10. Januar 2019

Herrschaft des Bongo-Clans in Gabun Putschversuch in Zentralafrika gescheitert

Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder

von Volker Seitz

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Bildquelle: DigitalTeamGabon (CC BY-SA 4.0)/Wikimedia Commons Gesundheitlich und politisch angeschlagen: Gabunischer Präsident Ali Bongo Ondimba

Seit der Unabhängigkeit vor über 50 Jahren gab es in afrikanischen Staaten mehr als 100 Staatsstreiche oder Putschversuche. Im zentralafrikanischen Gabun ist im Januar 2019 ein weiterer Militärputsch fehlgeschlagen. Präsident Ali Bongo Ondimba (59) hatte am 24. Oktober letzten Jahres in Saudi-Arabien einen Schlaganfall erlitten und ist seither nicht nach Gabun zurückgekehrt. Seit Ende November 2018 wird er in einem Militärkrankenhaus in Marokko behandelt. Von dort äußerte er sich erstmals öffentlich in einer vierminütigen Ansprache zum Jahreswechsel. Angaben über seine Rückkehr machte er nicht.

Regierungssprecher Guy-Bertrand Mapangou sagte laut AFP, dass der Präsident in „einigen Wochen oder einigen Monaten“ zurückkehren wird. Der Militärputsch wurde niedergeschlagen, aber der Präsident ist nicht nur gesundheitlich, sondern auch politisch angeschlagen. Sollte sich sein Gesundheitszustand nicht bessern, ist nicht ausgeschlossen, dass andere Mitglieder des Bongo-Clans nach der Macht greifen.

Trotz einiger Fortschritte in Gabun nimmt die Armut weiter zu und betrifft ein Drittel der etwa zwei Millionen Einwohner. Trotz reicher Ölvorkommen sind Teile der Bevölkerung verarmt. Auf dem Korruptionsindex von „Transparency International“ liegt Gabun auf dem Platz 101 von 176. Die Familie Bongo regiert Gabun seit über 50 Jahren. Omar Bongo war von 1967 bis zu seinem Tod 2009 an der Macht. Er starb in Barcelona, weil staatliche Kliniken in Gabun in einem erbärmlichen Zustand sind.

Die Schmiergeldmaschine zwischen Frankreich und Gabun

Die Familie Bongo gilt als typisches Beispiel für die Françafrique-Politik, mit der Paris versuchte, nach der Unabhängigkeit der Ex-Kolonie Einfluss auf die Politik und Zugriff auf Rohstoffe zu behalten. Omar Bongo, Frankreichs bester Freund im postkolonialen Afrika und 1967 mit kräftiger Nachhilfe des Élysées an die Spitze des kleinen Staates gekommen, hat das Spiel zum gegenseitigen Vorteil sogleich begriffen. Ehemalige Kolonialbeamte übernahmen wichtige Ämter in der neuen Regierung und Verwaltung Gabuns, und Frankreich prägte weiterhin die Politik des unabhängigen Staates. Bis zu seiner Privatisierung 1994 war der Ölmulti Elf Aquitaine die Schmiergeldmaschine zwischen Frankreich und Gabun. Wirklich aufgeklärt wurde das Gestrüpp aus Geld und Politik bis heute nicht.

Französische Medien berichteten, dass die Familie Bongo mindestens 39 Immobilien in Paris und Nizza besitzt. Allerdings untersucht die französische Justiz den Erwerb von Immobilien, die aus „unrechtmäßigen Gewinnen“ („Biens mal acquis“) stammen. Hintergrund sind Klagen von mehreren Anti-Korruptions-Verbänden wie Sherpa und Transparency International. Sie prangern die Veruntreuung öffentlicher Gelder durch zahlreiche Mitglieder der Familie Bongo an.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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