13. September 2019

Satire zur Energieversorgung Magnetkraftwerke, die Energieerzeuger der Zukunft

Neodym als saubere Endlösung

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Von der Energiemafia verhindert: Magnetmotor

Wer in einem alten Diesel durch das rheinische oder das mitteldeutsche Ökostromrevier fährt, kann die weit über 10.000 oft 100 Meter hohen Türme der in der Landschaft verteilten Windkraftanlagen ebenso wenig übersehen wie die Sonnenkraftwerke, deren blitzblank polierte Oberflächen gerade in diesen trüben Wintertagen besonders neugierig auf kostenlose Sonnenstrahlen warten. Von hier aus liefern große und kleine Energieversorger normalerweise rund um die Uhr verlässlich Strom an Industrie und Haushalte, von hier aus aber geht auch die Erderwärmung aus. Denn weil Wind und Sonne nicht immer zur Verfügung stehen, müssen alte, schmutzige Atom- und Braunkohlenkraftwerke vorgehalten werden, um Elektroautos, Fernseher und selbst Regierungsrechner und -limousinen anzutreiben.

Magnetenergie als saubere Lösung

Doch nur wenige Kilometer entfernt, im Herzen Kölns, befindet sich ebenfalls ein Kraftwerk, das genauso zuverlässig und noch viel zuverlässiger Energie liefert. Nur sitzt es recht unscheinbar in einem Hinterhof einer kleinen Seitenstraße im Stadtteil Ehrenfeld – und im Unterschied zu seinen großen Brüdern arbeitet es nach den Gesetzen der Grünen Physik: Abraumfrei, emissionslos, divers und vielfältig.

Magnete statt tonnenschwerer Betonbauten, unsichtbare Kräfte statt dicken Qualms, dieses pfiffige Konzept hat das noch blutjunge Unternehmen Future Energy zu einem der größten virtuellen Energieerzeuger Europas gemacht. Die Stromproduktion des virtuellen Kraftwerksriesen entspricht mittlerweile in etwa dem, was zwei große Atomkraftwerke produzieren würden, nachdem sie abgeschaltet wurden. Future Energy schafft das mit mehr als 100.000 Neodym-Magneten, weit über anderthalb Millionen Ferritkernen, 3.000 Magnetspeicherlagern und Tausenden Heuslerschen Hufeisenmagneten, deren Flächenverbrauch nur etwa dem des Saarlandes entspricht.

„Die großen Versorger haben den Markt für Magnetkraftwerke lange nicht ernst genommen“, sagt FE-Chef Reinhold Herger, der als Gründer der Restaurantkette Hot Bird zu Vermögen gekommen ist. Gerade die Magnetspeicheranlagen gelten dem Erfinder der „leckeren Vogel-Brutzel-Bude“ als besonders zukunftsträchtige Möglichkeit, nachhaltig erzeugte Energie im Einklang mit dem grünen Wahlprogramm zu speichern. „Wir vernetzen die Vielzahl verschiedener Energieelektronen digital, so dass sie sich einzeln steuern und regeln lassen“, erklärt Ravon Ahlmann, der Erfinder der ausrollbaren Netzspeicherfunktion, der mit der Entdeckung der sogenannten Kernspannungsschmiere die Voraussetzung für widerstandsloses Netzspeichern begründete.

Der Zauber des Magnetantriebs

In der Kölner Zentrale von Future Energy – gelegen zwischen Starbucks-Filiale und Bionade-Brauerei – wird inzwischen aber auch die alternative On-Board-Stromerzeugung für Elektroautos getestet: Beim Magnet Drive handelt es sich um ein neuartiges Speicher- und Energieerzeugungskonzept, das durch Messfehler und die Nichtbeachtung geringer, jedoch entscheidender Gegenkräfte in der Lage ist, bei entsprechender Größe genug Energie zu erzeugen, um beliebige Verbraucher zu versorgen.

Ein virtueller Elektroautoantrieb besteht dabei aus einem aufgeladenen Großmagneten, der das ihn tragende Fahrzeug über unsichtbare Magnetströme zieht. Dabei erheben Firmen wie Future Energy Echtzeit-Daten über die aktuelle Auslastung, erstellen Prognosen für die Zukunft und schalten auf dieser Basis die Magnetspulen zu oder ab, je nachdem wie hoch der Strombedarf gerade ist. Das alles passiert vollautomatisch und digitalisiert.

Das System könnte ein Problem lösen, das die Erneuerbaren einst selbst verschärften: Anders als konventionelle Kraftwerke, die ihre Produktion sehr genau steuern können, unterliegen Wind- oder Solarparks naturgemäßen Schwankungen. Die Sonne scheint nicht immer, genauso wie der Wind nicht immer weht. Magnetspeicheranlagen aber, so Herger, sind zwar nicht in der Lage, mehr Strom zu produzieren, als das Netz aufnehmen kann, sie können jedoch ohne Aufladen oder Nachtanken durch einfaches Bremselösen Transportarbeiten verrichten, Turbinen antreiben oder über Reibungswärme Wohnungen beheizen.

Magnetenergie wird so zunehmend zu einem wichtigen Kriterium für ein stabiles Stromnetz. Außerdem: In einem Magnetkraftwerk wird Strom zwar dezentral und induktiv aus erneuerbaren Quellen erzeugt, er kann aber am effektivsten zentral, zum Beispiel in einem der gigantischen Permanentmagneten, gespeichert werden.

Future Energy setzt bei der Kinetisierung der dabei gespeicherten potentiellen Energie insbesondere auf moderne Magnetmotoren nach den Plänen des schleswig-holsteinischen Maschinenbauers Friedrich Lüling, der bereits im Jahre 1954 einen voll funktionsfähigen Magnetmotor gebaut hatte. Damals scheiterte der Pionier an der Energiemafia und der Lobby der Verbrennungsmotorfans von BMW bis SPD. Doch mit der Entdeckung von Supermagneten aus „Seltenen Erden“, dem sogenannten Neodym, steht einer Umrüstung der deutschen Energieversorgung auf Magnetantrieb nichts mehr im Wege.

Neodym als Endlösung

Neodym-Magneten erlauben es, wenn gerade viel Strom aus Erneuerbaren ins Netz kommt, der in dem Moment nicht gebraucht wird, magnetisch zwischenzuspeichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Insgesamt verfügt Future Energy in Europa derzeit über fünf Magnetgroßspeicher. Ziel der Firma ist es aber, in allen 570 Millionen Haushalten Heimspeicher auf Eisen‑, Neodym- und Borbasis aufzubauen.

Mit ihrer Hilfe wären ausreichend Kapazitäten da, um Netzüberschüsse ganzjährig für Engpasssituationen zu speichern. Future Energy übernähme das Netzmanagement, das die vorhandenen 60 Gigawatt Magnetenergie jeweils dorthin mobilisiert, wo sie benötigt werden. Das könne auch per Lkw oder Zug geschehen, stellt Ravon Ahlmann klar, denn dank ihrer modularen Bauweise sind alle Magnetspeicher mobil.

Das Problem der sogenannten Redispatch-Kosten wäre damit auch gelöst: Noch 2017 mussten die großen Übertragungsnetzbetreiber die Rekordsumme von 1,4 Milliarden Euro aufwenden, um das Netz zu stabilisieren – und letztlich Stromausfälle zu vermeiden. Mit der flächendeckenden Einführung von Magnet Nets stünden Angebot und Nachfrage stets im Einklang, Betreiber des Übertragungsnetzes müssten nicht mehr eingreifen.

„Handelsblatt“: „Das Kraftwerk der Zukunft“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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