14. März 2019

Politiker von SPD und Linke fordern die Enteignung von Immobilienkonzernen Wohnungsnot? Kein Problem

Wer mehr als 20 Legosteine hat, kriegt sie weggenommen

von Klaus Peter Krause

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Bildquelle: MeskPhotography / Shutterstock.com Rezept gegen die Wohnungsnot: Mit welchem Recht besitzt jemand mehr als 20 Legosteine?

Gerade lese ich: „Wegnehmen könnte zum heißesten Trend Deutschlands werden. Weil zu wenig Wohnraum vorhanden ist, greifen jetzt SPD und Linke zunehmend zum Begriff von der Enteignung.“ Zu finden ist das auf „Focus Online“. Das Thema wird „Wohnungsnot“ genannt. Seit gut sieben Jahrzehnten hat es keine Zeit gegeben, in der von „Wohnungsnot“ nicht die Rede war und „Wohnungsnot“ nicht beklagt wurde. Jetzt hat Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“ diese Wohnungsnot unter dem Thema „Menschenrecht Wohnen“ beleuchtet. Auf sie bezieht sich „Focus Online“ und fragt: „Darf man überhaupt noch besitzen, außer zum Eigenbedarf?“ Linke und SPD seien sich sehr einig: Kapitalismus in Betonform gehe gar nicht. Das Magazin verweist auch auf den „Jung-Star der SPD“ Kevin Kühnert. Der habe unlängst in einer Fernsehshow gefragt: „Mit welchem Recht hat jemand mehr als 20 Wohnungen?“ Die SPD (Bundesjustizministerin Katarina Barley) habe erkannt: „Da müssen wir was tun!“ Aber was und wie?

„Enteignen ist hart, aber fair, Herr Plasberg“

Für Lucy Redler (Die Linke) ist das klar und einfach. In Plasbergs Sendung „Hart aber fair“ vom 11. März will sie Immobilienkonzerne enteignen – für einen Euro je Wohnung. Mit diesem Erlös solle der Staat dann neue, bezahlbare Wohnungen bauen. „Enteignen ist hart, aber fair, Herr Plasberg“, ließ sie wissen.

Eigentum verpflichtet – steht doch so im Grundgesetz

Einer meiner Freunde hat diesen schönen Gedanken aufgegriffen und dessen Faden weitergesponnen: „Wird demnächst vom freiesten deutschen Staat in seiner tausendjährigen Geschichte bei allen Vorschulkindern erhoben, welche Anzahl an Bauklötzen und Legosteinen in deutschen Kinderzimmern lagern? Wer mehr als drei, aber weniger als 20 hat, muss die Hälfte abgeben. Wer mehr als 20 Legosteine sein Eigen nennt, also überversorgt ist, kriegt sie abgenommen. Schließlich gibt es jede Menge Kinder, die weniger haben. Also ist das nur gerecht. Und Eigentum verpflichtet schließlich. Steht ja auch so im Grundgesetz. Wer nur ‚etwas von seinem Überfluss‘ abgeben muss, kommt ja eigentlich noch glimpflich davon. Napoleon wird der Satz zugeschrieben, dass Religion dafür verantwortlich sei, dass die Armen die Reichen nicht einfach totschlagen würden. In Frankreich denkt man eben immer daran, welche Köpfe rollen könnten…“

Schon der Franzose Proudhon meinte, Eigentum sei Diebstahl

Ich zitiere weiter: „Sind die Roten und die Blut-Roten originelle Denker der Neuzeit, die einfach nur ‚radikal neu denken‘? Mitnichten. Der französische Sozialist Proudhon (schon wieder ein Gallier) stellte schon 1841 fest: ‚Eigentum ist Diebstahl.‘ Also alles schon mal dagewesen. Und wer ‚nur‘ (s)‍ein Eigenheim sein Eigen nennt, ist auf der sicheren Seite? Da sollte sich der Bürger nicht täuschen. Wenn die Regierung eines Tages sich ehrlich machen muss und dem Volk die Rechnung für Euro-Rettung und Griechenland-Hilfe‍(n) präsentieren wird, dürfte die ‚finanzielle Repression‘ so richtig Fahrt aufnehmen.“

Eine Gerechtigkeitslücke und wie sie die Sozis dann wohl schließen würden

„Und nach dem Abkassieren bei den durch Mini‑, Null- oder Negativzinsen ohnehin gebeutelten Sparern (Enteignung durch den Falschmünzer Draghi) wird sich ja eine ‚Gerechtigkeitslücke‘ auftun. Dann nämlich, wenn der Geldbesitzer bluten muss, während der Hausbesitzer ungeschoren bleiben würde (‚soziale Symmetrie‘, wird dann gemurmelt werden). Dann, ja dann sollte man sich von den Großeltern schildern lassen, wie das nach dem Krieg mit dem ‚Lastenausgleich‘ funktioniert hat. Da werden die ‚Kinder des Wirtschaftswunders‘ dann für sie neue Vokabeln lernen müssen. ‚Zwangshypothek‘ könnte eine davon sein.“

Meine Güte, was für eine Phantasie dieser Freund hat. Die ist doch gleich und glatt mit ihm durchgegangen. Oder etwa nicht?

Ach, fast hätte ich es vergessen. Seinem ausschweifenden Kommentar hat er einen Link noch angehängt: „Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht. Die Internationale ...“ Endlich mal der gesamte Text von diesem Teil des deutschen Liedgutes. Was bloß will er uns damit sagen?

„Focus Online“: „Linken-Politikerin will Immobilien-Firmen enteignen – und ihnen einen Euro zahlen“

„Hart aber fair“: „Menschenrecht Wohnen – in Deutschland leider unbezahlbar?“

„Völker, hört die Signale!“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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