20. September 2019

Studie von Laila Abdul-Rahman, Hannah Espín Grau und Tobias Singelnstein zur Polizeigewalt Munteres Diskreditieren einer Ordnungsmacht

Straftat gegen die Methoden der empirischen Sozialforschung

von Michael Klein

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Bildquelle: rkl_foto / Shutterstock.com Polizeigewalt: Hohe Dunkelziffer?

Dass „Bullenschweine“, wie sie von Linksextremisten natürlich liebevoll genannt werden, bei eben diesen und bei Fußballfans so beliebt sind, dass sie sich um deren Gesundheit so große Sorgen machen, dass Wurfgeschosse wie Steine, Molotowcocktails, Feuerwerkskörper, dass Aggression und Gewalt gegenüber Polizeibeamten zu keinem Zeitpunkt, nie, einfach nicht eingesetzt werden, ist ein schönes Märchen. Es ist ein Märchen, das derzeit unter anderem von den öffentlich-rechtlichen Sendern erzählt wird.

Nachdem ARD und ZDF einen großen Teil der deutschen Gesellschaft zu rechtspopulistischem Abschaum erklärt haben, die bisher freundschaftlichen Beziehungen zu Ländern wie den USA und Großbritannien mit ihrer Berichterstattung systematisch untergraben, nachdem sie Geschlechterverhältnisse durch ihren Genderismus zerstört haben und durch die Verbreitung des Klimawandel-Hoaxes dazu beigetragen haben, die Wissenschaft lächerlich zu machen, sind sie nun dabei, die letzte verbliebene handlungsorientierte Ordnungsmacht, naja – mit etwas gutem Willen, in Deutschland: die Polizei zu diskreditieren. Bei der ARD nimmt das die folgende Gestalt an: „10.000 Straftaten durch Polizisten in Deutschland pro Jahr“ – „Auf einen Verdachtsfall von illegaler Polizeigewalt in Deutschland kommen Forschern zufolge mindestens fünf Fälle, die nicht angezeigt werden. Das geht aus der ersten Studie zur Erforschung von Polizeigewalt hervor.“

Die Angaben entstammen dem „Zwischenbericht zum Forschungsprojekt ‚Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamten‘“ (KrivAPol), der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und von Laila Abdul-Rahman, Hannah Espín Grau und Tobias Singelnstein an der Ruhr-Universität Bochum verantwortet wird. Was man von diesen Angaben zu halten hat, dazu kommen wir gleich noch, verweilen wir noch etwas bei dem offenkundigen Versuch, Polizeibeamte zu diskreditieren, einem Versuch, den man als eine Variante von Klassenkampf verstehen kann, denn Polizeibeamte entstammen in der Regel der Arbeiterschicht, während diejenigen, die sie diskreditieren wollen, sich für Angehörige der Mittelschicht halten. Das bringt uns gleich zu der vollkommen verzerrten Stichprobe, die die drei von der Ruhr-Universität Bochum als Grundlage ihrer Ergebnisse haben: 3.375 Befragte, die sich selbst rekrutiert haben, darunter 72 Prozent männliche Befragte, 71 Prozent mit Abitur, 43 Prozent Schüler und Studenten, 67 Prozent mit einem Nettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro. Das beschreibt ein Aktivisten-Potential, eine Gruppe von Personen, die – weil sie (noch) keine Eigenleistung vorzuweisen haben –‍, versuchen, über Gruppenzuordnung eine Identität zu gewinnen. Dies spiegelt sich wider in den Situationen, die zu einem Polizeikontakt und dem, was dann von den Befragten als Polizeigewalt bezeichnet wird, geführt haben: 55 Prozent sind bei Demonstrationen mit Polizisten konfrontiert, 25 Prozent bei Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen.

Die 3.375 Befragten sind nicht nur eine Population, die sich selbst selegiert hat, bei denen also eine hohe Motivation vorhanden ist, über Gewalt von Polizeibeamten Auskunft zu geben, denn die drei Helden aus Bochum haben ausschließlich Befragte, die von sich behaupten, sie seien Opfer von Polizeigewalt geworden, sie sind auch eine Population der Engel, die Polizeigewalt scheinbar aus dem Nichts trifft.

Das hat man sich dann wohl so vorzustellen, dass ein friedliebender und artig gekleideter Student in Hamburg anlässlich des G20-Gipfels einen kleinen Spaziergang mit anderen macht, um sich ein wenig die Alster anzusehen und vielleicht einen Blick auf Donald Trump zu erheischen, und plötzlich, unerwartet und unvorhergesehen stürmt eine Horde wilder Polizeibeamter in voller Montur und mit Schild versehen auf die armen, ihres Weges gehenden Studenten, prügelt mit Schlagstöcken auf sie ein, fesselt sie und nimmt sie in Polizeigewahrsam. Das ist die Geschichte, die uns die drei aus Bochum erzählen wollen. Denn sie interessieren sich nur für diejenigen, die von sich behaupten, sie seien Opfer von Polizeigewalt geworden. Sie fragen nicht, unter welchen Umständen dies erfolgt ist. Sie fragen nicht, ob die Polizeigewaltopfer nicht vielleicht doch, bevor sie vermeintlich Opfer von Gewalt wurden, ein kleines Steinchen oder einen dieser liebevoll „Mollis“ genannten Gegenstände, kleine Flaschen mit Benzin, gefüllt und entzündet, damit die Polizeibeamten nicht frieren, auf dieselben geworfen haben.

Die Situation, in der die angebliche Polizeigewalt stattfindet, bleibt vollkommen außen vor. Es soll die Mythe von der Polizeigewalt erzählt werden, die vom Himmel gefallen ist, keinen Anlass hatte, die von fiesen, miesen Unterschichtsangehörigen der Polizei ausgeht, die arme und friedliebende Angehörige der schwätzenden Mittelschicht, wie sie sich in Medien, an Hochschulen und unter Studenten und Schülern finden, grundlos vermöbeln.

Wenn die Postmoderne eines geschafft hat, dann ist das die vollständige Zerstörung der Denkfähigkeit bei denen, die sich gerne als Intellektuelle bezeichnen. Das zeigt sich besonders an dem, was die Öffentlich-rechtlichen vornehmlich berichten; öffentlich-rechtliche Medien, deren Mitarbeiter nicht willens oder nicht in der Lage sind, eine vermeintliche Studie, die jenseits des wissenschaftlich Diskutablen ist, zu kritisieren, deren Prämisse eine Mär ist, wie die, die ich eingangs erzählt habe.

Hätte auch nur ein Redakteur den Fragebogen der drei Künstler aus Bochum betrachtet, die versuchen, Kriminologie umzuschreiben, er hätte festgestellt, dass sich eine Reihe von Fragen finden, die sich mit der Situation, in der die Gewalt stattfindet, befassen. Zwar sind diese Fragen vollkommen ungeeignet, die Situation korrekt zu beschreiben, da sie auf der Prämisse basieren, dass böse Polizeibeamte arme Opfer traktieren, aber sie geben einen Anhaltspunkt dafür, dass die angebliche Polizeigewalt, sofern es sie überhaupt gegeben hat, nicht vom Himmel gefallen ist.

„Warum wurden Sie festgenommen oder in Gewahrsam genommen? Bitte wählen Sie aus, was am ehesten zutrifft. 1: Gegen mich lag ein Haftbefehl vor. 2: Ich wurde einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit verdächtigt. 3: Die Polizei war der Meinung, von mir ginge Gefahr aus. 4: Ich war zu alkoholisiert und sollte in der Zelle ‚ausnüchtern‘. 5: Die Polizei hat keinen Grund genannt. 6: sonstiges“. So fragt man nur, wenn man alle Kontexte, die man von Demonstrationen oder Fußballspielen kennt, Feuerwerkskörper, Molotowcocktails, Steine, die auf Polizeibeamte geworfen werden, Gegenstände, die zerstört werden, Vandalismus und Läden, die geplündert werden, ignorieren will. So fragt man nur, wenn man den Kontext ignorieren will, um den Mythos schaffen zu können, dass Gewalt von Polizeibeamten ausgeht und sich dafür keinerlei Grund auf Seiten der Opfer finden lässt.

Das ist schäbige Forschung, und es ist ideologische Forschung, wie man an einer kleinen Einzelheit feststellen kann. Die Frage, ob gegen das vermeintliche Opfer von Polizeigewalt ein Strafverfahren wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch und so weiter eingeleitet wurde, ist an keiner Stelle zu finden. Sie ist aber unerlässlich, wenn man wissenschaftlich darüber forschen will, ob Polizeibeamte ungerechtfertigt und unmotiviert zu Gewalt greifen.

Wobei nicht einmal das, was in dieser „Studie“ als Gewalt gemessen wird, Gewalt darstellt. Es ist bestenfalls in der Mimimi-Generation Gewalt und auch nur dann, wenn es möglich ist, anderen mit der Bezichtigung, sie hätten Gewalt verübt, zu schaden.

All diese natürlich erschreckenden Formen polizeilicher Gewalt finden im „Off“ statt. Sie haben keinen Anlass und keine Ursache. Das ist die Geschichte, die die öffentlich-rechtlichen Diskreditierer gemeinsam mit den drei Legitimations-Angestellten der Ruhr-Universität Bochum erzählen wollen.

Aber es kommt noch besser. Es muss noch eine hohe Zahl von Polizeigewalt, eine hohe Zahl, die Erschrecken verbreitet, her, um Polizeibeamte gesellschaftlich wirkungsvoll als potentielle Gewalttäter zu diskreditieren: 10.000 Straftaten durch Polizisten in Deutschland pro Jahr. Wie immer, wenn es um Fake News geht, ist die ARD-„Tagesschau“ in der ersten Reihe.

Ich fasse einmal die Fakten der Bochum-Studie, des ärmlichsten Versuchs in Dunkelfeldforschung, den man sich vorstellen kann, zusammen. Die Befragten der Studie wurden durch Selbstrekrutierung gewonnen. Es sollten sich Befragte melden, die Opfer von Polizeigewalt wurden oder die Polizeigewalt beobachtet, miterlebt haben. Selbstrekrutierung schafft eine verzerrte Auswahl, denn es nehmen vor allem Personen teil, die ein Interesse am Befragungsgegenstand haben, und Selbstrekrutierung schafft Nachzugseffekte, das heißt Befragte aus demselben Netzwerk, zum Beispiel von der Antifa, erfahren über Mundpropaganda von der Befragung und nehmen an ihr teil.

Damit ist die Grundgesamtheit der Befragung keine repräsentative, sondern eine in hohem Maße selektive, die keinerlei Rückschluss auf die Gesamtbevölkerung zulässt. Auf Seite 17 wissen die Autoren der Bochum-Katastrophe das noch. „Das so entstandene Sample ist nicht bevölkerungsrepräsentativ“, radebrechen sie, denen offenkundig die Sprache der empirischen Sozialforschung fremd ist.

Wenn man weiß, dass die eigenen Befragten über Selbstrekrutierungsprozesse gewonnen werden, dann muss man Sicherheitsfragen einbauen, um zu verhindern, dass diejenigen, die – im vorliegenden Fall – ein Interesse daran haben, die Polizei in ein schlechtes Licht zu stellen, das Blaue vom Himmel herunterlügen und den Befragern als Wahrheit unterschieben.

Die drei aus Bochum, die die Gelder der DFG verprassen dürfen, sind entweder zu naiv, zu kenntnislos oder zu ideologisch verbrämt in der Welt der guten Demonstranten und bösen Polizeibeamten, um einen solchen Sicherheitsmechanismus überhaupt in Betracht gezogen zu haben. Sie verbreiten alles, was ihnen in Form eines ausgefüllten Fragebogens aufgetischt wird, als Wahrheit. Das reicht eigentlich schon, um diese Studie als Junk zu entsorgen.

Aber es findet sich noch ein besonderer Versuch des Hellsehens, dem wir unsere Aufmerksamkeit widmen wollen. Der Datensatz setzt sich wie gesagt aus Befragten zusammen, die sich selbst rekrutiert haben. Wie immer bei Selbstrekrutierung ist ein heftig verzerrter Datensatz dabei herausgekommen, niedrigverdienende Studenten und Schüler sind darin besonders häufig und überproportional vertreten.

Was dieser Datensatz über das Hell- beziehungsweise Dunkelfeld von Polizeigewalt aussagt, ist unbekannt. Das Hellfeld der Polizeigewalt findet sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik als Strafanzeigen gegen Polizeibeamte, die im Berichtsjahr erfasst wurden, in der Statistik der Staatsanwaltschaften als Verfahren, das entweder verfolgt oder eingestellt wurde und in der Statistik der Strafgerichte als abgeschlossenes Verfahren. Die ersten beiden Schritte sind den drei Autoren bekannt, wie sie auf Seite 78 des Zwischenberichts dokumentieren. Der letzte Schritt offensichtlich nicht.

Im Fragebogen der Bochumer sind Fragen dazu enthalten, ob ein Befragter, der Opfer von Polizeigewalt geworden sein will, Anzeige erstattet hat. 439 Befragte geben an, eine Anzeige erstattet zu haben, 2.688 geben an, das nicht getan zu haben. Ein derart schiefes Verhältnis in einer Studie, deren Befragte sich selbst rekrutiert haben, bei denen man also davon ausgehen kann, dass sie ein Interesse am Gegenstand der Befragung haben, müsste Forscher alarmieren, denn wenn 86 Prozent davon absehen, ein Unrecht, das sie behaupten, erlitten zu haben, anzuzeigen, dann kann dies eigentlich nur auf eine der folgenden Weisen erklärt werden: Das behauptete Unrecht hat es nicht gegeben. Das behauptete Unrecht ist eine Reaktion auf vom Befragten verübtes Unrecht, das bislang nicht geahndet wurde, weshalb der Befragte Angst hat, im Falle einer Anzeige eine Gegenanzeige zu erhalten. Das behauptete Unrecht wurde im Nachhinein vom Befragten als Firlefanz eingestuft und vergessen, erst durch die Befragung quasi reaktiviert. Der Befragte hat kein Vertrauen in das Rechtssystem. Welche der vier Alternativen findet sich im Text der Autoren? Kleiner Tipp, es ist keine der ersten drei.

Anstatt ihre eigenen Daten in Frage zu stellen, begehen Abdul-Rahman, Espín Grau und Singelnstein nun die nächste Straftat gegen die Methoden der empirischen Sozialforschung. Das Verhältnis von eins zu sechs, das sie aus 14 Prozent angezeigten Taten der Polizeigewalt und 86 Prozent nicht angezeigten Taten von Polizeigewalt errechnen, wird als Verhältnis von Hellfeld und Dunkelfeld bezeichnet, also als Relation der bekanntgewordenen Gewalttaten von Polizeibeamten zu den nicht bekanntgewordenen Gewalttaten von Polizeibeamten. Das ist so absurd, dass man erst einmal tief einatmen muss.

Eine Gruppe von Befragten, von denen die drei aus Bochum keine Ahnung haben, wie sie sich im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung einordnen lässt, von der sie keine Ahnung haben, welchen Teil des Hell- und Dunkelfelds mit Blick auf Polizeigewalt sie abbildet, wird zur Grundlage genommen, um das Hellfeld, das es in der Polizeilichen Kriminalstatistik und der Statistik der Staatsanwaltschaft gibt, hochzurechnen. Das ist unglaublich.

Anscheinend ist den drei Autoren ihr eigenes Vorgehen nicht geheuer, weshalb sie anstatt von einem Verhältnis von eins zu sechs von einem Verhältnis von eins zu fünf ausgehen. Warum? Niemand weiß es, aber es gibt eine Studie von Ellrich und Baier (2015), so die Autoren, die auf Grundlage von sechs bis 19 betroffenen Personen zu einer Anzeigenquote zwischen fünf Prozent und 17 Prozent gekommen sind. Wenn man Wahnsinn in Worte fassen wollte, dann würde man das wohl so tun, wie die drei Autoren aus Bochum auf Seite 82 im Kasten, der mit „Zusammenfassung“ überschrieben ist. „Die Staatsanwaltschaften erledigen jährlich mehr als 2.000 Strafverfahren gegen mehr als 4.000 Polizeibeamt*innen wegen rechtswidriger Gewaltausübung (Verdachtsfälle im Hellfeld). Im (nichtrepräsentativen) Sample der Studie zeigte sich ein Hellfeld-Dunkelfeld-Verhältnis von eins zu sechs. Hieraus lässt sich die Einschätzung ableiten, dass das gesamte Dunkelfeld im Bereich rechtswidriger Gewaltausübung durch Polizeibeamt*innen mindestens fünfmal so groß ist wie das Hellfeld, das der Statistik zu entnehmen ist.“

Aufgrund von Daten, von denen nicht bekannt ist, welchen Teil der Realität sie abbilden, schließen die drei Bochumer auf Unbekanntes, von dem wir nicht wissen, welchen Niederschlag es in der Realität findet. Wenn man Wahnsinn steigern wollte, man würde es so tun.

Die ganze Angelegenheit wird jedoch da massiv unappetitlich, wo 10.000 Straftaten von Polizeibeamten erfunden werden. Die Hochrechnung, die sich bei den meisten Mainstreammedien sowie bei ARD und ZDF findet, die Zahl 10.000, sie basiert nicht nur auf der willkürlichen Bestimmung eines Verhältnisses von Hell- zu Dunkelfeld auf der Grundlage von Daten, deren Stellenwert unbekannt ist, sie basiert auch auf arglistiger Täuschung.

„Die Staatsanwaltschaft erledigt jährlich mehr als 2.000 Strafverfahren gegen mehr als 4.000 Polizeibeamte wegen rechtswidriger Gewaltausübung“, so schreiben die drei Bochumer, und alle Mainstream-Speichler stürzen sich darauf, um die 2.000 mit fünf zu multiplizieren und die 10.000 Straf- oder Gewalttaten von Polizeibeamten zu erfinden.

Indes wussten die drei Autoren auf Seite 72 ihres Zwischenberichts noch, dass 86 Prozent der Strafverfahren, von denen ihre Befragten berichten, mit einer Einstellung durch die Staatsanwaltschaft geendet haben. Diese 86 Prozent dürften nicht weit vom realen Wert entfernt sein, wie man leicht nachprüfen kann, wenn man die Statistik der Strafgerichte zur Hand nimmt. Sie erinnern sich, das ist die Statistik, die die drei aus Bochum scheinbar nicht kennen oder nicht kennen wollen. Für das Jahr 2017 verzeichnet nämliche Statistik 622 Verfahren wegen Korruption oder Straftaten von Amtsträgern, darunter 53 Verfahren gegen Polizeibeamte. Ausgehend von den rund 2.000 Verfahren, die jährlich von Staatsanwaltschaften erledigt werden, ist das ein Anteil von 2,7 Prozent. Wollte man aus dem Junk, den die Bochumer hier als Forschung verkaufen wollen, tatsächlich etwas hochrechnen, dann, dass sie die Polizeigewalt um den Faktor 37 überschätzt haben (265 zu 9.735), das ist wahrlich eine Hochrechnung.

Das ganze Problem ergibt sich aus der Unkenntnis der Autoren darüber, dass die Feststellung einer Straftat in Deutschland durch einen Richter erfolgt. Für 53 Polizeibeamte wurde im Jahr 2018 festgestellt, dass sie eine Straftat im Amt begangen haben. Das beschreibt das Hellfeld der gewalttätigen Polizeibeamten, es sei denn, die Autoren aus Bochum wollten Staatsanwälte und Richter der Rechtsbeugung bezichtigen und behaupten, Letztere würden absichtlich Straftaten, die von Polizeibeamten begangen wurden, nicht verfolgen und nicht ahnden.

Nehmen wir einen Moment den Junk ernst, der aus Bochum über uns ausgekippt wurde, dann ergibt sich ein Dunkelfeld von zusätzlichen 212 Polizeibeamten, die wegen einer Straftat hätten verurteilt werden können, wenn die Straftat denn angezeigt worden wäre. Allerdings ist das eine rechnerische Spielerei, die in der Realität wohl keinen Widerhall findet. Das gibt natürlich keine Meldung her, die für diejenigen, die die Polizei diskreditieren wollen, interessant ist. Die machen in 10.000, nicht in 212.

Facebookseite der „Tagesschau“: „10.000 Straftaten durch Polizisten in Deutschland pro Jahr“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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