22. Mai 2019

Relotius-Presse zum Strache-Video Um Kopf und Kragen geschrieben, nun folgen Hände und Füße

Die Erklärungen sind eine Zumutung

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: shutterstock Medien-Erklärungen zum Strache-Video: Relotius-Presse

Für mich war die bewusst aufgekochte Affäre um das derzeit „vieldiskutierte“ Strache-Video von Anfang an ziemlich durchschaubar. Vor allem deshalb, weil man immer dann, wenn etwas in den Massenmedien kräftig aufgebrezelt wird, getrost von einer politischen Agenda ausgehen kann. Das lehrt die Erfahrung.

Eigentlich wollte ich auf dieses politmediale Elend, diese Gurke von Affäre und den hochtransparenten Tumult, der darum veranstaltet wird, nicht mehr eingehen. Weil es meiner Meinung nach eigentlich keiner weiteren Worte bedarf.

Solche Arten von Einflussnahmen, Korruption und so weiter und so fort sind nun wirklich kein Einzelfall. Es gibt sie quer durch das ganze politische Spektrum, und das nicht nur in Österreich oder auch in Deutschland. Das hatte ich in einem meiner letzten Beiträge dazu bereits abgehakt. Jeder, der den Willen dazu besitzt, kann sich durch einen retrospektiven Streifzug durch die zahlreichen Affären solcher oder ähnlicher Art auch der bundesrepublikanischen Geschichte mühelos selber davon überzeugen.

Worüber ich allerdings noch ein paar Worte verlieren möchte, ist die schlicht und ergreifend dummdreiste, ja rotzfreche Art, die unglaubliche Impertinenz gewisser Schmierblätter dieser Republik – und es sind, da sollte man sich gar nicht scheuen, teilweise wirklich nur noch Revolverpostillen und Schmutzheftchen –‍, ihre Leser offensichtlich für komplett unterbelichtet zu halten und ihnen ganz ernsthaft einreden zu wollen, der Zeitpunkt der Veröffentlichung des (übrigens stark zusammengeschnittenen) Filmmaterials von insgesamt etwas über sechs Stunden sei reiner Zufall.

Womit ich natürlich den Umstand meine, dass ein Video, das bereits 2017 aufgenommen wurde, erst jetzt erschien – kurz vor einer EU-„Wahl“. Und falls irgendjemand sich fragen sollte, warum ich das Wort in Anführungszeichen gesetzt habe, so kann ich auch dazu nur wiederholen: Jeder, der willens ist, kann sich durch eigene Recherchen davon überzeugen, und zwar jenseits aller Zweifel, dass man hier kaum von einer „Wahl“ sprechen kann, da die „wählbaren“ Kandidaten des etablierten Parteiensumpfes politisch stramm auf EU-Linie liegen und nur sehr wenige bis gar keine „meinungspluralistischen“ Ambitionen zeigen, was die zunehmend totalitäre Ausrichtung der ganzen Veranstaltung betrifft – um es sarkastisch zu formulieren. Was bitte kann ich hier „wählen“? Bezüglich der „europa“-politischen Ausrichtung liegen sie alle auf einer Wellenlänge, stammen alle aus demselben „Stall“, oder, wenn man so will, derselben „Denkschule“. Was übrigens auch gar nicht verwundern kann, wenn man sich die – welch eine Ironie im Kontext des Strache-Videos – oligarchischen Hintergründe dieses „Friedensprojekts“ einmal näher anschaut sowie die „politischen Freundschaften“ und bereits in großer Zahl veröffentlichten Fotos, die gewisse „Philanthropen“ und „Investoren-Legenden“ mit eben jenen „Wählbaren“ zeigen...

Es ist einfach nicht zu fassen, was zum Beispiel der „Spiegel“ dazu publizierte. Zitat: „Der ‚Spiegel‘ hat die Enthüllungen rund um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache rasch nach Prüfung des Materials veröffentlicht, mit der Europawahl hat es nichts zu tun.“

Nein, natürlich nicht. Stupid me. Ich Chefdepp. Es hat nichts mit der EU-Wahl (und nicht „Europawahl“, auch das ist eine verbale Nebelkerze aus dem Framing-Vokabular politisch erwünschten Neusprechs) zu tun, absolut nicht, wenn die Presse dieses Landes unmittelbar nach dem ohnehin schon auffälligen Überkochen dieser Affäre Lesern und Zuschauern in gleich noch auffälligerer, obendrein eigentlich widersinniger, vergeblicher, schlicht lächerlicher Manier einzutrichtern gedenkt, ein solches Fehlverhalten gebe es nur bei „Nationalisten und Populisten“, „Rechtspopulisten“, „Rechten“ und so weiter – wie in den letzten paar Tagen geschehen. Es handele sich also um eine Art „Alleinstellungsmerkmal“ oder eine „Spezialität“ dieser „Szene“. Welch ein herzerweichend alberner, längst widerlegter Plumpaquatsch.

Vielleicht hoffen manche Irgendwas-Obszönes-mit-Medien-Macher darauf, dass ihre Konsumenten nach der Devise „Ignoranz ist Stärke“ leben? Wie dem auch sei: Darauf einen doppelten Ingsoc, gebraut aus den feinsten Ischiaskräutern Europas.


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