07. August 2018

Einwanderung aus Marokko und anderen afrikanischen Ländern Warum Migranten jetzt nach Spanien kommen

Afrikas Staatsführer übernehmen keine Verantwortung für ihre Bevölkerung

von Volker Seitz

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Bildquelle: trabantos / Shutterstock.com Algeciras: Das neue Lampedusa?

Nachdem der neue sozialistische Regierungschef in Spanien, Pedro Sánchez, das private Rettungsschiff „Aquarius“ in Valencia (das viel näher gelegene Tunis wurde in diesem konkreten Fall erst gar nicht angesteuert) einfahren ließ, haben sich die Migrantenströme von Italien nach Spanien verlagert. Insbesondere Algeciras wurde wie vor einigen Jahren Lampedusa zum Brennpunkt der Migrantenkrise. Bürgermeister Landaluce erinnert daran, dass sich in Lampedusa zeitweise mehr Migranten als Einwohner aufhielten. Allerdings setzt man in Madrid darauf, dass die Migranten bald weiterziehen. „Von zehn bleibt nur einer in Spanien. Die anderen hat Europa absorbiert“, sagte ein Flüchtlingshelfer gegenüber der „FAZ“.

Die EU kündigte am 1. August 2018 an, dass die Regierung in Rabat stärker unterstützt werden soll. Plötzlich kam bis zum Wochenende kein Boot mehr aus Marokko. Wenn das Königreich wieder Druck auf Spanien und Europa ausüben will, gelingt es immer wieder einigen Hundert Einwanderern, die hohen Grenzzäune zu überwinden oder sogar mit Booten das spanische Festland zu erreichen und Strandbesucher zu überraschen. Marokko strebt ein Freihandelsabkommen mit der EU an. Das aber hat der Europäische Gerichtshof wegen der von Marokko besetzten Westsahara ausgeschlossen. Außerdem soll Europa mehr zahlen, damit Marokko Ceuta und Melilla abschottet. Landwirtschaftsminister Aziz Ajanuch erhöht den Druck: „Warum sollen wir damit fortfahren, den Gendarmen zu spielen?“

Der langjährige Afrikakorrespondent der „Los Angeles Times“, David Lamb, schrieb schon 1994 in seinem Buch „Afrika Afrika“: „Tragischerweise ist Afrikas Flüchtlingsproblem eher die Sorge der internationalen Gemeinschaft als die der afrikanischen Regierungen. Dasselbe gilt für Nahrungsmittelknappheit, Bevölkerungswachstum und die Nöte, die durch Dürre und andere Naturkatastrophen verursacht werden. Es ist für die meisten afrikanischen Regierungen in der Tat vorteilhaft, ihre Länder in einem ständigen Ausnahmezustand zu halten, weil sie dann die Krise zu einer unverhofften Geldquelle machen und unterdrückerische Maßnahmen im Namen des Überlebens der Nation rechtfertigen können. In einem besonders schlechten Erntejahr verkaufte beispielsweise Kenia 80.000 Tonnen Weizen an Sambia und erklärte wenig später, dass eine Hungersnot drohe. Westliche Spendenorganisationen sprangen in die Bresche, und alle Beteiligten waren glücklich: Kenia strich den Gewinn aus dem Verkauf an Sambia ein, erhielt umsonst Weizen, um die entstandene Lücke aufzufüllen, und musste sich nicht mit der anstrengenden Planung der Lagerung und der Verteilung seines Weizens befassen; die Hilfsorganisationen waren wieder einmal in der Lage, ihre Existenz mit Statistiken über die Anzahl der Menschen zu rechtfertigen, die sie vor dem Hungertod bewahrt hatten.“ (Seite 241)

„Sie wollen sich nur bereichern“

Diese Einstellung hat sich seither nicht geändert. Der 31. Staatengipfel der Afrikanischen Union (AU) in Mauretanien im Juli 2018 hatte ganz andere Themen auf der Agenda als die Ursachen für das Flüchtlingsproblem, das Bevölkerungswachstum oder die Nahrungsmittelsicherheit.

Weder den entrückten afrikanischen Machthabern noch der Afrikanischen Union (AU) ist der tausendfache Tod im Mittelmeer besonderes Aufheben wert. Warum fragt niemand Afrikas Staatsführer, weshalb sie außerstande sind, Verantwortung für ihre Bevölkerung zu übernehmen? Vielen afrikanischen Autokraten sei es schlicht egal, ob ihre Bürger im Meer ertrinken würden, sagte der kenianische Publizist Koigi wa Wamwere. „Sie sind weder am Allgemeinwohl interessiert noch daran, die Lebensumstände ihrer Bürger zu verbessern, sie wollen sich nur bereichern“, ergänzt der Ex-Minister, der für seine kritischen Überzeugungen in Kenia elf Jahre im Gefängnis saß.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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