz verbreitet. Vielleicht ist das die eigentliche Klimakatastrophe unserer Zeit. Was sind die Ursachen? Seit den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre herrscht in den Studentenausschüssen eine Art dynastische Erbfolge, die sich aus einer Mobilisierungsblase ergibt: Wer damals gegen den „Muff unter den Talaren“ protestierte und – der Natur der Sache folgend – mit Rudi Dutschkes SDS sympathisierte, stand später auch bei der Bildung von Studentenparlamenten und Fachschaftsräten an vorderster Front. Die studentische Selbstverwaltung war ein Ergebnis der Proteste und mobilisierte über Generationen hinweg immer wieder neu politisch den Achtundsechzigern Nahestehende. In deutschen Studentenparlamenten gibt es also seit jeher eine linke Mehrheit, die Andersdenkende abschreckt und über politische Seilschaften Linksextreme nachfolgender Generationen anzieht. Das sorgte für eine linke Kontinuität im politisch aktiven Studentenmilieu. Die Folge sind Filterblasendenken, politische Borniertheit und eine maximale Verfilzung, die sich bei der oft intransparenten Besetzung von Referentenstellen innerhalb des Asta manifestiert. „Hinter vielem, was sich Idealismus nennt, verbirgt sich nur der Wille zur Macht“, wusste schon der britische Philosoph Bertrand Russell.

Die linke Deutungshoheit strahlt auch auf die Gesellschaft aus: Soziologie, Philosophie und andere geisteswissenschaftliche Fakultäten sind traditionell linke Hochburgen. Viele Lehrer gehen aus ihnen hervor und prägen die Inhalte des Schulunterrichts. Dogmatische Linke wie ARD-„Monitor“-Chef Georg Restle (der früher für den Freiburger Antifa-Sender Radio Dreyeckland tätig war) nehmen dadurch, dass sie bei traditionell linken Sendeanstalten wie dem WDR eine offene Tür finden, aktiv Einfluss auf die ideologische Gesamtausrichtung unseres Landes und dürfen via „Tagesthemen“-Kommentar (Sendung vom 1. Mai 2019) sogar vor laufender Kamera ihren Privatkrieg mit der AfD austragen, was mit journalistischer Redlichkeit nun wirklich absolut gar nichts mehr zu tun hat.

Mit der pseudo­wissenschaftlichen Genderideologie hat sich zuletzt sogar grober Unfug einen festen Platz in der universitären Lehre erobert und damit das direkte Erbe der nationalsozialistischen Rassentheorie angetreten. Es ist schon erstaunlich, dass man quasi den gleichen Quatsch wie damals nur rot anzupinseln braucht, um damit 80 Jahre nach Hitler in Deutschland schon wieder Ideologie als Wissenschaft verkaufen zu können. Neomarxisten installieren, als Teil einer internationalen Linken, medial „geframte“ Begriffe wie „Homophobie“, „Populismus“ oder „Hassbotschaft“ und setzen so die öffentliche Meinung unter Druck. Die steht dann wie die Katze vor dem Mauseloch und wartet vergeblich darauf, dass endlich, eine Hakenkreuzfahne im Käsespießchenformat schwenkend, die Maus aus ihrem Loch hervorgekrochen kommt. Aber diese Maus gibt es gar nicht. Sie ist eine Erfindung linker Demagogen, die von der tatsächlichen Gefahr, der nämlich, die von ihnen selbst ausgeht, ablenken soll. Und schneller, als man gucken kann, stürzt auf einmal der Boden ein, auf dem unsere Demokratie steht – und die Ratten können sich über sie hermachen. Die Maus, die Katze und die raffzähnigen Ratten – bei Hegel und Marx hieß das schlicht: Dialektik der Geschichte.


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Dossier: Meinungsfreiheit

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