22. Juli 2019

Anti-Kohlendioxid-Aktivisten gegen Kinder, Hunde, Online-Pornos Der Klima-Kult geht aufs Ganze

Öko-Totalitarismus stellt die Machtfrage

von Christian Rogler

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Bildquelle: shutterstock Klimasünderin: Greta Thunberg mit Hund

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist was für Amateure: Wer zur In-Crowd gehören will, hasst gleich die gesamte Gattung. In diesem Sinne hat das Postergirl des deutschen Ökofaschismus, Verena Brunschweiger, für ihre eher hausbackenen Thesen über die vermeintliche Notwendigkeit eines umfassenden Verzichts auf Kinder nun auch „wissenschaftliche“ Schützenhilfe von der „renommierten“ Universität Lund aus dem fortschrittlichen Musterland Schweden bekommen.

Der „Kohlendioxid-Abdruck“, den ein Baby verursache, sei schädlicher als der von 20 BMWs, heißt es darin. Was ein Kind an Kohlendioxid ausstoße, lasse sich anderswo auch nicht einsparen. Das Hitler-Tagebuch-Magazin „Stern“ unterstreicht die Botschaft: „Der Verzicht auf ein Kind entlastet die Umwelt viel stärker als irgendeine andere Maßnahme. Oder umgekehrt: Ein Kind bedeutet die größte Umweltbelastung, die ein Mensch nur machen kann.“

Als bezahlte Propagandistin ideologischer Pseudowissenschaft macht die „Nachhaltigkeitsexpertin“ Kimberly Nicholas vom „World Resources Institute“ der schwedischen Einrichtung das, was auch promovierte Gelehrte der „Rassenkunde und Eugenik“ ab 1933 und solche des „Wissenschaftlichen Kommunismus“ nach 1945 in der Ostzone gemacht hatten: lyssenkoistische Stanglpässe für die wahnhafte Politik europäischer Totalitaristen zu liefern – die diese im Regelfall dann auch gekonnt zu verwerten wussten.

Allerdings sind sich linke und rechte Ökosozialist*innen noch nicht ganz einig darüber, wo man mit der Depopulation anfangen solle: Brunschweiger und Nicholas mahnen, das sollten die Europäer selbst. Nationalere Ökosozialist*innen, nicht selten auch solche, die sich selbst „bürgerlich“ nennen und sich im Umfeld AfD-naher oder zumindest konservativer Medien aufhalten, reagieren darauf – statt mit einem eigentlich einzig angemessenen Effenberg-Finger – mit Whataboutismus: Man solle diese Weisheiten doch bitte zuerst in Afrika oder in islamischen Ländern verbreiten.

Die absehbare Synthese am Ende würde darin bestehen, dass die rechten Sozialist*innen mit der Aussicht zufriedengestellt werden, staatliche Geburtenkontrolle werde dafür sorgen, dass es „weniger Negerkinder“ gibt (was nach außen hin mit dem technischen Begriff „Eindämmung der Bevölkerungsexplosion“ in etwas konsensfähigeren Worten umschrieben wird) – während Linke sich darüber freuen können, dass die Einheimischen weiterhin freiwillig Platz machen und die Grenzen offen halten, damit sich die Depopulation Afrikas zumindest teilweise auch hier abspielen kann. Immerhin kann so manche kinderlose, geschiedene Mittfünfzigerin, bevor sie sich aus der Geschichte verabschiedet, noch ein wenig jungen männlichen Trost für ihr nach Ende der Pistentauglichkeit ereignisarm gewordenes Leben gebrauchen.

Der totalitäre Ökowahn hat es aber nicht nur auf die Kinder abgesehen, mittlerweile stehen auch Hasso und Minka mit auf der Abschussliste. Was Mao und seine Mitstreiter im „Spatzenkrieg“ einst die Singvögel waren, ist der beste Freund des Menschen für die Genossin Katharina Schwirkus. Im Verlautbarungsblatt der unbelehrbaren SED-Betonköpfe und aller, die es hätten werden wollen, dem „Neuen Deutschland“, fordert sie: „Lasst uns die Köter abschaffen!“

Diese würden nicht nur Parks und Gehwege verschmutzen, sondern seien – wie kann‘s anders sein? – eine „unnötige Belastung für das Klima“, nicht zuletzt weil sie sich in ihrer Ernährung nicht für Tofustrudel mit Pastinaken begeistern lassen. Grund genug, zu fordern, sie sollten „endlich aus unseren Städten und aus unserem Leben verschwinden“.

Schwirkus‘ langfristiges Ziel ist ein Ende der Züchtung der Vierbeiner – auch auf dem Land. Bis dahin sollte „Fridays For Future“ eine Anhebung der Hundesteuer fordern, schließlich seien Haustierbesitzer „egoistisch“ – wie bekanntlich auch Menschen mit Kinderwunsch.

Ein Problem könnte sich in diesem Fall aber daraus ergeben, dass das Gesicht der Bewegung schlechthin, Greta Thunberg, selbst stolze Hundebesitzerin ist – sogar zweifach – und dies sogar in der Öffentlichkeit zelebriert.

Dies könnte früher oder später zu Legitimationsproblemen führen. Im schlimmsten Fall droht ihr vielleicht ein Trotzki-ähnliches Schicksal auf dem Abstellgleis. Immerhin lockte ihr letzter Auftritt in Berlin ferienbedingt weniger Gläubige an als jeder x-beliebige Aufmarsch der Metallarbeitergewerkschaft für die 35-Stunden-Woche.

Dass der Klimakommunismus Kinder, Haustiere und jede Form von Individualmobilität abschaffen will, ist bekannt und aus seiner linksideologischen Logik heraus auch leicht zu verstehen.

Was umso mehr überrascht, ist jedoch, dass mittlerweile auch Pornographie unter Rechtfertigungsdruck gerät. So hat das „Shift Project“ vorgerechnet, dass das Ansehen von Online-Pornos jährlich 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid produziere – so viel wie ganz Belgien insgesamt emittiere und mehr, als Rumänien es tut.

Ein Drittel aller Kohlendioxidemissionen insgesamt, die weltweit durch Online-Videos verursacht würden (mittels gesteigerter Atemfrequenz?!), seien der Pornographie zuzuordnen. Die Tendenz sei weiter steigend, die „Wissenschaftler“ fordern fürs Erste unter anderem, die maximale Auflösung der Machwerke zu reduzieren.

Eigenartig: Die weitestmögliche und möglichst offene Verbreitung von Pornographie, idealerweise schon im Sexualerziehungs-Zwangsunterricht der Grundschule und in „feministischer“ Form staatlich als „Kunst“ gefördert, war doch von jeher einer der Kernbereiche der „sexuellen Revolution“ und damit eines der zentralen Anliegen des „gesellschaftlichen Fortschritts“, der uns dorthin gebracht hat, wo wir jetzt sind.

Dass diese jetzt im Lichte des Klima-Kultes zum Gegenstand von Maßregelung wird, erscheint ideologisch inkonsequent. Allerdings erschließt sich der Sinn aus strategischen Erwägungen, wenn man auf die Geschichte der Sowjetunion und – in Grundzügen ähnlich – auch der Volksrepublik China seit der „Kulturrevolution“ zurückblickt.

In der Original-Sowjetunion galt noch zu Beginn die „Glas Wasser“-Doktrin, und unter Federführung von Lenin, Alexandra Kollontai und Co wurden die „sexuelle Revolution“ und die Abschaffung von Ehe und Familie als Staatsprojekt durchexerziert – wie man sie immer schon zur Unterminierung der „bürgerlichen Gesellschaft“ und von „Patriarchat“ und „Kapitalismus“ eingesetzt hatte. Das ging bis zum „Wifesharing“ oder der „Sozialisierung“ aller Frauen zwischen 16 und 25 Jahren durch Dekret der Bolschewiki nach deren Eroberung von Jekaterinburg.

Das ging für eine Weile gut, aber am Ende erwies sich Darwin nicht als der Freund, als den man ihn ursprünglich begrüßt hatte. Für das Kollektiv, den Sozialismus und die „Befreiung der Menschheit“ waren eben nur sehr wenige Stachanows bereit, über sich hinaus zu gehen – wobei der Inbegriff des „Helden der Arbeit“ später auch noch einsam und als Alkoholiker sterben sollte.

Noch gravierender war in einer Zeit, als in Europa wieder einmal Krieg in der Luft lag, die Erkenntnis, dass geschlechtskranke Soldaten nicht gut kämpfen können – und dass diejenigen, die davon ausgingen, dass ihre Frau zu Hause dem Kollektiv im Matratzendienst zur Verfügung stünde und ihre Kinder vom Staat erzogen würden, während sie ihren Kopf hinhalten müssten, nicht die erforderliche Motivation dafür mitbringen könnten.

Die bittere Erkenntnis für die Kommunisten lautete: Um die bürgerliche Gesellschaft zu stürzen, war sexuelle Freizügigkeit eine tolle Sache – um einen totalitären Ideologiestaat aufrechterhalten oder verteidigen zu können, hingegen am Ende eher hinderlich. Deshalb legte Stalin 1936 auch eine komplette Kehrtwende hin, Homosexualität und sogar die den Kommunisten sonst sakrosankte Abtreibung wurden verboten, die Kirche wurde nicht mehr verfolgt, mit den Genoss*innen, die es nicht begreifen wollten, dass nun ein anderer Wind weht, beschäftigte sich Generalstaatsanwalt Wyschinski, und mit dem „Neuen Menschen“ war erst mal Pause. Möglich, dass die Russophobie der heutigen Grünen mit dieser Form der Abkehr von den ursprünglichen Zielen der „Weltrevolution“ zusammenhängt.

Die Verzichtsprediger des Klimakults scheinen aber nun selbst an diese Erfahrungen anknüpfen zu wollen. Was ja auch strukturell hinkommt: Die Phase der Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft, die 1968 begonnen hatte, ist ja zumindest in Deutschland auch weitgehend erfolgreich abgeschlossen.

Es gibt in Form der Grünen eine neue SED, die mit Hilfe willfähriger Medien den Rest des Landes vor sich hertreibt und deren Politik durchsetzen zu helfen die Blockparteien als ihre wichtigste Aufgabe begreifen. Die größte Angst des deutschen Bürgertums besteht darin, als „rückständig“ oder „spießig“ angesehen werden zu können – und die Frage: „Was könnten die Leute von uns denken?!“ ist dort zum zentralen Lebensinhalt geworden.

Wenn die Ökototalitaristen ihre „radikale Veränderung unserer Lebensweise“, die sie beabsichtigen, uns aufzudrücken, aber wirklich durchziehen wollen, dann müssen sie irgendwann auch den dekadenten Anwandlungen ihres Zielpublikums den Kampf ansagen. Eine astrogeturfte Jugendbewegung mit Protagonisten, die den Sexappeal einer Rübenschaufel aufweisen, ist da sicher ein guter Anfang, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

Immerhin dürfte die radikale Verzichtsrhetorik auch PR-technisch hilfreich sein, wenn es darum geht, die Kirchen bei der Stange zu halten. Möglicherweise spekuliert dort der eine oder andere ja darauf, dass die Klimajugend den zuvor dominanten Hedonismus der Spaßgesellschaft so weit diskreditiert, dass auch die Kirchen wieder eine faire Chance sehen können, mit ihrer eigentlichen Botschaft wieder auf Resonanz zu stoßen – was ein Trugschluss ist. Nicht zuletzt deshalb, weil der Klima-Kult als säkulare und auf politische Macht ausgerichtete Ersatzreligion keine anderen neben sich duldet. „Wachset und vermehret euch“ und „Kinder sind das Schlimmste für die Umwelt“ gehen eben auch bei bestem Willen nicht zusammen – einer muss am Ende weichen. Und das würden unweigerlich die Kirchen sein – vor allem in ihrem derzeitigen Zustand.

Beflügelt durch die Wahlergebnisse der Grünen und die Unverblümtheit, mit der ihre Propagandisten in den Leitmedien nicht weniger als eine Ökodiktatur fordern („Tagesthemen“: „Der Mensch will gezwungen werden“), treibt der totalitäre Ökokult unterdessen seinen Einsatz noch weiter nach oben.

Da keinerlei Anhaltspunkte für eine Mäßigung oder Rückkehr zur Rationalität erkennbar sind – warum auch, „das Klima mäßigt sich auch nicht“? –‍, steuert der Wahn in bester deutscher Tradition auf den Endkampf zu.

Mit drei möglich erscheinenden Ausgängen: Machtergreifung, Massenselbstmord oder Overkill – mit der Folge, dass eine breite Volksbewegung sich ein Herz fasst und dem Treiben ein Ende setzt. Letzteres hat bislang aber nur in Ostdeutschland 1989 geklappt. Der Rest des Landes bleibt den Beweis dafür, sich bei Bedarf aus eigener Kraft aus totalitärer Umklammerung befreien zu können, bis heute schuldig.


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