23. Dezember 2018

Verurteilung von James Fields wegen Mordes Die Hexenverbrennung von Charlottesville

Über das Wesen staatlicher Rechtsprechung

von Peter Geschel

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Bildquelle: Kim Kelley-Wagner / Shutterstock.com Schauplatz eines tragischen Todesfalls, nicht eines Mordes: Charlottesville, Virginia

Freisinnige werden oft verspottet, wenn sie ihren Mitmenschen erklären, dass der Staat lediglich ein rhetorischer Trick ist, mit dem boshafte Trickbetrüger unsittliches Verhalten zu rechtfertigen versuchen. Weitere Erläuterungen wie die, dass staatliche Rechtsprechung durch Privatrecht ersetzt werden könne und sollte, werden trotz gründlicher Beweisführung und geschichtlicher Verweise als Phantasiegebilde abgetan. Zu erwarten sind die üblichen, gefühlsgeladenen Fehlschlüsse wie: „Dann würden sich nur die Reichen Gerechtigkeit leisten können!“, es gäbe eine „Willkürherrschaft des Mobs!“, oder der klassische emotionale Kurzschluss: „Ohne Staat gilt nur das Recht des Stärkeren!“, und so weiter. Ich will an dieser Stelle keine langatmigen Beweisketten führen, sondern am Beispiel eines kürzlich verurteilten Teilnehmers der „Unite the Right“-Rally vom 12. August 2017 im amerikanischen Charlottesville das Wesen staatlicher Rechtsfindung erörtern.

Im August 2017 war James Fields ein 20-jähriger Mann, der wenige Monate zuvor aus dem Elternhaus ausgezogen war. Er war in Ohio bei seiner alleinerziehenden Mutter in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Sein Vater starb bei einem Autounfall, als James noch ein Kleinkind war. Kurz darauf wurde seine Mutter in einen Unfall verwickelt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Als James zwölf Jahre alt war, rief seine überforderte Mutter die Polizei; ansonsten sind bisher keine Auseinandersetzungen mit staatlichen Stellen bekannt. Er unterzog sich eine Zeitlang einer psychologischen Behandlung, und es ist bekannt, dass er Arzneimittel gegen ADHS und sogenannte Psychopharmaka nahm – nicht unüblich in unserer verdrehten Welt, in der jungenhaftes Verhalten schnell als krankhaft und behandlungsbedürftig eingestuft wird. Er ging seit zwei Jahren einer geregelten Arbeit nach. James ist kein sportlicher Typ: Seinen Feierabend verbrachte er gerne mit Computerspielen und sogenanntem „Shitposting“ in sozialen Netzwerken, das heißt der Verbreitung von Bildern und Wortspielen, die mit schwarzem Humor gesellschaftliche Denkverbote durchbrechen – ein, wie ich finde, nicht ungewöhnlicher Zeitvertreib. Nur arglistige Menschen finden darin Böses oder gar die Absicht, Menschen verletzen oder töten zu wollen.

Einen Tag vor der berüchtigten Kundgebung gegen den Abbau einer Statue des Südstaatengenerals Robert Edward Lee stieg James Fields in seinen Wagen, einen Dodge Charger, den er mit 18 Jahren von der Lebensversicherung seines Vaters gekauft hatte, und fuhr alleine in das etwa acht Stunden entfernte Charlottesville nach Virginia. Er galt nicht nur als Einzelgänger, spätere Auswertungen seiner Rechner durch Ermittlungsbehörden bestätigten auch, dass er keine tiefgehenden Verbindungen zu anderen Protestlern hatte und auch kein Mitglied einer der dort anwesenden Gruppen war. Er war allein und suchte Anschluss.

Gegen Anfang der Demonstration sprach James mit völkischen Bündlern von „Vanguard America“, die in weiser Voraussicht Helme und Schilde mitgebracht hatten, um sich vor zu erwartenden Angriffen der Linken zu schützen. Von ihnen erhielt James einen überzähligen Schild, mit dem er später fotografiert wurde. Der Schild wurde schnell hilfreich.

Obwohl die Kundgebung amtlich angemeldet war und die Polizei erwarten musste, dass es zu Ausschreitungen kommen würde, wurden die Lager nicht hinreichend voneinander getrennt, so dass die rote Schlägerbande rasch angriff und die angemeldete Kundgebung gewaltsam abbrechen konnte. Wer schon einmal bei einer Demonstration war, versteht sofort, dass Gewalt fast ausschließlich von links entfacht und von rechts lediglich erwidert wird. Die erbärmliche Kommunistenbrut ging wie erwartet skrupellos und menschenunwürdig vor. Sie warf beispielsweise mit Kot und sogar Brandsätzen. Auf Bildern, die zwischen elf und zwölf Uhr Ortszeit gemacht wurden, ist zu sehen, wie James verängstigt mit seinem geborgten Schild und in seinem mit Urin bespritzten Poloshirt Seite an Seite mit ihm fremden Mitstreitern stand. Andere Protestler wurden durch Pfeffersprays, Eisenstangen und allerlei Wurfgeschosse verletzt. Ein linker Attentäter setzte sogar einen selbstgebauten Flammenwerfer ein – natürlich ohne großes rechtliches Nachspiel, wie von einem „demokratischen Rechtsstaat“ auch nicht anders zu erwarten war.

Gegen 12:30 Uhr entschied sich die kleine Gruppe, der sich James angeschlossen hatte, aufzugeben und nach Hause zu fahren. Da sein Wagen der nächstgelegene war, bot er drei seiner Mitstreiter an, sie zu ihrem Parkhaus in der Innenstadt zu fahren. Um circa 13:10 Uhr setzte er sie an ihrem Parkhaus ab. In einem späteren Polizeiverhör sagten sie aus, dass James zu diesem Zeitpunkt nur aus der Stadt raus wollte und nicht beabsichtigte, andere Menschen zu verletzen. James Arbeitgeber bestätigte, dass er am Montag zur Frühschicht eingeteilt war. Hört sich das nach jemandem an, der die Absicht hat, einen Terroranschlag zu begehen? Nimmt ein irrer Mörder drei Unbekannte in seinem Wagen mit, schließt neue Freundschaften und verabschiedet sich freundlich, nur um dann im nächsten Moment einen Massenmord zu begehen?

Charlottesville ist eine typische kleine Universitätsstadt an der Ostküste mit – für amerikanische Verhältnisse – recht engen Straßen. Nach offiziellem Abbruch der Kundgebung verteilten sich die linken Schläger in der Innenstadt. Es bildeten sich Gruppen, die Jagd auf Protestler machten, um sie zu verletzen und somit, in ihrer wirren Gedankenwelt, das Land vor dem „Faschismus“ zu retten. Dies wurde zur Genüge auf Youtube festgehalten. Um ungefähr 13:15 Uhr fuhr James vom Parkhaus aus los. Aufgrund einer Straßensperrung fuhr er in eine Einbahnstraße, in der sich ein großer linker Mob versammelt hatte. Es geschah das, was in der internationalen Lückenpresse sinngemäß als „Anlauf nehmen“ beschrieben wurde: James wurde bewusst, dass die Schläger seinen Wagen angreifen könnten, und er machte den folgenschweren Fehler, den Rückwärtsgang einzulegen und über 50 Meter rückwärts zu fahren. Was die linke Lückenpresse nicht erwähnt, ist, dass er seinen Dodge für etwa 70 Sekunden lang zum Stehen brachte. Gerichtsgutachter bestätigten, dass er in dieser Zeit auf seinem Mobiltelefon eine andere Route suchte.

Nach dieser Zeitspanne fuhr er langsam auf die Kommunistenmenge zu. Den vielfältigen Videos und schlüssigen Berechnungen der Webseite „4chan“ zufolge fuhr James ab dann bis zum tödlichen Vorfall nie mehr als 30 Stundenkilometer, so dass mir die offizielle Theorie vom Anlaufnehmen widerlegt scheint. Es ist auf den zahlreichen Aufnahmen ebenfalls deutlich zu sehen, dass seine vorherige Rückwärtsfahrt nicht unbemerkt blieb. Einige mit Stangen und Knüppeln bewaffnete Genossen warteten schon freudig darauf, dass der sich vorsichtig nähernde Dodge Charger in Schlagreichweite kommen würde. Gibt es einen besseren Weg, das nächste totalitäre Regime zu verhindern, als auf vorbeifahrende Fahrzeuge einzuschlagen? Genau das taten sie. Ein Schlag gegen die linke Seite des Wagens und sehr kurz darauf ein Schlag gegen die rechte Seite. James beschleunigte instinktiv ein wenig, bremste jedoch auch wieder schnell ab. Der Wagen fuhr nun in Schrittgeschwindigkeit durch die blutrünstige Meute, die jederzeit hätte ausweichen können, wie man es gewöhnlich von Fußgängern erwartet. Auch dies bestätigen unzählige Aufnahmen.

Bis zu diesem Zeitpunkt muss jedem unbefangenen Betrachter klar sein, dass James Field keinen lang gehegten Mordplan ausführte. Des Weiteren sollte ersichtlich sein, dass er unvorbereitet in eine Todesfalle getappt war und nun innerhalb von Sekundenbruchteilen Entscheidungen über Leben und Tod treffen musste. Auf einigen Youtube-Filmen ist sogar zu sehen, dass mindestens eine Schusswaffe auf sein Auto gerichtet wurde. Es dauerte nur Augenblicke, bis der tobende Lynchmob begann, den Wagen anzugreifen und die Scheiben einzuschlagen. Als Fahranfänger, der eine Zeitlang Psychopharmaka genommen hatte und an diesem Tag bereits mehrmals Opfer von echten Verbrechen aus Hass geworden war, beging James nun in seiner berechtigten Todesangst einen Fehler: Er flüchtete nach vorn, anstatt den Rückwärtsgang einzulegen. Innerhalb der nächsten Sekunden schob er eine Antifatraube vor sich her, bis er ein anderes Auto rammte. Danach legte er den Rückwärtsgang ein und konnte so der in Blutrausch versetzten Horde entkommen. Die Folge waren mehrere Knochenbrüche bei den Unfallgegnern und eine Tote.

Das Verhalten von James Fields war zwar nicht tadellos, aber nachvollziehbar. Es gibt keinerlei Beweise für eine Tötungsabsicht, und der Vorfall ist somit entweder als Unfall oder als Selbstverteidigung zu werten.

James Fields wurde vor wenigen Tagen wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen. Auf ihn warten eine lebenslange Haft plus 419 Jahre und womöglich gar die Todesstrafe.

Nach dem Rechtsverständnis unserer Kultur ist ein Angeklagter unschuldig, solange seine Schuld nicht bewiesen wurde. Folglich sollte man als Staatsanbeter davon ausgehen, dass die Anklage überzeugende Beweise oder zumindest sehr starke Anhaltspunkte geliefert hat, die die Tötungsabsicht von James belegen. Die Anklage wird ja schließlich deutlich mehr Zeit als der Schreiber dieser Zeilen aufgewendet haben, um sich ein umfängliches Bild von dem Tathergang zu machen, nicht wahr?

Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt. Aufnahmen waren nicht gestattet. Ein bekannter Antifa-Blog berichtete stolz, dass keine „Nazis“ und „Faschisten“ unter den Zuschauern gewesen seien, da die eigenen Leute alle Plätze belegt hätten. Die Anklage präsentierte keine forensischen Beweise. Stattdessen wurden Zeugen und Unfallopfer vorgeladen, die gefühlsgeladene Geschichten erzählten und an den üblichen, sinnentkernten Kampfbegriffen wie „Neonazi“, „Rassist“, „Antisemit“, „Hassverbrechen“, „Homophobie“, „Faschist“ und so weiter nicht sparten. Es gab offensichtlich keinerlei Beweise für eine absichtliche Tötung. In einer vernünftigen Welt wäre James Fields freigesprochen worden, nicht aber in unserem bizarren Paralleluniversum, in dem ein Präsident Donald Trump nach dem Unfall von Charlottesville vor laufender Kamera James Fields zum Mörder erklärt und im gleichen Atemzug dem zuständigen Richter den Rat gibt, dieser möge Geschworene finden, die James Fields sicher verurteilen. Es war ein stalinistischer Schauprozess. Den Unfall von Charlottesville einen vorsätzlichen Mord zu nennen oder gar mit islamischen Anschlägen zu vergleichen, ist lachhaft.

Vor diesem Hintergrund führen wir uns nun die gefühlsgeladenen „Argumente“ der Staatsgläubigen wieder vor Augen, die uns freie Menschen dafür auslachen, dass wir für staatliche „Rechtsprechung“ nicht viel übrig haben. Wurde durch den Staat verhindert, dass ein Lynchmob ein unschuldiges Leben zerstört? Nein, der Lynchmob füllte sowohl den Verhandlungssaal als auch die Geschworenenbank. Hat das Volk eine Möglichkeit, das beteiligte Gericht für das Fehlurteil abzustrafen? Nein, denn politische Wahlen sind viel zu grobkörnig für diese Aufgabe.

Eine vernünftig strukturierte Gesellschaft sieht anders aus. Ach, und wie war das noch mal mit dem „Recht des Stärkeren“? Wie verhindert der ach so tolle Rechtsstaat politisch motivierte Willkürurteile und Hexenverbrennungen? Gar nicht! Er ritualisiert sie lediglich.


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