31. Januar 2019

Interview mit Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Schluss mit Fliegen, denn „Menschen sind bereit, sich zu verändern“

Was geschieht mit denen, die nicht mitmachen wollen?

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Wollen Öko-Fanatiker verbieten: Fliegen

„Darkness Falls“ ist eine Episode der Fernsehserie „The X-Files“, in dem Öko-Terroristen eine große Rolle spielen. Diese Öko-Terroristen versuchen, mit allerhand kriminellen Einfällen Holzfäller an der Arbeit zu hindern. Ich schicke diese Bemerkung voraus, weil die Öko-Terroristen aus den „X-Files“ mit denen, die heute der Umwelt, weniger ihren Mitmenschen, Gutes tun wollen, eine gefährliche Eigenschaft teilen: Sie sind sich ihrer Sache so sicher, haben so wenig Zweifel daran, dass sie im Recht sind, dass sie daraus das Recht ableiten, anderen, die sich nach ihrer Meinung falsch verhalten oder die ihre Ansicht nicht teilen, Vorschriften zu machen, beziehungsweise bei Öko-Terroristen, diesen anderen aktiv zu schaden.

Die Öko-Krieger, die derzeit in Deutschland auf dem Kriegspfad sind, sind noch keine Öko-Terroristen, sie nutzen noch keine Gewalt, um von ihrem Öko-Heil abweichende Handlungen zu verhindern oder davon abweichende Einstellungen zu bekämpfen, aber die Grenze zwischen dem modernen Öko-Krieger und dem Öko-Terroristen wird da fließend, wo die Überzeugung, im Recht zu sein, dazu führt, kompromisslos und ohne auch nur den Hauch eines Zweifels zuzulassen, anderen Dinge verbieten zu wollen.

Andreas Knie, der den Steuerzahlern im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) als Leiter der Forschungsgruppe „Wissenschaftspolitik“ zur Last fällt, ist so einer, der genau weiß, was notwendig ist, um die Umwelt zu retten. Die Rettung der Umwelt geht seltsamerweise immer damit einher, die Lebensqualität von Menschen, die jetzt leben, zugunsten einer eingebildeten Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, die vielleicht einmal geboren werden, zu dezimieren. Öko-Krieger zeichnen sich durchweg dadurch aus, dass sie anderen etwas verbieten wollen, dass ihnen ein Verhalten anderer ein Dorn im Auge ist. Und durchweg sind die Öko-Krieger der Ansicht, im Recht zu sein.

Andreas Knie ist einer von ihnen. Er hat der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ ein Interview gegeben, das alle, die noch Hoffnung für die Sozialwissenschaften hatten, diese Hoffnung verlieren lässt: Leute wie Knie sind dafür verantwortlich, die sich anmaßen, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun haben, die sich anmaßen, besser als andere beurteilen zu können, was für diese anderen gut und richtig ist.

Das Interview von Knie ist zwischenzeitlich von der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ diffundiert und sogar bei Wetter.de angekommen. Dort heißt es: „Das Fliegen ist so grundsätzlich schädlich für das Klima, dass wir uns das nicht mehr in diesem Maß leisten können. Deutschland könne den ‚europäischen Luftraum natürlich nicht alleine regulieren‘, sagte Knie. Aber wir könnten die innerdeutschen Flüge zum Beispiel klassisch verbieten, so dass keine kommerzielle Airline solche Flüge mehr bei uns anbieten darf.“ – „Darüber hinaus setzt sich der Mobilitätsforscher für eine Deckelung der Flüge pro Person ein. ‚Wir kommen nicht umhin, uns eine Reduktion der Flugbewegungen zu verordnen‘, sagte Knie. Den Einwand, dass sich die ‚Generation Ryanair‘ kaum das Fliegen werde verbieten lassen, lässt der Mobilitätsexperte nicht gelten: ‚Das sehe ich anders. Menschen sind durchaus bereit, sich zu verändern. Menschen sehen auch, dass das mit dem Klima ein ernsthaftes Problem wird.‘“ Das, mit Verlaub, ist Faschismus, vermutlich gepaart mit Todessehnsucht und der Hoffnung auf den Platz in der Höhle der kommunistischen Urhorde.

Ich dekonstruiere einmal das Argument. Das Klima wird zum Fetisch erhoben. Wie in jeder Religion kann jede Art von Handlung dadurch eine Rechtfertigung erfahren, dass sie im Namen des Herrn, des Gottes, hier des Klimas erfolgt. Mit Verweis darauf, dass man das Klima retten wolle, lässt sich letztlich jede Schweinerei, die man derzeit Lebenden zumuten will, rechtfertigen.

Wenn der Fetisch „Klima“ institutionalisiert ist, wird all das identifiziert, das dem Klima angeblich schadet. Dahinter versteckt sich ein Pseudoargument, denn alles schadet dem Klima, jeder Mensch schadet dem Klima, weil er Stoffe freisetzt, die klimaschädlich sind. Weil die „Rettung des Klimas“ zur religiös verklärten Aufgabe erhöht worden ist, kann quasi jeder Eingriff, jede Regulierung mit dem Verweis auf die „Rettung des Klimas“ begründet werden. Das Verbot von Dieselfahrzeugen, das Verbot von Kerosin im freien Verkauf, die Einschränkung der individuellen Freiheit und die Beseitigung individueller Mobilität. Die Grünen wollen dem individuellen Autoverkehr den Garaus machen, Knie will das Fliegen verbieten. Und er will eine neue Form von Lebensmittelmarken verteilen. Jeder darf vielleicht einmal im Jahrzehnt eine Flugreise unternehmen. Weil Flugverkehr in dem Staat, der Knie vorschwebt, nicht mehr rentabel ist, müssen die Fluggesellschaften verstaatlicht werden, zum Beispiel als Interflug-Gesellschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als große Leistung gefeiert, die Rationierung abschaffen zu können. Heute wird es von angeblichen Soziologen wie Knie als große Errungenschaft verkauft, dieselben Rationierungen wieder einzuführen. Abermals finden wir an dieser Stelle die Seltsamkeit, dass die Retter des Klimas in ihrem Bemühen unisono die Entscheidungsfreiheit von derzeit lebenden Menschen einschränken, sie bevormunden wollen. Die kleinen Diktatoren, die heute überall aus dem Boden schießen, scheinen ihren Selbstwert daraus zu gewinnen, dass sie sich einbilden können, andere zu dominieren.

Eine besonders bedenkliche Wendung hat dieses Bemühen bei Andreas Knie genommen, der doch allen Ernstes behauptet, dass dann, wenn man Menschen die Wahl gibt, entweder Freiheit ausleben zu können oder sich Verboten zu fügen, die entsprechenden Menschen das Verbot wählen, denn „Menschen sind durchaus bereit, sich zu verändern. Menschen sehen auch, dass das mit dem Klima ein ernsthaftes Problem wird.“ Nur die Veränderung von Menschen ist eine Veränderung im Sinne von Knie, die mit seiner Ideologie in Einklang zu bringen ist: Abweichung von der Öko-Religion wird nicht geduldet. Wer sich nicht richtig verändert, der wird… ja, was wird derjenige, der weiterhin darauf besteht, seine Freiheit in Sachen Mobilität auszuleben? Wie gesagt, die Grenze zwischen Öko-Kriegern und Öko-Terroristen ist fließend.

So wie die Grenze zwischen Korruption und Normalität fließend zu sein scheint. Der „Mobilitätsforscher“, der Fluglinien bekämpft und am liebsten abschaffen will, war jahrelang Bereichsleiter für Intermodale Angebote und Geschäftsentwicklung der Deutschen Bahn AG (ab 2001), er ist „Head of Scientific Development der Choice AG, die sich mit digitalen Anwendungen im Car-Sharing beschäftigt. Er ist im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbands E-Mobilität. Dort wird er wie folgt beschrieben: „Seit 2001 ist Andreas Knie Bereichsleiter für Intermodale Angebote und Geschäftsentwicklung der Deutschen Bahn AG und seit 2006 in der Geschäftsführung des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel GmbH (InnoZ), Gesellschafter sind die Deutsche Bahn AG, T-Systems, das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt, Siemens AG und das WZB.“

Wissenschaftler, die Beiträge verfassen, in denen sie zum Beispiel die Wirksamkeit von Medikamenten untersuchen, müssen offenlegen, wenn sie durch Unternehmen finanziell unterstützt wurden, um eventuellen Interessenkonflikten vorzubeugen. Für Andreas Knie, den man wohl als Öko-Lobbyisten für Elektromobilität und langjährigen Angestellten der Deutschen Bahn AG, eines direkten Konkurrenten von Fluglinien, die Inlandsflüge anbieten, bezeichnen darf, gelten wohl andere Regeln, Regeln, die ich nicht mehr im Bereich von Ethik und Anstand verortet sehe. Aber wenn es darum geht, die Welt zu retten und dem eigenen Glauben zum Durchbruch zu verhelfen, dann darf man mit der Wahl der Mittel offenbar nicht zimperlich sein, und was bei mir einfach nur Verachtung hervorruft, ist für andere eben ein Mittel zum Zweck.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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