07. Januar 2019

Äußerung der dänischen Journalistin Christine Cordsen Schweinefarbene Menschen

Negativer Rassismus wird immer mehr gesellschaftsfähig

von Jörg Seidel

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Bildquelle: shutterstock Schweinefarben: Europäische Menschen als rassistische Karikatur

Dieser Tage trafen wir uns mit dänischen Freunden auf eine Tasse Kaffee. Während die Frauen Strickangelegenheiten diskutierten, plauderten die Männer ein wenig über dänische Politik. Es ging um die Neujahrsansprachen der Königin und des Ministerpräsidenten. Dabei fiel der Satz – vom dänischen Gesprächspartner: „Die Dänen sind eigentlich nur Klone der Deutschen mit kleinen Abweichungen.“

Unter dieser Prämisse präsentiere ich eine Aussage, die eine führende dänische Journalistin – Christine Cordsen, sie hatte leitende Positionen bei „Politiken“, „Jyllands-Posten“ und dem Dänischen Rundfunk inne – im Zusammenhang mit einer Fernsehdiskussion über eben jene Ansprache Lars Løkke Rasmussens sagte, unwidersprochen. „Aber in Wirklichkeit hat sich Mette Frederiksen“ –das ist die junge Vorsitzende der Sozialdemokratie, die einen harten Migrationskurs fährt – „viel mehr in Richtung Dänische Volkspartei“ – mit der AfD vergleichbar – „bewegt, die eine Illusion schafft, dass man das Ganze einfach zurückrollen könnte und man die Leute wieder nach Hause schicken könne. Und dass man wieder eine Gesellschaft wie in den 50er Jahren schaffen könnte, wo es noch nicht so viele gab, die eine andere Haut als schweinefarben hatten.“

In einem Satz hatte Cordsen drei Ungeheuerlichkeiten untergebracht, die mittlerweile so tief in unser Bewusstsein eingesickert zu sein scheinen, dass sie niemandem mehr auffallen, weder dem „Talkmaster“ noch den illustren Gästen aus verschiedenen politischen Richtungen. Sie behauptet, die rechtskonservativen Parteien – unter obiger Prämisse – schüfen die Illusion, man könne zurück in die 50er Jahre. Ich kenne – außer ein paar stalinistischen oder trotzkistischen – keine einzige Partei, die sich dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben hätte, und am allerwenigsten die „Dansk Folkeparti“ oder die AfD.

Sie legt zum Zweiten fest, dass man illegale Einwanderer nicht mehr zurücksenden könne. Nicht etwa, weil die geltenden Gesetze dies erschwerten, was sie tun und weshalb man sich an ihre Überarbeitung machen muss, sondern weil man es einfach nicht kann. „Nun sind sie halt da“, in den weisen Worten unserer Sonnenkanzlerin, die alles schafft.

Und drittens bezeichnet sie sich selbst und ihresgleichen als „schweinefarben“. Ganz sicher wäre sie die Erste, die all ihre mediale Macht ausspielen würde, wenn ein Mensch von Rang auch nur „Negerkuss“ sagte.

Dies sind die kleinen Anzeichen eines immer stärker einsetzenden Selbsthasses großer Teile der westlichen Eliten und des mehr und mehr gesellschaftsfähigen negativen Rassismus. Während der traditionelle Rassismus seit Jahrhunderten – wie Steven Pinker aufzeigte – kontinuierlich abnimmt – ohne freilich beseitigt zu sein –, hat die rassistische Selbstgeißelung ebenso Konjunktur wie, bei zunehmender Verschiebung der demographischen Lage, der Rassismus Schwarzer gegen Weißer.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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