17. September 2018

Exportwirtschaft des Schwarzen Kontinents Afrika müsste nicht bloßer Rohstofflieferant sein

Botswana und Sambia machen es richtig

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Sollten in Afrika selbst vermarktet werden: Diamanten

Eigentlich könnte es mindestens 20 afrikanischen Staaten gutgehen. Es wird nur wenig produziert, aber Afrika ist wichtig als Rohstoffquelle. Neben Diamanten, Erdgas, Erdöl und Steinkohle verfügt der Kontinent über mehr als die Hälfte des Goldes, 90 Prozent des Kobalts, 50 Prozent der Phosphate, 40 Prozent des Platins der Erde. Die Erdgasfelder in Mosambik werden größer geschätzt als die von Kuwait. In den vergangenen Jahren ist die Wirtschaft in Mosambik im Schnitt um acht Prozent gewachsen. Im Kongo befinden sich die größten Lagerstätten des Erzes Coltan, aus dem Tantal gewonnen wird, unentbehrlich für die Herstellung von Lenkwaffen, Computern und Handys. Bislang hat das Geld aus Energiereserven allerdings nicht das Wohl der Menschen gesteigert, und zwar weder im Kongo noch in Mosambik.

Zwei Drittel der Kobaltreserven der Welt liegen in der Demokratischen Republik Kongo. Aufgrund der politisch höchst unsicheren Lage ist mit Engpässen und Preissteigerungen zu rechnen. Nur mit Kobalt funktionieren moderne Lithium-Ionen-Akkus. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Kobalt, Graphit, Lithium oder Mangan wird es keine Elektromobilität geben. Lithium und Kobalt stecken in den Lithium-Ionen-Akkus, die wegen ihrer hohen Energiedichte als Kraftpakete unter den wiederaufladbaren Batterien gelten. Sie versorgen fast alle Handys, Smartphones, Laptops und E-Bikes mit Energie.

Etwa 40 Prozent der Kosten eines Elektroautos entfallen künftig auf die Batterie. Ein Drittel der Batteriekosten wiederum machen die Rohstoffe aus. In der Batterie eines jeden Elektroautos sind etwa zwölf Kilogramm Kobalt und sechs Kilogramm Lithium verbaut. Der Großteil der afrikanischen Rohstoffe wandert heute nach China, Südkorea und Japan und wird dort verarbeitet. Deutsche Autobauer beziehen ihre Batterien deshalb von asiatischen Lieferanten. BMW hat sich im Februar 2018 eine langfristige Lieferung (zehn Jahre) von Batterierohstoffen gesichert.

Parlamentsabgeordnete oder gar die Bevölkerung in Entwicklungsländern wissen nicht, wie viel Geld ihre Regierungen mit Abbaulizenzen oder Schürfrechten verdienen. Daraus wiederum könnten genaue Rückschlüsse hinsichtlich unterschlagener Beträge gezogen werden.

Statt unverarbeiteter Rohstoffe müssten vermehrt Fertigprodukte oder halbfertige Produkte exportiert werden. Heute werden Rohstoffe exportiert, um dann später Fertigwaren zu importieren, die genau aus diesen Rohstoffen hergestellt werden.

Das große Potenzial der afrikanischen Länder in den Bereichen Land- und Fischwirtschaft und in der Forst- und Viehwirtschaft könnte für verarbeitende Industrien, für die Exportwirtschaft genutzt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu vermindern. Statt des Imports von Nahrungsmitteln von über 40 Milliarden Euro jährlich müssten agrarische Rohmaterialien in den jeweiligen Ländern verarbeitet werden. Wenn man in afrikanischen Staaten einen Laden betritt, findet man so gut wie nichts, was in dem Land hergestellt ist.

Moeletsi Mbeki aus Südafrika ist ein profilierter Kritiker der Wirtschaftsmaßnahmen afrikanischer Regierungen. Mbeki ist Volkswirt und stellvertretender Vorsitzender des südafrikanischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (SAIIA). Er sagt, dass sogar in Südafrika Roherz verkauft wird. „Das Eisen wird noch nicht einmal aus dem Gestein gelöst.“ Er fordert seit langem, die Qualität der Ausbildung in Afrika zu verbessern: „Viele Arbeiter aus Asien kommen zum Schweißen nach Südafrika. Sogar einige Steakschneider im Sudan kommen aus Indien.“

Richtig macht es Botswana: Seit 2013 lässt De Beers, der größte Diamantenkonzern der Welt, sein gesamtes Angebot an Rohdiamanten aus aller Welt in Gaborone statt bisher in London sortieren und handeln. Bereits heute gibt es in Botswana 16 Schleif- und Polierstätten. Das Land zeigt einmal mehr durch kluge Verträge, dass Afrika sich nicht mit der Rolle als Rohstofflieferant begnügen muss. Sambia hat sich kürzlich an Botswana ein Beispiel genommen und will künftig die Smaragdfunde teilweise im Land selbst vermarkten und damit zu einem wichtigen Handelsplatz für Halbedelsteine werden. Sambia ist der drittgrößte Smaragdlieferant der Welt nach Kolumbien und Brasilien.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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