09. August 2019

Deutschlandfunk macht Werbung für „zivilen Ungehorsam“ im „Klima-Camp“ Klassische Konditionierung

Da hätte al-Qaida noch etwas lernen können

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Vorbild für Gutmenschen und Journalisten-Darsteller: Pawlowscher Hund

Als Iwan Pawlow seinen Hund konditioniert hat, auf dass ihm beim Läuten der Türklingel der Speichel aus dem Mund laufe, hat er vermutlich nicht absehen können, welche Ausmaße seine klassische Konditionierung erst annehmen wird, wenn sie systematisch auf Gutmenschen oder Journalisten-Darsteller in öffentlicher Anstellung übertragen wird.

Sagt man zum Beispiel „Trump“ zu einem auf Kosten der Gebührenzahler Beschäftigten, es wirkt wie das Kommandowort für Hasso: „Fass!“. Sagt man „Boris Johnson“, dann fängt Claus Kleber wohl an zu knurren. Sagt man „Klimawandel“, dann verfallen alle Redaktionen aller öffentlich-rechtlichen Sender in Panik, gemischt mit Trauer. Die weiblichen Angehörigen fangen an zu weinen, die männlichen, die nicht feministisch genug sind, bekommen eine heilige Wut, und alles wird dann geballt in Weltuntergangsorgien auf den Konsumenten abgelassen. Sagt man „Umweltschutz“ zum Deutschlandfunk, dann tanzen die Angehörigen dieser nicht mehr ernst zu nehmenden (Sende‑) Anstalt Ringelreihen, flechten sich Blumenkränze und brabbeln wie Kleinkinder, die beim Bäcker aufsagen, was ihnen zu Hause als Einkaufsliste aufgetragen wurde.

Das nimmt dann folgende Form an: „Sich richtig für den Umweltschutz einzusetzen – das will gelernt sein. In Kingersheim im Elsass in Frankreich kriegt man jetzt beigebracht, wie man zum Beispiel gute Menschenketten und Sitzblockaden macht. Aktuell lassen sich dort rund eintausend Menschen zu Umweltschützern ausbilden. Organisiert wird das zwölftägige Klima-Camp unter anderem von Bürgerbewegungen und Umweltschutzorganisationen. Rund 300 Workshops werden angeboten. Die Organisatoren sagen, dass sie den Teilnehmenden die ‚Basics für Umweltschützer‘ beibringen wollen. Sie lernen, wie sie Aktionspläne schmieden, Crowdfunding-Kampagnen starten und wie sie mit den Medien umgehen. Einer der Höhepunkte des Camps ist laut Organisatoren ein Rollenspiel, bei dem ziviler Ungehorsam in der Gruppe simuliert wird. Dabei sollen die Teilnehmenden auch mal in die Rolle von Journalisten und Politikern schlüpfen.“ („Deutschlandfunk Nova“)

Ungenannte Bürgerbewegungen und Umweltschutzorganisationen organisieren also ein „Klima-Camp“, dessen Zweck darin besteht, zu erlernen, wie man Polizeibeamten die meiste Arbeit machen und mit Sitzblockaden so viele Unbeteiligte unter dem eigenen Aktivismus leiden lassen kann wie nur möglich. Der Deutschlandfunk wirbt aktiv für eine „Ausbildung zum Umweltschützer“, deren Gegenstand nicht etwa im Umweltschutz besteht, Müll einsammeln, Bäume pflegen, Unterwuchs entfernen, Pflanzen ziehen, geschweige denn pflanzen, nein, in der neuen deutschen Welt der „Umweltschützer“ besteht Umweltschutz darin, zu demonstrieren, sich auf die Straße zu setzen, zu marodieren, zu skandieren. Deutlicher kann man die Unernsthaftigkeit nicht mehr machen. Das „Highlight“ des „Klima-Camps“, bei dem es um alles, nur nicht um Umweltschutz geht, besteht darin, dass die Teilnehmer einmal, weil es die Veranstalter erlauben, in die Rolle von Journalisten und Politikern schlüpfen dürfen, super ey, wie bei Minecraft. Und weil das alles noch nicht reicht, wird gleich noch „ziviler Ungehorsam simuliert“, was auch immer das bedeuten mag. Ziviler Ungehorsam ist ein weit auslegbarer Begriff. Auf „Indymedia“ sind Irre der Ansicht, wenn sie Autos anzünden, dann sei dies „ziviler Ungehorsam“, und bei der ersten Generation der RAF, der Baader-Meinhof-Bande, da war man auch der Meinung, zivilen Ungehorsam zu leisten.

Macht alles nichts, der Deutschlandfunk bewirbt es. Die dort sehr klassisch Konditionierten tun alles für den Umweltschutz. Das ist, was al-Qaida und andere Terrororganisationen nicht verstanden haben. Hätten sie ihre Selbstmordattentate als Umweltschutz und Beitrag zur Rettung des Weltklimas verkauft, die Konditionierten in öffentlich-rechtlichen Sendern, sie wären die ersten gewesen, die ihnen zugejubelt hätten.

In dieses Bild passt, dass der Deutschlandfunk vollkommen unkritisch auf die Seite verlinkt, auf der man sich zum „Klima-Camp“ anmelden kann. Offenkundig ist der Beitrag eine Form des Product Placement, der unterschwelligen Werbung. Die verlinkte Seite hat keinerlei Information dazu, wer dieses Klima-Camp eigentlich anbietet, wer es durchführt, wer die Veranstaltung wo angemeldet hat, wer davon profitiert. Nichts.

Erst wenn es um Spenden geht, wird klar, wer dieses Camp veranstaltet: Alternatiba, Les Amis de la Terre, ANV-COP21. Schon einmal davon gehört? Die drei französischen Organisationen stehen hinter dem Klima-Camp, das im Deutschlandfunk beworben wird. Das wirft die Frage auf, wie es französische Aktivisten schaffen, Sendezeit im Deutschlandfunk zu erhalten. Wie wir alle wissen, ist Sendezeit ein kostbares Gut, weshalb der Deutschlandfunk über Mordfälle wie den in Stuttgart, als ein Syrer, der sich als Jordanier herausgestellt hat, auf offener Straße mit einem Katana einen Menschen ermordet hat, nicht berichten kann. Dagegen ist ein Camp, in dem Kinder und Jugendliche zu öffentlichen Ärgernissen ausgebildet werden sollen, etwas, für das beim Deutschlandfunk Platz ist. Seltsam – oder?

Deutschlandfunk Nova: „Trainieren für den Umweltschutz“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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