14. August 2019

Die „Energiewende“ gefährdet die Versorgungssicherheit Die immer größere Gefahr für unser Stromnetz

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät, sich für Stromausfälle zu rüsten

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: shutterstock Nützen nichts, wenn die Flügel sich nicht drehen: Stromleitungen

Ursache und Wirkung sind schon oft verwechselt worden. Das geschieht auch nach wie vor. So war kürzlich im Wirtschaftsteil der „FAZ“ die folgende Information zu lesen: „Weil Lei­tun­gen für die En­er­gie­wen­de feh­len, steu­ern die Kos­ten für die Aufrecht­er­hal­tung ei­ner si­che­ren Strom­ver­sor­gung in die­sem Jahr auf Re­kord­wer­te zu.“ Zwar trifft es zu, dass es immer teurer wird, zu jeder Zeit die Stromversorgung sicherzustellen. Aber das liegt nicht daran, dass Stromleitungen fehlen, sondern daran, dass deutsche Politiker den Deutschen eine Stromerzeugung verpassen, die wetterabhängig ist. Von der dürren, mangelhaften Energiedichte einmal ganz abgesehen.

Strom mit Sonne und Wind ist unzuverlässig, also Zufallsstrom

Sonne und Wind sind, weil wetterabhängig, unzuverlässig. Mal scheint sie, mal weht er, mal aber auch nicht, und nachts ist die Sonne stets ganz weg. Zudem gibt es immer auch wieder ganze Tage, an denen diese Stromquellen beide gleichzeitig ausfallen („Dunkelflaute“). Folglich ist auch der mit Sonnenschein und Windkraft erzeugte Strom unzuverlässig. Er steht also nicht immer in der benötigten Menge zur Verfügung. Oder aber es gibt von ihm zu viel, wenn der Strombedarf geringer ist als das, was Sonne und Wind an Strom gerade liefern. Wind- und Sonnenscheinstrom sind also nur Zufallsstrom. Seine Erzeugung ist außerdem verteilt auf viele Zehntausende Einzelstandorte und dort konzentriert, wo viel Wind weht und viel Sonnenschein anfällt, aber nicht dort, wo zweckmäßigerweise die herkömmlichen Großkraftwerke angesiedelt sind, nämlich nahe den Hauptzentren des Strombedarfs.

Mit Zufallsstrom und Dezentralisierung gibt es keine Netzstabilität

Die Zufälligkeit und die Dezentralisierung der Erzeugung von Alternativstrom bewirken, dass sich mit ihm allein die erforderliche Netzstabilität nicht sicherstellen lässt – anders, als es mit bedarfsnahen Kohle‑, Gas‑ und Kernkraftwerken gelingt, denen das Wetter egal ist. Nur sie sind in der Lage, die Soll-Netzfrequenz von 50 Hertz stabil zu halten und die sogenannte Grundlast zu liefern, also jene Belastung des Stromnetzes, die während eines Tages nicht unterschritten wird. Kraftwerke, die beständig zu liefern vermögen, was an Strom gebraucht wird, sind grundlastfähige Kraftwerke. Wind- und Solarkraftwerke sind es nicht. Weicht die Frequenz im Stromnetz um nur 0,2 Hertz von der 50-Hertz-Sollfrequenz nach oben oder unten ab, droht Stromausfall. Noch mehr Abweichung führt zum Netzzusammenbruch und Strom-Totalausfall.

Mit immer mehr wetterwendischem Strom wird die Stromausfallgefahr noch größer

Die Unbeständigkeit von Wind- und Solarstrom, die mittels Gesetz zwangsweise und mit Vorrang ins Netz geleitet werden müssen, gefährdet die Soll-Frequenz ständig. Je mehr Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen aufgestellt werden, desto größer wird diese Gefahr und bringt uns einem totalen Stromausfall näher und näher. Denn Strom muss zum Zeitpunkt seiner Erzeugung sofort verwendet werden. Über- oder unterschreitet seine Erzeugung den jeweils gerade abgerufenen Bedarf, werden ständige Regelungseingriffe nötig, um die Soll-Frequenz zu halten. Vor der „Energiewende“ kamen im Jahr weniger als zehn solcher Eingriffe vor. Mit der Erzeugung von Zufallsstrom sind es viele Tausend im Jahr geworden. Das heißt: Wir schrammen ebenso viele Male stets an der Stromausfall-Katastrophe gerade so eben vorbei. Die Stromversorgung eines Industriestaates wie Deutschland dem Wetter, also dem Zufall anzuvertrauen, ist mehr als gewagt, es ist katastrophal. Denn Katastrophen stehen bevor.

Das Bundesamt ruft die Bürger dazu auf, sich für Stromausfälle zu rüsten

Dass diese Katastrophenlage sehr real und fatal ist, zeigt die Warnung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Dessen Präsident Christoph Unger hat in einem Gespräch mit der Tageszeitung „Die Welt“ am 6. August alle Bürger dazu aufgerufen, sich besser für Krisenfälle und vor allem für Stromausfälle zu rüsten. Der Ausfall von Strom sei die zentrale Herausforderung für Ungers Bundesamt. Die Bundesnetzagentur müsse immer häufiger eingreifen, um Netzschwankungen auszugleichen. Nach 24 Stunden ohne Strom gäbe es bereits katastrophale Verhältnisse. Die Gefahr eines Stromausfalls nehme hierzulande zu. Jeder Einzelne sollte sich auf Krisen und Katastrophen vorbereiten. Ein Vorrat an Lebensmitteln und Trinkwasser sowie Kerzen und Streichhölzern seien wichtig. Doch vor allem solle man ein batteriebetriebenes Radio besitzen, um auch ohne Strom Zugang zu Nachrichten zu haben.

Im Juni nur um Haaresbreite am Blackout vorbei

Im Juni waren wir einem flächendeckenden Stromausfall schon besonders nahe. Es gab erheblich we­ni­ger Alternativstrom als be­nö­tigt. Die Sys­tem­si­cher­heit war höchst ge­fähr­det. In Mitleidenschaft gezogen wurde das ge­sam­te eu­ro­päi­sche Strom­netz. Die „FAZ“ berichtete damals: „Mehr­fach hat das deut­sche Strom­netz in den vergange­nen zwei Wo­chen auf der Kip­pe ge­stan­den. Nur um Haa­res­brei­te soll es ge­lun­gen sein, ei­nen Black­out ab­zu­wen­den. In der nord­rhein-west­fä­li­schen Landesre­gie­rung klin­geln die Alarm­glo­cken.“ Das Blatt zitierte Wirt­schafts­mi­nis­ter An­dre­as Pink­wart (FDP): „Das war ei­ne deut­li­che War­nung, dass wir die Versorgungs­si­cher­heit ge­nau im Blick be­hal­ten müs­sen.“

NRW-Minister Pinkwart über die unsichere Stromversorgung besorgt

Weiter heißt es in dem Bericht: „Weil das Land die Haupt­last des Koh­le­aus­stiegs wird tra­gen müs­sen, wächst die Sor­ge um die si­che­re Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung für sei­ne 18 Mil­lio­nen Ein­woh­ner und die zu gro­ßen Tei­len sehr en­er­gie­in­ten­si­ve In­dus­trie an Rhein und Ruhr.“ Noch mal Pinkwart: „Wir kön­nen uns kei­ne Nach­läs­sig­kei­ten erlauben. Des­halb wol­len wir ei­nen Stress­test für die Strom­ver­sor­gung, und zwar bereits im kom­men­den Jahr, um mög­li­che Schwach­stel­len iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen.“ Pinkwart und die Seinen können sich den Stresstest sparen. Die Schwachstelle ist die Energiewende mit dem Alternativstrom. Allein diese Schwachstelle zu beseitigen genügt. Dann steht nichts mehr auf der Kippe, dann klappt die Stromversorgung wieder so zuverlässig wie vor der Energiewende.

Die Kosten für die Netz- und Systemsicherheit steigen weiter

Zurück zu dem Bericht der „FAZ“ vom 9. August, aus dem der anfänglich zitierte und kritisierte Satz stammt. Der Bericht informiert über Kostenangaben der Bundesnetzagentur. Danach haben allein die Maßnahmen zur Netz- und Systemsicherheit bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres 2019 knapp 500 Millionen Euro gekostet – Kosten, die in den (auch deshalb steigenden) Strompreisen den Verbrauchern aufgedrückt werden. Diese halbe Milliarde ist fast schon die Hälfte der 1,1 Milliarden, die im gesamten Vorjahr 2018 für diese Sicherungsmaßnahmen angefallen sind.

Entschädigungs- und Sicherungskosten auf bisherigem Rekordstand

Wesentlicher Bestandteil dieser Sicherungsmaßnahmen sind Entschädigungszahlungen an die Betreiber von Wind­kraft­anlagen, wenn diese ih­ren (mangels Nachfrage überschüssigen) Strom nicht ins Netz einspeisen dürfen, weil sonst das Netz überlastet würde. In so einer Lage ordnen die Netz­be­trei­ber an, den Windstrom vom Netz zu nehmen und die Windkraftanlagen (WKA) „abzuregeln“, also abzustellen. Dafür, dass sie den überproduzierten Strom nicht loswerden, sind die WKA-Betreiber nach der Gesetzeslage zu entschädigen. Allein dafür sind im ersten Quartal 2019 Entschädigungsansprüche von 364 Millionen Euro entstanden. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind das die bislang höchsten Entschädigungs-Quartalskosten. Hinzu kommen noch die Kosten für die Re­ser­vekraft­wer­ke und die Ein­grif­fe in die herkömmlichen Kraftwerke durch Drosseln oder Erhöhen der Stromeinspeisung, „Re­dis­patch“ genannt. Auch diese Gesamtkosten der Versorgungssicherheit sind seit Beginn der „Energiewende“ die bisher höchsten in einem Quartal gewesen.

Neue Stromleitungen für Windstrom von Nord nach Süd machen die Versorgung nicht sicher

Die Versorgungssicherheit – schon gar nicht die einstige von vor 20 Jahren – wird auch nicht dadurch hergestellt, dass man in Deutschland neue Stromleitungen („Stromautobahnen“) von Nord nach Süd baut, Hunderte von Kilometern lang. Sie sollen den überschüssigen Windkraftstrom aus dem windreichen Norddeutschland samt Nord- und Ostsee ableiten in die südlichen Hauptbedarfsgebiete (Ruhrgebiet, Rhein-Main-Gebiet, Raum München und das restliche Bayern). Aber diese Versorgung ist sofort hin, wenn sich mangels Wind auch im Norden die Flügel nicht drehen, denn Flauten kommen selbst dort immer wieder vor. Dann nützen auch die schönsten Leitungen nichts. Die Versorgungssicherheit ist dahin.

Die so glänzend gelungene Wählertäuschung – dank der Medien des Mainstreams

Trotz allem wollen die deutschen Politiker – außer denen der AfD – die Finger von der Energiewende nicht lassen, halten eisern an ihr fest, laufen wie die Lemminge mit im Strom der unbelehrbaren Kohlendioxid-Fanatiker und einfältigen Klimaschutzgläubigen. Und betreiben Wählertäuschung, die mit Hilfe der Mainstream-Medien bisher leider so glänzend gelungen ist. Zu diesen Medien gehört leider auch die „FAZ“. Sie versteht sich noch immer als Qualitätsblatt, was sie in Teilen auch noch ist. Von so einem Blatt muss man erwarten, dass es seine Leser zutreffend und nicht bloß einseitig informiert. Das aber geschieht in Sachen Klimaschutz- und Energiewendepolitik nicht. Hier ist die „FAZ“ ordnungspolitisch heruntergekommen. Denn diese Politik ist massiver Staatsinterventionismus. Das Blatt hat sich völlig auf die Seite der Interventionisten geschlagen, die es wärmstens unterstützt.

Über Folgewirkungen der Energiewende nur zu berichten, genügt nicht

Es genügt nicht, hin und wieder über „chaotische Zustände im deutschen Elektrizitätsnetz“ zu berichten („FAZ“ vom 2. Juli, Seite 16), aber sonst der Klimaschutz- und Energiewende-Propaganda im Blatt freien Lauf zu lassen. Es genügt nicht, die Folgen des Ausstiegs aus der Kohlestromerzeugung als ein „Fass ohne Boden“ auszumalen („FAZ“ vom 17. Januar, Seite 1), aber sich den Folgerungen daraus zu verweigern. Es genügt nicht, nur zu erklären, „warum der Strom in Deutschland so teuer ist“ („FAZ“ vom 6. August, Seite 16), aber es dabei zu belassen. Es genügt nicht, für die Leser „Chaostage im Stromnetz“ zu registrieren („FAZ“ vom 19. Juli, Seite 19), aber es dann der Bundesnetzagentur durchgehen zu lassen, mit schärferen Strafen gegen solche Chaostage hantieren zu wollen, die letztlich auf ein Missachten von physikalisch-technischen Tatsachen zurückgehen.

Wozu sich die „FAZ“ nicht aufrafft

Sachlich durchaus korrekt kommentiert die „FAZ“ (17. Januar, Seite 1): „Der Kohleausstieg hat Folgen für das ganze Land. Selbst die Nachbarstaaten werden das merken, weil sie sich nicht mehr auf deutsche Stromlieferungen verlassen können. Im Land selbst reichen weder das Angebot noch die Leitungen aus, um die hochfliegenden Träume von einer immer sicheren Versorgung mit Ökostrom Realität werden zu lassen. Nach dem Atom- und dem Kohleausstieg werden viele neue Gaskraftwerke gebaut werden müssen, um eine sichere Grundversorgung anzubieten, und sei es nur für wenige Hundert Stunden im Jahr. Das kostet viel Geld und wird den durch die Stilllegungen verknappten Strom teurer machen – mit allen Folgen für die Industrie und Arbeitsplätze. Milliardenbeträge werden fällig als Entschädigung für die Stromkonzerne. Dafür aufkommen werden alle Steuerzahler und Stromverbraucher. Die Kosten von jährlich 30 Milliarden Euro zur Förderung des Ökostromausbaus sind nur ein Anfang. Die finanziellen und politischen Risiken eines – noch so gut begründeten – Ausstiegs aus der Kohle bleiben groß.“ Und dabei soll es bleiben? Die „FAZ“ rafft sich in ihren begleitenden Kommentaren nicht dazu auf, eine entschiedene Gegenmeinung zu äußern und ein Ende der Klimaschutz- und Energiewendepolitik zu verlangen.

Und das soll Marktwirtschaft sein?

Zwar las man neulich, Hoffnung schöpfend (31. Juli, Seite 1, Autor: Rei­ner Bur­ger): „Die En­er­gie­wen­de braucht ei­ne markt­wirt­schaft­li­che Ge­ne­ral­re­vi­si­on.“ Dazu als Lichtblick die klare Erkenntnis: „Auf wel­chen Teil­as­pekt man auch schaut: Die Energie­wen­de ‚ma­de in Ger­ma­ny‘ ist bis­lang ein sich selbst dis­kre­di­tie­ren­des System.“ Und eines mit „systematischen Fehlanreizen“. Deshalb müsse das Mot­to für die drin­gend not­wen­di­ge Ge­ne­ral­re­vi­si­on, für die Ret­tung der En­er­gie­wen­de lau­ten: „Mehr Markt­wirt­schaft wa­gen“. Aber wie die markt­wirt­schaft­li­che Ge­ne­ral­re­vi­si­on aussehen soll, erfährt der Leser nicht, sondern nur dies: „Ein Hoff­nungs­zei­chen ist, dass sich die Bun­des­re­gie­rung end­lich ernst­haft mit ei­ner kon­se­quen­ten CO2-Bepreisung be­fasst.“ Und das soll Marktwirtschaft sein? Man ist erschüttert.

Leserbriefe mit nur Feigenblattfunktion decken den „FAZ“-Qualitätsanspruch nicht ab

Außerdem auch hier wieder der Satz (diesmal mit Berufung auf den Bundesrechnungshof): „Ver­schärft wird die La­ge durch den schlep­pen­den Aus­bau der Net­ze, der schon jetzt ein ‚zu­neh­men­des Ri­si­ko für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit‘ dar­stellt.“ Nein, das Risiko für die Versorgungssicherheit ist nicht der schleppende Netzausbau, sondern die Energiewende selbst und als Ganzes. Nur in gelegentlichen Leserbriefen lässt das Blatt die eine oder andere Gegenstimme zu Wort kommen. Es sind Feigenblätter. Leserbriefe, die nur Feigenblattfunktion haben, decken den Qualitätsanspruch nicht ab. So gewinnt man Leser nicht, so vertreibt man sie. So gräbt das Blatt mit an seinem eigenen Grab.

Interview mit BBK-Präsident Christoph Unger in der „Welt“: „‚Nach 24 Stunden ohne Strom hätten wir katastrophale Verhältnisse‘“

Klaus Peter Krause: „Wieder einmal ein Beinahe-Stromausfall“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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