05. Juli 2019

Chancen der Energieversorgung und ihre Verhinderung durch die deutsche Politik Kernkraftgegner sind Umweltsünder

Wieso ein substantielles Umdenken in der Atomfrage wichtiger denn je ist

von Maximilian Kneller

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Bildquelle: Rainer Klute (CC BY 2.0)/flickr Inhärent sicher und so gut wie emissionsneutral: Dual-Fluid-Reaktor

Wer in Deutschland substantielle Debatten anstößt und dabei in seiner Haltung von einem gewissen Korridor sich meist kaum unterscheidender Meinungen abweicht, der lebt gefährlich. Dies gilt nicht nur für Bürger, die es wagen, den Sinn von Mindestlohn, Mietpreisbremse und Merkels Massenmigration anzuzweifeln, sondern auch für jene, die sich für Abschiebungen, Auto und Atomkraft starkmachen.

Dabei sind es meist jene, die für sich selbst in Anspruch nehmen, progressiv zu sein, die die Fragen von morgen am liebsten mit den Antworten von vorgestern versehen, „Atomkraft, nein danke!“ wäre da so ein Beispiel. Die Gegner können ihre Argumente hierbei selten bis nie sachlich fundiert unterfüttern, sind dafür aber umso entschiedener darin, „Haltung“ zu zeigen, oder so.

Aus technischer und physikalischer Sicht sind Atomkraftgegner jedoch wie Sozialisten aus ökonomischer oder Flacherdler aus astronomischer Sicht: eine Gruppe Spinner, die eine Reihe gefühlter Wahrheiten zu einem Weltbild verdichtet hat. Die Mühe, sich einmal physikalisch fundiert mit dem Phänomen Atomkraft zu beschäftigen, machen sich die wenigsten Bundesbürger. Wozu auch? Die Grünen haben doch mit ihrer ganzen Weltuntergangs-PR ein nettes Meinungs-Paket für den Otto Normalverbraucher geschnürt, mit dem man garantiert nicht aneckt, weder an seine Mitmenschen, noch an Fakten.

Diesen wollen wir uns einmal zuwenden. In einem Kernkraftwerk findet die Kernspaltung in den Brennstäben statt. Der Atomkern eines Uran- oder Plutonium-Isotops zerfällt nach der Absorption eines Neutrons in zwei Spaltfragmente, also zwei kleinere Kerne. Zudem werden bei der Spaltung mehrere sogenannte „prompte Neutronen“ freigesetzt, die weitere Kernspaltungen auslösen können. Die Hitze, die hierbei erzeugt wird, nutzt man, um Wasser in Wasserdampf umzuwandeln, diesen durch eine Turbine zu leiten und mit der Hilfe eines Generators schließlich Strom zu erzeugen. Die Gefahr liegt hierbei in einer zu starken Erhitzung der Brennstäbe: Sie würde zur Entstehung von Wasserstoff führen, und Wasserstoff lässt, mit Sauerstoff in Verbindung gebracht, ein hochexplosives Gas entstehen. Wussten Sie nicht? Ist ja auch nur die Ursache für das meistdiskutierte Reaktorunglück des 21. Jahrhunderts in Fukushima.

Natürlich ist diese Form von Reaktor risikobehaftet, und Menschen, die in den 1970er Jahren dagegen auf die Straße gingen, kann man in ihrer Haltung zumindest logisch nachvollziehen: Für sie war das Risiko dieser zwar versorgungssicheren, aber eben doch gefährlichen Art der Energieerzeugung zu hoch. Doch diese Argumente sind so veraltet wie der Forschungsstand, auf den sie sich beziehen. Heute lehnt schließlich auch niemand Smartphones ab mit dem Verweis darauf, dass es in den frühen 1990ern mal Bedenken wegen der Strahlung gab. Längst ist die Forschung deutlich weiter, auch in der Kernenergie. So gibt es beispielsweise den sogenannten „Dual Fluid“-Reaktor, entwickelt in Deutschland, doch – Sie ahnen es – gebaut in Polen. Progressiv lackierten Fortschrittsfeinden sei Dank. Dieser arbeitet nicht mit Brennstäben, stattdessen wird Uransalz in einem Tank geschmolzen, der unten eine gekühlte Öffnung hat, die das Uransalz an dieser Stelle fest werden lässt. Es bildet sich ein natürlicher Korken. Sollte es nun zu dem, bei Notstromaggregaten und mehreren Sicherheitssystemen, extrem unwahrscheinlichen Fall eines Stromausfalls kommen, würde dieses feste Salz ebenfalls schmelzen. „Oh mein Gott, wie fürchterlich!“ oder „Ist das diese Kernschmelze?!“, würden einige, hysterische Ökos jetzt bereits rufen. Nein, ist sie nicht. Das nun vollständig verflüssigte Uransalz fließt durch das nun nicht mehr verkorkte Loch nämlich in ein großes Becken. In diesem kühlt es sofort aus, verfestigt sich und macht damit jeden weiteren Spaltungsprozess physikalisch unmöglich. Dies nennt der Fachmann ein „inhärent sicheres System“.

„Das klingt ja alles sehr gut“, werden Sie sagen, „aber was ist mit dem ganzen Müll, der dabei entsteht?“ Das ist an einem sehr guten System das Beste: Es gibt nicht nur keinen Müll, der Atommüll aus den alten Kraftwerken kann sogar emissionsfrei zur Energieerzeugung verwertet werden. Man reduziert also sogar noch die Halbwertszeit bei bereits entstandenem Müll. Keine der sogenannten erneuerbaren Energien kann mit dieser Technologie auch nur annähernd mithalten. Hier kommen wir aber auch bereits zum größten Problem: Die jahrzehntelange grüne Hexenjagd auf die Kernkraft hat sich in den Köpfen der Bürger derart manifestiert, dass man die so einfache Lösung der Energiefrage schlicht nicht sieht. Deutschland befindet sich hier, wie bei so vielen Themen, in der Rolle des Geisterfahrers: China, die USA, Frankreich, so ziemlich jede westliche Nation und auch Schwellenländer investieren in die sichere, umweltfreundliche Kernkraft. Nur Deutschland nimmt eine absolute Sonderrolle ein und begreift selbst nicht, warum. Energiepolitik wird in Deutschland spätestens seit 2011 völlig auf der postfaktischen Feel-Good-Schiene der Grünen gemacht.

Für den Endverbraucher ist diese Politik schon zum Armutsrisiko geworden: Überlastete Netze, umweltschädliche, ineffiziente Windräder, Versorgungsunsicherheit und viele andere Komplikationen sowie die Tatsache, dass wir Atomstrom aus Frankreich ankaufen, pflastern den Holzweg hin zum grünen Utopia. Nicht nur weil es den Bürger teuer zu stehen kommt, braucht es hier ein schnelles Umdenken, sondern auch der Umwelt zuliebe. Der wohltuendste Nebeneffekt wäre hierbei, dass auch die Klimahysteriker endlich stillschweigen müssten: Moderne Kernkraftwerke der beschriebenen Bauart wären so gut wie emissionsneutral. Die Grünen könnten sich endlich auflösen.


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