15. Oktober 2019

Macht und Gewalt Ein „Zuwenig“ an Frieden gibt es nicht für die Politik

Wenn Politiker von Frieden reden, meinen sie die Verhinderung eines Machtvakuums

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Meinen in Wirklichkeit die Verhinderung eines Machtvakuums: Politiker, die von Frieden sprechen

All die Aufrufe im unmittelbaren Nachgang einer Gewalttat, die zu Sachlichkeit aufrufen. Dazu, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, nicht zu instrumentalisieren. Die Stimmen, die Gewalt in jeder Form und von jeder Seite verurteilen und für Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer werben. Sie mögen es alle ernst meinen. Gut. Um Frieden und Stabilität bemüht. Aber sie blenden eine sich nie verändernde Realität aus: jene nämlich, dass die Macht nicht dort ist, wo die Worte sind, der gute Wille und die Vernunft, sondern am Ende immer dort, wo die Waffen sind. Dass nur bewaffnete Macht über Frieden oder Krieg entscheidet und dass unbewaffneter Friede auf Dauer nicht hält. Und dass – nicht zuletzt – zu viel Friede schlecht ist für alle Macht.

Wenn Politiker also von Frieden reden, meinen sie in Wahrheit nur die Verhinderung eines Machtvakuums. Und wenn von Stabilität die Rede ist, geht es nicht um ein Gleichgewicht, sondern einzig um den Erhalt des Ungleichgewichts zugunsten der bewaffneten Macht. Kurz: Ein „Zuviel“ an Frieden bedeutet für alle Politik stets auch ein „Zuwenig“ an Macht. In diesem Sinn ist jede Art von Gewalt oder Krise für Machtinhaber oder solche, die es werden wollen, ein Segen.

Das sind, ob man es nun wahrhaben will oder nicht, die jahrtausendealten Spielregeln der Macht. Machiavelli schrieb sinngemäß, ein Machthaber, der nicht im Krieg sei, solle wenigstens einen vorbereiten. Die Leute im mentalen Zustand des Krieges halten. Oder anders gesagt: Versprich den Leuten Gutes und Sicherheit, dann glauben sie dir nicht. Drohe ihnen aber, das Gute und die Sicherheit, die sie zu haben meinen, abzufackeln, mit Terror oder gar mit Weltuntergang, dann hast du sie im Sack.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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