28. April 2019

Bericht von Human Rights Watch zur humanitären Krise in Venezuela Sozialismus tötet die Bevölkerung

Das Maduro-Regime vertuscht das Problem

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Humanitäre Krise in Venezuela: Ein krankes Land

Die sozialistischen Regime von Hugo Chávez und Nicolás Maduro haben aus einem reichen Land in atemberaubend kurzer Zeit ein bettelarmes Land gemacht. Während Linke in Europa immer noch an ihrem einstigen Hoffnungsträger festhalten und den Mythos vom Sozialismus, der seine Bevölkerung glücklich macht, aufrechterhalten wollen, hat die Realität die Bevölkerung in Venezuela seit Jahren so heftig eingeholt, dass 3,4 Millionen zwischenzeitlich das Land verlassen haben. Bei rund 32 Millionen Einwohnern ist das mehr als ein Zehntel der Bevölkerung. Die Venezolaner fliehen vor Armut, Hunger und Gewalt und vor einem Regime, das lieber die humanitäre Katastrophe, die sich derzeit in Venezuela abspielt, vor der Welt verheimlicht, als dass es etwas unternimmt, um dem Leid der eigenen Bevölkerung Abhilfe zu verschaffen – ein bekanntes Muster für sozialistische Systeme.

Unbemerkt von und unberichtet in deutschen Medien hat Human Rights Watch einen Bericht über die humanitäre Katastrophe, die sich in Venezuela abspielt, veröffentlicht. Erstellt haben den Bericht Wissenschaftler von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, indem sie mit mehr als 200 Ärzten, Angestellten im venezolanischen Gesundheitssystem und Venezolanern, die aus Venezuela geflohen sind, unter anderem um ärztliche Hilfe zu erhalten, Interviews geführt haben. Zudem haben die Wissenschaftler alle verfügbaren Quellen, denen Informationen über den Zustand des Gesundheitswesens in Venezuela entnommen werden können, zusammengetragen, eine kaum zu überschätzende Leistung, denn die Regierung Maduro tut alles, um die Zustände im eigenen Land zu verheimlichen. Seit 2007 werden keine Angaben zum Ernährungszustand der Bevölkerung und seit 2017 keine Gesundheitsstatistiken mehr publiziert. Die Venezolaner sollen unbemerkt von der Öffentlichkeit leiden und sterben, wenn es nach den Sozialisten des Regimes von Maduro geht.

Dennoch ist es den Wissenschaftlern der Johns Hopkins University gelungen, harte Daten zusammenzutragen, die ein erschreckendes Bild der Zustände in Venezuela zeichnen und den Leiter der Forschung, Dr. Paul Spiegel, von einer „major major emergency“ („schweren, schweren Notlage“) sprechen lassen, die sich aus dem unglaublich schnellen Verfall der Infrastruktur des Gesundheitswesens ergebe.

Geschätzt 3,7 Millionen Venezolaner (zehn Prozent der Bevölkerung) sind unterernährt. 80 Prozent der venezolanischen Haushalte leben in Nahrungsunsicherheit, das heißt sie wissen morgens noch nicht, wovon sie am laufenden Tag satt werden sollen. Zwei Drittel der venezolanischen Flüchtlinge, die Siegel und seine Kollegen in Kolumbien und Brasilien interviewt haben, waren unterernährt. Sie hatten im Durchschnitt elf Kilogramm im Verlauf des Jahres 2017 verloren. Die Hauptnahrung vieler Venezolaner besteht aus Yuca (eine Art weiße Kartoffel) und Sardinen. 2017 wurden zehn Prozent der Kinder bis fünf Jahre wegen akuter Unterernährung in ein Krankenhaus eingewiesen, 2018 waren es 17 Prozent. Mit der Einweisung in ein Krankenhaus ist das Leiden jedoch nicht vorbei, denn den meisten Krankenhäusern fehlt es am Notwendigsten, um selbst eine Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Zuweilen wird von Erkrankten erwartet, dass sie Nahrungsmittel, Seife, Bettwäsche, Handtücher und sonstige Utensilien bis hin zu Skalpellen, die für ihren Aufenthalt notwendig sind, mitbringen.

Die beschriebene Ernährungskrise mündet in eine Gesundheitskrise unvorstellbaren Ausmaßes. Weil Impfstoffe fehlen, sind Erkrankungen an Masern von einem Fall, der zwischen 2008 und 2015 berichtet wurde, auf 9.300 im Jahr 2017 gestiegen. Weil Impfstoffe fehlen, ist die Diphtherie, die in Venezuela ausgerottet war, zurückgekehrt. 2.500 Infektionen wurden allein 2017 gezählt. Weil Mittel zur Malariabekämpfung fehlen, ist die Anzahl der Malaria-Erkrankten von 36.000 im Jahr 2009 auf 414.000 im Jahr 2017 emporgeschnellt. Die Anzahl der Erkrankungen an Tuberkulose ist von 6.000 im Jahr 2014 auf 13.000 im Jahr 2017 gestiegen. Weil in Venezuela weder antiretrovirale Medikamente (Reverse-Transkriptase-Hemmer) noch Test-Kits für die Feststellung von HIV-Infektionen vorhanden sind, haben neun von zehn venezolanischen Aids-Kranken keinen Zugang mehr zu antiretroviraler Therapie (bei immerhin 79.467 registrierten Aids-Kranken in Venezuela ein erhebliches Ansteckungsrisiko) und Personen, die an Aids erkrankt sind, keine Chance, herauszufinden, dass sie an Aids erkrankt sind.

Die Autoren des Berichts machen das Regime von Nicolás Maduro für die sich vollziehende gesundheitliche Katastrophe in Venezuela verantwortlich: „Trotz überwältigender Hinweise darauf, dass sich Venezuela einer humanitären Krise gegenübersieht, fährt das Maduro-Regime damit fort, diese öffentlich herunterzuspielen und Informationen über sie zu unterdrücken, und hat viel zu wenig dazu beigetragen, sie zu lindern. Venezolanische Behörden haben unter Maduro die Krise verschleiert, indem sie die frühere regelmäßige Veröffentlichung offizieller Gesundheitsinformationen eingestellt haben. Sie haben jene, die Daten sammeln oder sich zur Nahrungsmittel- und Medikamentenknappheit äußern, behelligt und Vergeltungsmaßnahmen an ihnen geübt. Diese Maßnahmen, zusammen mit dem Versagen der Regierung, das volle Ausmaß des Problems anzuerkennen, haben eine umfassende Diagnose der Krise unmöglich gemacht. Solch eine Diagnose ist entscheidend für die Erzeugung einer effektiven humanitären Reaktion.“

Wie allen sozialistischen Regimen, so ist auch dem Regime von Maduro die Lage der eigenen Bevölkerung vollkommen egal. Die Not des Regimes, die Realität vor der Welt zu verschweigen, ist größer, als die Not der Bevölkerung in den Augen des Regimes je werden könnte, ganz so, als gäbe es nach außen noch etwas zu verheimlichen. Außer ein paar linken Träumern, die ihren Phantasien der sozialistischen heilen Welt nachhängen, ist jedem klar, dass der Sozialismus in Venezuela in Windeseile ein reiches Land zu einem Drittwelt-Entwicklungsland dezimiert hat und nun, nachdem das Land zerstört ist, dabei ist, auch die Bevölkerung zu dezimieren. So wie sozialistische Systeme dies seit ihrer Erfindung immer und immer wieder getan haben.

Und für alle sozialistischen Träumer, die versuchen, den Haufen aus menschlichem Elend, der einst ein Land war, zu legitimieren: Die Sanktionen der USA haben weder mit dem wirtschaftlichen noch mit dem humanitären Verfall etwas zu tun.

Human Rights Watch: „Venezuela‘s Humanitarian Emergency“ (Englisch)

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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