12. Oktober 2018

Unerwartete Auswirkungen der Metoo-Bewegung Es ist angerichtet

Männliche Manager wollen keine jungen Frauen mehr betreuen

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Wird immer mehr vermieden: Interaktion von Männern und jungen Frauen im Beruf

Die Webseite des World Economic Forum wartet mit einem Beitrag zur Metoo-Bewegung auf. Fazit: Die Bewegung hat „unerwartete Konsequenzen“. In diesem Fall unerwartet negative Konsequenzen. Metoo schadet den Frauen.

Es geht um Mentoring in Unternehmen. Darum, dass erfahrene ältere Kaderleute jüngere Kollegen unter ihre Fittiche nehmen und ihnen mit Wissen, Erfahrung und auch Beziehungen zur Seite stehen und sie unterstützen. Der Weg an die Spitze wird dadurch nicht kürzer oder weniger hart, aber mit einem Ratgeber an der Seite ist er weniger unwägbar.

Das Problem: Bereits vor der Metoo-Bewegung zeigten Forschungsergebnisse des Center for Talent Innovation, dass 64 Prozent der Männer die Interaktion mit jüngeren Frauen im Sinn eines Mentor-Protegé-Verhältnisses vermieden. Dies, um nicht versehentlich in die seit Jahren kultivierte und oft sorgfältig platzierte Schlinge sexueller Vor- und Anwürfe zu treten. Mit Metoo verstärkte sich dieses Sich-Abgrenzen und Auf-Distanz-Gehen weiter. Heute ist es für einen Mann definitiv sicherer, mit Frauen am Arbeitsplatz so wenig wie möglich zu interagieren, wenn ihm die eigene Karriere lieber ist. Laut einer von der „Lean In“-Initiative in Auftrag gegebenen Umfrage hat sich die Anzahl männlicher Manager, die sich unwohl fühlen, wenn sie Frauen betreuen, seit Beginn der Metoo-Bewegung im Oktober 2017 verdreifacht.

Für Facebook-Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg sind diese Ergebnisse besorgniserregend. „Wenn Männer der Meinung sind, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz am besten vermieden werden kann, indem man auch Einzelgespräche mit weiblichen Kollegen vermeidet – einschließlich Meetings, Kaffeepausen und all den Interaktionen, die uns helfen, effektiv zusammenzuarbeiten – wird dies ein großer Rückschlag für Frauen sein.“ Sie schlägt vor, den Ursachen für solches „Unbehagen“ auf den Grund zu gehen.

Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. War irgendjemand dieser weinerlichen PR-Show und der seit Jahren kultivierten Opfer-Orthodoxie der Alt- und Neufeministinnen wirklich der Meinung, man könne aus der Etappe staatlicher Gender- und Feminismus-Industrien heraus auf Dauer der Hälfte der Bevölkerung in den Rücken schießen, ohne dass diese sich wehren würde? Man könne sämtliche Männer unserer Welt mit Ausnahme der noch frisch hier Lebenden aus Eigennutz und um harte Konkurrenz zu vermeiden grundsätzlich als Täter oder zumindest Verdächtige hinstellen, ihnen mit der geballten Gewalt des staatlichen und medialen Monopol-Galgens drohen, und sie würden in der Folge freiwillig und freudevoll Schlange stehen, um Frauen-Mentoren zu werden, Förderer, Türöffner und Willkommensklatscher in den Chefetagen kleiner, mittlerer und großer Unternehmen?

Wenn ja, dann werden hier auch die im Artikel vorgeschlagenen Safe Spaces, die die Unternehmen doch bitte einrichten sollen, damit sich Frauen in sicherem Rahmen mit älteren Männern zum Frühstück oder Mittagessen treffen können, nichts helfen. Die Räume werden leer bleiben und die Chefetagen weiterhin größtenteils in Männerhand.

Bravo! Das habt ihr euch verdient. Es ist eine erste Quittung. Weitere werden folgen. Zahlen werden indes nicht jene dafür, die in der fürchterlichen Männerwelt ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht haben, oder jene, die im Schutz Gender-affiner Druckposten ihr Auskommen haben. Bezahlen werden all jene Frauen, die mit eigener Leistung im Risiko stehen und verlangen, ihr Leben auf eigene Verantwortung leben zu können. Egal in welchem Beruf und auf welcher Position.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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