26. August 2019

Artikelreihe von Richard Adams Locke 1835 in der „New York Sun“ über angebliche Entdeckungen auf dem Mond Der Moon Hoax

Parallelen zum Klimawandel-Hoax sind vermutlich nicht ganz zufällig

von Michael Klein

Artikelbild
Bildquelle: Wikimedia Commons Konsens im Mainstream vor 184 Jahren: Mondlandschaft laut „New York Sun“ 1835

Am 25. August 1835, gestern vor 184 Jahren, erschien in der „New York Sun“ der erste von sechs Beiträgen, die mit „Great Astronomical Discoveries“ („Große Astronomische Entdeckungen“) überschrieben waren. Der Beitrag, so sein Autor, Richard Adams Locke, basiere auf einer Zusammenstellung wissenschaftlicher Beiträge, die Sir John Herschel im Beiheft zur Zeitschrift „Edinburgh Journal of Science“ veröffentlicht habe. Um dieser Aussage Gewicht zu verleihen, wurde in der ersten Veröffentlichung nicht an Fachbegriffen und astronomischem Jargon gespart.

Sir John Herschel ist natürlich keine Erfindung von Locke, sondern einer der größten Astronomen seiner Zeit, der am 13. November 1833 von England aus nach Südafrika aufgebrochen war, um dort seine Himmelsbeobachtungen vorzunehmen, eine Reise, von der er erst 1838 wieder nach England zurückkehrte.

Locke berichtet vor dem Hintergrund dieser Reise Herschels, dieser habe zum Zwecke der Himmelsbeobachtung in Südafrika ein neues, sehr starkes Teleskop entwickelt, eine revolutionäre neue Entwicklung, die auf vollkommen neuen Prinzipien basiere und es Herschel erlaube, eine 42.000-fache Vergrößerung zu erreichen. Dieses Teleskop habe Herschel, so erzählt Locke seinen Lesern, auf den Mond gerichtet, und in den nächsten fünf Folgen berichtet Locke davon, was Herschel auf dem Mond gefunden habe. Die Berichte steigern sich von zunächst Basaltgebirgen und Feldern mit roten Mohnblumen über kleine Zebras, die auf grünen Wiesen und Hügeln grasen, und Vulkanen, von deren Krater sich ein Lavastrom ergießt, bis zum Vespertilio homo, einem fledermausähnlichen Humanoiden, der aufrecht geht, fliegen kann, an Lagerfeuern sitzt und in Holzhäusern wohnt.

Die „New York Sun“ war, als die Artikelserie gestartet wurde, eine kleine Postille, ein Boulevardblatt, in dem vornehmlich von Gerichtsprozessen, Morden und Feuersbrünsten berichtet wurde. Dies änderte sich mit einem Schlag. Die „Great Astronomical Discoveries“ machten die „Sun“ zu einem Massenblatt, um das sich die Leser schlugen. Konkurrenzzeitungen begannen damit, die Geschichten der „Great Astronomical Discoveries“ nachzudrucken, ein kleines Brevier, in dem die Geschichten um ein paar weitere Informationen ergänzt wurden, wurde zum Kassenschlager, manche Zeitungen erfanden sogar eigene Korrespondenten, die direkt aus Südafrika und hautnah von den Entdeckungen berichteten, die Herschel nach wie vor auf dem Mond machen sollte.

Der Hoax war überaus erfolgreich. Asa Greene, ein zeitgenössischer Journalist, den Robert E. Bartholomew und Peter Hassall in ihrem Buch „A Colorful History of Popular Delusion“ zitieren, beschreibt die Situation im New York des Moon Hoax wie folgt: „In ganz New York wurde über die wunderbaren Entdeckungen von Sir John Herschel geredet. Es gab ein paar skeptische Zeitgenossen, aber einen Zweifel an der Echtheit der großen Mond-Entdeckungen zu äußern wurde als fast so verabscheuungswürdig angesehen, wie die Wahrheit der Heiligen Schrift in Frage zu stellen.“

Der Glaube an die Echtheit der „Great Astronomical Discoveries“, von denen die „New York Sun“ berichtete, war so fest verankert, dass der „New York Herald“, bei dem Journalisten damit begonnen hatten, den Hoax offenzulegen, sich mit der „Sun“ einen sich über Jahre erstreckenden Zeitungskrieg liefern konnte, ehe der Hoax dann offensichtlich geworden war, vornehmlich deshalb, weil Richard Adams Locke in einem Brief erklärt hatte, die Geschichte erfunden zu haben.

Die Struktur dieses sehr erfolgreichen Hoaxes ist schnell zusammengefasst: Der Hoax macht sich das Ansehen und den Glauben an die Wissenschaft zu Eigen. Um seine Wissenschaftlichkeit zu belegen, werden technische Begriffe, Jargon und viel Fachsprache benutzt, damit die Leser auch hinlänglich beeindruckt sind. Der Hoax hat eine Anbindung an die Realität, denn John Herschel war ein realer und angesehener Wissenschaftler, der indes in Südafrika weilte und von den Veröffentlichungen in der „New York Sun“ zunächst nichts mitbekommen hat. Auf Grundlage der vorgegaukelten Wissenschaftlichkeit und der vermeintlich vorhandenen Legitimität kraft Herschels Autorität werden phantastische Geschichten über Beobachtungen erzählt, die man nur mit wissenschaftlichem Spezialgerät machen kann, das in diesem Fall nur Herschel zur Verfügung steht. Über Medien wird eine große Zahl von „Gläubigen“ rekrutiert, die die Entdeckung so sehr zu ihrer eigenen Sache machen, dass jede Kritik an den phantastischen Geschichten von Einhörnern auf dem Mond (tatsächlich von Locke behauptet) als Sakrileg gewertet wird, der Kritiker sich zum Häretiker stempelt und aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgestoßen wird, der Gläubigen, die keinerlei Zweifel an der Echtheit der Entdeckungen auf dem Mond haben, die felsenfest von der Existenz des Verspertilio homo und des Mond-Bibers überzeugt sind, obwohl sie selbst keine Möglichkeit haben, ihre Überzeugung auch zu prüfen. Die Erfindung hat einen medialen „First Mover“-Vorteil, der es denjenigen, die mit Fakten gegen die Erfindung vorgehen, sehr schwer macht, denn sie müssen die wilden Behauptungen, die von einer großen Zahl Gläubiger zu ihrer Überzeugung gemacht wurden, einzeln und Stück für Stück widerlegen, und selbst wenn sie darauf hinweisen, dass das „Edinburgh Journal of Science“ lange vor dem Zeitpunkt, zu dem Herschel angeblich darin veröffentlicht haben soll, eingestellt wurde, treffen sie auf feindliche Ablehnung.

Menschen wollen glauben, damals wie heute. Damals den Moon Hoax, heute den Klimawandel-Hoax. Übertragen Sie die obigen Punkte auf die Erzählung des Klimawandels, die Al Gore in seinem Buch mit dem retuschierten Cover, man kann auch sagen: dem gefälschten Cover erzählt und verbreitet hat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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