18. März 2019

Rückkehr von Russlanddeutschen in die alte Heimat Einmal Deutschland und zurück!

Lebensabend außerhalb des „Irrenhauses“

von Viktor Heese

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Bildquelle: Sergey Kohl / Shutterstock.com Als „Putin-Versteher“ geschmäht: Russlanddeutsche

Auch die Rückkehr von Tausenden Russlanddeutscher in die alte Heimat ist dem Mainstream peinlich. Statt die Motive der Auswanderer zu erfragen, beschimpfen die Systemadvokaten sie als „Versager“ und „Putin-Versteher“.

Merkel auch nur eine „ethnisch privilegierte Migrantin“?

Wurden die über neun Millionen Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler die längste Zeit korrekt bezeichnet, so fingen nach 1992 und später in der Merkel-Ära die Verdrehungen an. Ab 2005 wurden Aussiedler einfach in „Bundesbürger mit Migrationshintergrund“ umfirmiert. Man warf uns in einen Topf mit den „Willkommensmigranten“.

Die fleißige deutsche Bürokratie erfand dann noch die Unterscheidung in Migranten mit (erste Generation) und ohne eigene Migrationserfahrung (unsere Kinder). So funktioniert die deutsche Gründlichkeit. Welche konkrete Migrationserfahrung ich als Ostpreuße 1972 damals auf der Zugfahrt von Marienburg in den „gelobten Westen“ gemacht haben soll, bleibt mir bis heute schleierhaft.

In einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung, der den juristischen Status der verschiedenen Fälle der deutschen Volkszugehörigkeit analysiert, ist zusätzlich die Rede von „ethnisch privilegierten Migranten“. Zählt Merkel auch dazu?

Aussiedler waren keine ökonomischen Bittsteller

Über die Behandlung der Westler gegenüber den Osteinwanderern ist schon alles gesagt worden. Es ist unstrittig, dass der fehlende Besuch deutscher Schulen vielen „ethnischen Migranten“ nicht gut bekam. Dabei kommunizierten die Landsleute doch in ihrer ostpreußischen oder schlesischen Mundart und glaubten, sie sei das einzig wahre Deutsch in der ganzen Welt. Sie sollten sich gewaltig irren, auch wenn sie akzentmäßig nicht schlechter als der einstige Papst der deutschen Literatur, ein gewisser Marcel Reich-Ranicki, waren.

Am Akzent fielen sie sofort auf„Hiesige“ sahen sich befugt, sobald sie diesen vernahmen, den Zuwanderern zu erklären, wie viel der Staat – und damit meinten sie in erster Linie sich selber – für die Aufgenommenen tue. Unstrittig ist andererseits auch, dass die Zeit heute für uns arbeitet. Die vormals „Alimentierten“ haben es durch eigenen Fleiß zu vielem gebracht und stehen oft besser da als die, die sie einst belehrten.

Auf jeden Fall wagen sie es, laut auszusprechen, sie seien stolz, ein Ostpreuße oder ein Schlesier zu sein. Für den Mainstream zählt das mittlerweile zum nazistischen Vokabular, deswegen schämt sich so mancher vorsichtige Michel, offiziell ein Deutscher zu sein.

Flucht aus dem gelobten Land

Die „ethnischen Migranten“ nutzen heute auch immer häufiger die Verlinkung mit ihren Geburtsländern, um als Rentner – seltener als beruflich oder unternehmerisch noch Aktive – dem „Irrenhaus Deutschland“ Richtung Osten (Polen, Ungarn) zu entkommenWie viele Hunderttausende diese Chance in Anspruch nehmen, ist nicht bekannt.

Keine amtlichen Statistiken und kaum Fachliteratur berichten über dieses Tabu. Es wird Zeit, dass ein politisch nicht korrekter Professor darüber eine Masterarbeit schreiben lässt. Mit den Auswanderern bekommt auch die Geschichte eine neue Chance, besonders mit Russland, mit dem Deutschland tausendjährige Beziehungen – von der Hanse im 12. Jahrhundert bis zum regen deutsch-sowjetischen Handel in den späten 1980er Jahren – unterhält.

Die Fähigen gehen, die Passiven bleiben

Ein wichtiger Bestandteil dieser Beziehungen war stets der „Export des deutschen Humankapitals“ in den Osten, also eine leistungsorientierte Ansiedlung deutscher Auswanderer im riesigen Zarenreich. Die Russlanddeutschen sind die Nachkommen dieser Auswanderer, die unter den Sowjets stark gelitten und ihre nationale Identität fast verloren hatten. Wenn gegenwärtig Tausende von ihnen dennoch in ihr Geburtsland zurückkehren, so ist das einerseits ein Armutszeugnis für den Merkelismus und andererseits ein klares Signal, dass das kapitalistische Russland wieder offen und attraktiv als Einwanderungsland ist.

Bereits eine kleine Sichtung des Youtube-Filmmaterials informiert den interessierten Leser über dieses Thema. Mag die Zahl von 500.000 Fällen übertrieben sein, so besitzen doch die Rückkehrwilligen vieles, das sie für einen Neuanfang brauchen – oftmals Startkapital, Sprach- und Landeskenntnisse, Unterstützung seitens der russischen Regierung, den bezahlten Rat der neuen Einwanderungsspezialistenfreundliche Medien und nicht zuletzt das Vertrauen in die Zukunft, das ihnen in Deutschland abhandengekommen ist. Nicht nur des milden Klimas wegen soll die Krim hoch im Kurs stehen, die aufgrund der Westsanktionen für den Aufbau eine qualifizierte Migration braucht.

Die Frage, ob die Rückkehrer illoyal seien, hierzulande gebraucht würden und die AfD sie unbedingt aufhalten sollte, darf verneint werdenDas haben auch die deutschen Rentner erkannt, die in Osteuropa einen würdigen und sicheren Lebensabend verbringen wollen. Man kann ein deutscher Patriot auch außerhalb der Landesgrenzen sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf finanzer.eu.


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