03. August 2019

Claus Kleber beleidigt Boris Johnson Das ZDF und der „geschwätzige Idiot“

Lügen, um anderen zu schaden, tun eigentlich nur bösartige Menschen

von Michael Klein

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Bildquelle: Mike Mozart (CC BY 2.0)/flickr Beliebtes Ale: „Blithering Idiot“

Moderator Claus Kleber behauptete am 29. Juli 2019 im „heute-journal“, der britische Premierminister Boris Johnson habe sich selbst als „durchgeknallten Idioten“ bezeichnet. Ich habe das ZDF gefragt, wo Boris Johnson diese Aussage gemacht haben soll. Das ZDF hat meine Frage wie folgt beantwortet: „Die Aussage von Boris Johnson stammt aus einem Interview mit Jeremy Clarkson in dessen Show ‚Top Gear‘ – einem Automagazin, das von dem britischen Fernsehsender BBC Two ausgestrahlt wird.“

Und jetzt geht es los. Zunächst einmal: Was hat Claus Kleber behauptet, dass Boris Johnson über sich gesagt habe? „Mister Boris Johnson“, so beginnt Kleber seine Travestie auf Journalismus, „setzte auch bei der Beschreibung seines eigenen Charakters die Maßstäbe lieber selbst“.

Kleber zitiert Boris Johnson: „Man kann nicht ausschließen, sagt er, dass in meinem Fall hinter der Fassade eines durchgeknallten Idioten tatsächlich ein durchgeknallter Idiot steckt.“

Das ist, wie ich nun zeigen werde, eine Lüge; wäre es keine Lüge, so wäre es schlechter Stil, denn wie ärmlich muss es um das Repertoire eines Journalisten bestellt sein, wenn er es nicht schafft, seinen Gegner mit Argumenten zu bezwingen, und vielmehr auf Diskreditierung zurückgreifen muss.

Was hat Boris Johnson tatsächlich im Jahre 2010 gesagt, denn bis ins Jahr 2010 muss Kleber zurückgehen, um die Aussage, die er nutzen will, um Johnson zu diskreditieren, zu finden? Allerdings klärt Kleber seine Zuschauer nicht darüber auf, von wann die Aussage Johnsons stammt, derer er sich bedient.

Jeremy Clarkson: „Die meisten Politiker sind, soweit ich das erkennen kann, weitgehend inkompetent, schaffen es aber, sich einen Anstrich der Kompetenz zu geben. Bei Ihnen scheint es andersherum zu sein.“

Boris Johnson: „Man kann nicht ausschließen, dass unter dem sorgfältig konstruierten Anstrich des geschwätzigen Idioten (blithering idiot) ein, äh, geschwätziger Idiot steckt.“

Die Sequenz ist das, was man ein Geplänkel nennt, eine Reminiszenz an eine Passage aus dem Film „Die Marx Brothers im Krieg“ („Duck Soup“), in der Rufus T. Firefly, Staatschef des fiktiven Staates Freedonia, der den Spion Chicolini angeklagt hat, Folgendes zu den Geschwornen sagt: „Chicolini mag wie ein Idiot reden und aussehen wie ein Idiot. Aber lassen sie sich davon nicht täuschen. Er ist wirklich ein Idiot.“

Wer „Top Gear“ kennt, der kennt auch die schnodderige Art und Weise, in der Jeremy Clarkson Interviews führt, die er besonders zu genießen scheint, wenn er einen würdigen Gegner hat, einen, der ihm Paroli bieten kann, wie dies Boris Johnson mit seiner Antwort tut, die keinerlei Referenz, schon gar keine Selbstreferenz hat, wie Claus Kleber dies seinen Zuschauern gegenüber behauptet. Johnson sagt darin zu keinem Zeitpunkt, was Kleber ihm in den Mund legt, dass man „in seinem Fall“ nicht ausschließen könne, „dass hinter der Fassade eines durchgeknallten Idioten tatsächlich ein durchgeknallter Idiot steckt“.

Das nennt man dann wohl eine bösartige Lüge, die dazu gedacht ist, einen Menschen in Misskredit zu bringen. Warum? Entweder, Kleber will es so, oder er wird dafür bezahlt, es so zu wollen. Viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht.

Ein „blithering idiot“ ist, wie man dem Geplänkel zwischen Clarkson und Johnson entnehmen kann, auch kein „durchgeknallter Idiot“. Es gibt ein Ale, das den Namen „Blithering Idiot“ trägt, als Anspielung auf den Zustand, in den man sich zuweilen trinken kann. Alte Frauen werden im Englischen zuweilen mit dem Zusatz „blithering old woman“ versehen, auf Deutsch würde man von einer „Klatschbase“ sprechen. Was böswillige Menschen wie Claus Kleber, also Leute, die anderen schaden wollen, nicht verstehen, das ist eine Qualität des Englischen, die es im Deutschen nicht gibt: Englisch ist kontextabhängig. „Blithering Idiot“ nimmt seine Bedeutung aus dem Kontext, in dem es gesprochen wird. Deshalb kann man die Antwort von Johnson auf die Frage von Clarkson auch als Retourkutsche in Richtung von Clarkson verstehen, der seine Fassade des unwissenden Fragestellers ja sehr sorgfältig konstruiert hat. Es ist eben ein Geplänkel, das von einem gerüttelt Maß an Sprachwitz lebt, abermals etwas, das Leute wie Claus Kleber weder verstehen noch nachvollziehen können.

Das führt indes alles zu weit, denn das, was Kleber Johnson in den Mund legt: „Man kann nicht ausschließen, dass in meinem Fall (!) hinter der Fassade eines durchgeknallten Idioten ein durchgeknallter Idiot steckt“, das hat Johnson nie gesagt. Es ist eine freie Erfindung. Eine Lüge, die einzig dazu dient, einen Menschen zu diskreditieren, ihn lächerlich zu machen.

Lügen, um anderen zu schaden, das tun eigentlich nur bösartige Menschen, Menschen mit einem miesen Charakter.

ZDF: „heute-journal“ vom 29.07.2019

Interview mit Boris Johnson in „Top Gear“ (Englisch)

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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