14. Juni 2019

Catrin Lorch in der „Süddeutschen Zeitung“ über den Ausschluss des Malers Axel Krause von einer Ausstellung in Leipzig Kunst vom Klassenfeind

Schwert schwingen, mit der Schere zustechen

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Wollen mit einem wie Axel Krause nicht ausstellen: Künstler

Seit der Leipziger Maler Axel Krause durch den Ausschluss von einer Ausstellung in seiner Heimatstadt bundesweite Bekanntheit über die Fanszene der Leipziger Schule hinaus erlangte, sind die besten und fingerfertigsten Schreiber der Republik aufgefordert, ihren Leserinnen und Lesern zu verdeutlichen, dass die Absage einer Ausstellung die bessere Wahl ist, wenn Gefahr droht, dass anderenfalls gemeinschaftsfeindliche Künstlerpersonen fragwürdige Bilder aufhängen. Mit Grundrechten, gar einer Einschränkung der Kunstfreiheit durch Einschüchterung und der Bedrohung der materiellen Lebensgrundlagen dagegen hat das nichts zu tun.

Schnitzlers Schmähmethoden

Das hat Catrin Lorch von der „Süddeutschen Zeitung“ jetzt noch einmal für alle klargestellt, die immer noch zweifelten, ob ein Ausstellungsverbot für einen Künstler vergleichbar ist mit einem Auftrittsverbot für einen Sänger. Natürlich nicht! Der Kunstkritikerin, die nicht weniger als Kunstgeschichte, Journalismus, Germanistik und Städtebau in Frankfurt, New York und Bonn studiert hat, gelingt der Beweis unter Nutzung aller Schmähmethoden, für die Karl-Eduard von Schnitzler, der frühere DDR-Meister im Medienkampf gegen den Klassenfeind, mehrere Patente angemeldet hatte.

Da wäre erstens der freigiebige Gebrauch von Adjektiven: Krause ist bei Lorch nie „Maler“ oder „Künstler“, sondern „der rechte Maler“, ein „Künstler, der öffentlich für die Ziele der AfD eintritt“ und ein „Maler, der rechte Thesen drischt“. Durchweg ist zudem eigentlich weniger die Rede von Krause selbst, sondern von „einem wie Krause“ (Lorch), eine einst unter Stalin erfundene Methode der Entindividualisierung, die das auserkorene Ziel der eigenen Schmähungen subtil entpersonifiziert und zu einer Ein-Mann-Gruppe umformt. „Wer sich als Kurator einen wie Axel Krause einlädt, der weiß, dass es Streit gibt“, bestimmt Catrin Lorch, als wäre Streit genau das, was es in der Kunst um jeden Preis zu vermeiden gilt. Dass sich dann Künstler – hier ohne Adjektiv – „weigern, neben ihm auszustellen, darin liegt die Freiheit der Kunst“.

Das ist doch keine Kunst

Deppen dort in Leipzig, naive Tröpfe, die nicht fähig sind, eine „Jahresausstellung“ so sauber zu organisieren, dass nicht den Falschen eine Plattform geboten wird! Lorch setzt den Namen der Ausstellung in Tüttelchen, denn von Frankfurt aus steht fest, dass das ganze Unternehmen kaum mehr künstlerischen Anspruch hat als die Foyergalerie einer hessischen Grundschule.

Dass einer wie Krause, vom Veranstalter erst ein‑, dann kurz vor der Eröffnung wieder ausgeladen, ehe dann die Ausstellung ganz abgesagt wurde, bevor sie dann doch stattfand, aber ohne Krause, vom ganzen Hickhack auch noch profitiert, fuchst Lorch unglaublich. Anders als die Künstler, die nicht neben dem Mann, der mit rechts malt, ausgestellt werden wollten, brauche der die Ausstellung nun gar nicht mehr – „er ist jetzt berühmt und kann Besuchern sein leeres Atelier zeigen“, ätzt die Kritikerin über die „guten Verkäufe“ Krauses, „erstmals in seinem 60-jährigen Leben“.

Unverdientes Glück, denn einer wie Krause ist aus professioneller Sicht ein „Mitläufer der Neuen Leipziger Schule, eines auch schon wieder in die Jahre gekommenen Stils“, der Landschaften und surreale Szenen wie den „Traum des Metzgers“ in altmeisterlichem Stil male, was so formuliert wie ein Anschlag auf den guten Geschmack klingt.

„Muss man sich jetzt die Mühe machen und auf ein belangloses Werk losgehen?“ Nur weil der Künst… einer wie Krause provoziert? Sicher nicht. „Die etwas lahmen Werke von Krause taugen eher nicht zur Debatte“, formuliert Lorch mit spitzer Feder und hinterm Rücken gekreuzten Fingern: Die Werke sind „etwas“ lahm. Und sie taugen „eher“ nicht zur Debatte.

Schwert schwingen, mit der Schere zustechen

Propagandistisch ist das dünn, denn wer sich als Kritiker einen wie Axel Krause vornimmt, der kann nicht das Schwert schwingen und dann mit der Nagelschere zustechen, wie es Catrin Lorch tut. Der muss aus dem Umstand, dass Krauses politische Äußerungen ihn im vergangenen Jahr den Vertrag mit seiner Galerie gekostet haben, fingerflink herumdrehen und schreiben, dass Krause „im vergangenen Jahr öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen“ habe, „als er von seiner Galerie ‚Kleindienst‘ gefeuert wurde, weil die sich nicht länger mit seinen politischen Ansagen identifizieren mochte“. Krause! Hat seine Galerie gezwungen! Ihm zu kündigen! Um öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen!

So einer ist einer wie Krause nämlich. Einer, der weiß, dass es Ärger gibt. Der, statt seine Teilnahme selbst und freiwillig abzusagen, einfach provokant und kaltschnäuzig teilnehmen will. Und sich dann, wenn er gefeuert wird, „in Anspielung auf die Kunstverbote des nationalsozialistischen Regimes als ‚entartet‘ stilisiert“ (Lorch). Dabei, arbeitet die Expertin der „SZ“ heraus, haben die Absagen der Kollegen, der Rauswurf Krauses aus der Ausstellung und die bundesweite Aufklärungskampagne „über den Umgang mit Rechten in der Kunst“ („SZ“) nichts mit Zensur zu tun. Die muss zwingend Vorzensur sein, ausgeübt von staatlichen Stellen, um gegen Artikel 5 Absatz 2 Grundgesetz zu verstoßen. Greift dagegen eine private Nachzensur erst nach der Veröffentlichung eines Kunstwerks in die Meinungsfreiheit ein, ist das gelebter Meinungsfreiheitsschutz.

Verbote für die Freiheit der Kunst

Eine wie Catrin Lorch würde vielleicht sagen: Freiheit der Kunst. Dass es in Leipzig zum Skandal kam, liege also weniger an den Werken oder den von einem wie Krause vertretenen politischen Inhalten, sondern an den Kuratoren, die sich erst für einen Krause entschieden, obwohl sie hätten wissen müssen, dass es in Deutschland inzwischen unmöglich ist, Künstler nebeneinander auszustellen, die unterschiedliche politische Lager vertreten. Nun haben wir den Salat, der Schaden ist da, nicht für die Kunstfreiheit, sondern für den Kampf gegen rechts: Die Rechten nutzen die Situation aus, „populistisch, zynisch, aggressiv“ (Lorch), um „ein paar verwaschene, fade Gemälde“ zu verteidigen, die von Rechts wegen längst hätten verbrannt werden müssen.

Nein, das hat sie nicht geschrieben. Aber eine Menge Ärger hätte es gespart.

„Süddeutsche Zeitung“: „Schuld sind naive Kuratoren“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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