31. Juli 2019

Tat in Frankfurt und Diskussion um die Herkunft des Täters Mord ist (auch) ein kulturelles Produkt

Armut kann bestenfalls ein Teil der Erklärung sein

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Der kulturelle Hintergrund ist relevant: Bereitschaft zum Mord

Ein Achtjähriger und seine Mutter wurden vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Junge wurde vom Zug erfasst und verstarb vor Ort, seine Mutter konnte sich retten. Die Herkunft des Täters wurde in deutschen Mainstream-Medien verschwiegen. So schreibt die „Welt“ von einem 40-jährigen Mann und findet die Vermutung, dass er vielleicht Kokain konsumiert hat, wichtiger als den Hinweis auf seine Herkunft. Auch die Polizei Frankfurt spricht in ihrer Pressemeldung von einem 40-Jährigen, bestätigt aber auf Nachfrage per Twitter, dass es sich um einen Eritreer handelt. Wie gewöhnlich in solchen Fällen, ist zwischenzeitlich ein verbaler Krieg darüber ausgebrochen, ob die Herkunft eines Täters als Bestandteil von Meldungen relevant ist. Eine typisch deutsche Diskussion, denn natürlich ist sie relevant.

Sie ist deshalb relevant, weil sich mit der Herkunft, mit dem, was Sozialpsychologen gemeinhin als „formative Phase“ bezeichnen, ein Möglichkeitsraum verbindet, in dem Mord als Handlungsoption entweder vorkommt oder eben nicht.

Die an Naivität wirklich nicht mehr zu überbietende Annahme, die Flüchtlinge, die in großer Zahl nach Deutschland kommen, die aus dem Mittelmeer gefischt werden und bei denen es sich schon lange nicht mehr um Syrer, sondern vornehmlich um Afrikaner handelt, teilten dasselbe Wertesystem wie ihre freudigen Gastgeber, hätten intime Kenntnisse desselben Rechtssystems und darüber hinaus eine innige Liebe zur Rechtstreue und zu friedlichem Verhalten, ist so naiv, wie sie dumm ist.

Schon in den 1930er Jahren haben sich Kriminologen, wie gewöhnlich Kriminologen in den USA, mit der Frage befasst, warum es offenkundig eine viel höhere Mordrate unter schwarzen US-Amerikanern als unter weißen US-Amerikanern gab. Einer der Kriminologen, die in diesem Zusammenhang eine Erklärung geliefert haben, war Edwin H. Sutherland. Die Erklärung ist als „Theorie der differentiellen Kontakte“ bekannt. Sie besagt im Wesentlichen, dass die Akzeptanz delinquenten Verhaltens, die Akzeptanz von Diebstahl, Raub, Körperverletzung, auch Mord, eine Frage subkultureller Angebote und vor allem subkultureller Handlungsdefinitionen ist. Wer in einem Umfeld aufwächst, in dem Diebstahl, Körperverletzung oder Mord ganz normale Handlungsalternativen sind, aus denen ein Akteur diejenige auswählt, die ihm für seine Zwecke den meisten Nutzen zu bringen verspricht, der wird die entsprechenden Handlungsalternativen auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wählen als ein anderer Akteur, in dessen Umfeld Gesetzestreue, friedlicher Umgang miteinander und Schutz von Eigentum hochgehalten wurden.

Afrikanische Flüchtlinge kommen in großer Zahl aus gewalttätigen Umgebungen, sie sind in gewalttätigen Umfeldern aufgewachsen, in Subkulturen, in denen Kriminalität normal ist. Sie bringen diese Normalität von Kriminalität mit nach Deutschland und wenden sie hier an. Warum auch nicht? Niemand hat ihre Aufnahme an die Bedingung geknüpft, dass ihr Verhalten den gesellschaftlichen Normalitäten in Deutschland entsprechen muss. Diese Normalitäten sehen nach wie vor, auch wenn sich die Antifa große Mühe gibt, das zu ändern, den Schutz von Eigentum, die Delegitimation von Gewaltanwendung und die Ächtung von Mord vor. Ob dies bei Flüchtlingen auch so ist, das weiß niemand, und niemand hat sich bislang bemüht, festzustellen, ob es so ist. Die gerade unter Flüchtlingsbegeisterten herrschende Naivität, die denkt, jeder, der nach Deutschland kommt, könne in seiner Reinheit, Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit nur einen Idealtypus darstellen, ist einerseits atemberaubend, andererseits ein Spiel mit dem Leben anderer, wie sich gerade wieder gezeigt hat, beim nach Voerde zweiten Vorfall dieser Art in Frankfurt.

Dass auch die unter Linken so beliebte Erklärung, Mordraten hingen mit Armut zusammen, nicht zutrifft, zeigt die Verteilung der Mordraten weltweit. Hohe Mordraten finden sich vor allem in Mittel- und Südamerika, im Süden Afrikas sowie entlang der Küste zum Indischen Ozean und in Russland oder auf Papua-Neuguinea. Diese regionale Verteilung der Mordraten zeigt, dass Armut bestenfalls ein Teil der Erklärung für Mord sein kann, was sich eigentlich dem gesunden Menschenverstand aufdrängt, denn die Geschichte und die Lebenserfahrung vieler sind voller Menschen, die sich aus Armut nach oben gearbeitet und nicht nach oben gemordet haben.

Wichtiger ist das kulturelle Umfeld, vielleicht besser: das soziokulturelle Umfeld, das weitgehend unabhängig von wirtschaftlicher Prosperität Handlungsoptionen wie Diebstahl und Mord als legitime Mittel zur Zielerreichung propagiert. Es ist eine der fatalen Annahmen der Gutmenschen, dass Mord ein Ergebnis gesellschaftlicher Faktoren ist, dass, wer mordet, eigentlich ein Opfer gesellschaftlicher Umstände ist, dass man einen Mörder auf den Pfad der Tugend zurückbringen kann. Man kann es in den seltensten Fällen, weil der, der gemordet hat, weiß, dass er morden kann, dass Mord ein Mittel ist, um Ziele zu erreichen. Er wird es entsprechend so lange tun, wie ihm keine harten Grenzen gesetzt werden. Deshalb kann man Mördern nur mit Abschreckung begegnen, nicht mit Verständnis und absurden Annahmen vom Kindheitstrauma bis zum Hilferuf der Armen. Um potentiellen Mördern aber mit Abschreckung begegnen zu können, muss man ihren kulturellen Hintergrund kennen, muss man wissen, auf welche Form der Abschreckung sie reagieren. Deshalb ist die Frage der Herkunft so wichtig, das Verschweigen derselben so katastrophal. Umso erstaunlicher, dass diejenigen, die dem „Migrationshintergrund“ so große Bedeutung beimessen, ihn verschweigen wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Science Files“.


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